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29.09.2014

12:21 Uhr

Nach Kursrutsch

Teurer Personenkult bei der Allianz

Bill Gross geht und mit ihm das Geld. Kunden ziehen Milliarden ab, die Allianz-Aktie ging auf Talfahrt. Am Montag erholt sich die Allianz-Aktie vom Gross-Schock. Ist die Allianz jetzt ein Schnäppchen?

Ein Börsenhändler in Frankfurt schaut auf seine Monitore. Die Allianz-Aktie geriet am Montag unter Druck. Am Montag kehrt etwas Ruhe ein. dapd

Ein Börsenhändler in Frankfurt schaut auf seine Monitore. Die Allianz-Aktie geriet am Montag unter Druck. Am Montag kehrt etwas Ruhe ein.

Düsseldorf4,3 Milliarden Euro – so viel kostete der Abgang einer einzigen Person die Allianz-Aktie. Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass Bill Gross die Allianz-Tochter Pimco verlassen wird, brach der Kurs des deutschen Versicherers um mehr als sieben Prozent ein. Damit verlor die Allianz 4,3 Milliarden an Börsenwert – das entspricht in etwa dem gesamten Börsenwert von K+S.

Am Montag kommt etwas Ruhe bei der Allianz auf: Die Aktie geht auf Erholungskurs, gewinnt ein Prozent und ist stärkster Wert im Dax. Das Management präsentierte sich gelassen: Der Konzern sei auf den Abgang von Bill Gross vorbereitet gewesen, sagte der für die Vermögensverwaltung zuständige Allianz-Vorstand Jay Ralph in einem Interview im Handelsblatt. „Pimco hat sich in den vergangenen Jahren verändert, von einem gründergeführten Anleihe-Investor hin zu einem globalen Vermögensverwalter. Dass es irgendwann auch in der Führung Änderungen geben würde, war absehbar. Der Tag musste irgendwann kommen.“

Trotzdem: Obwohl der Abgang des Anleihekönigs absehbar war, traf sein Schritt die Anleger hart. „Gross war der kreative Kopf von Pimco, er hat den größten Fonds verwaltet - da ist diese Kursreaktion schon nachvollziehbar“, sagte ein Börsianer.

Gross verwaltete den Vorzeige-Anleihefonds Total Return zuletzt persönlich. Laut der US-Zeitung „Wall Street Journal“ haben die Kunden nach dem Weggang am vergangenen Freitag etwa zehn Milliarden Dollar abgezogen. Dabei haben Anleger bereits seit Mai 2013 70 Milliarden Dollar aus dem Fonds geholt.

Immerhin müssen Allianz-Anleger nicht zu viele Personalien verarbeiten: Michael Diekmann wird wohl Allianz-Chef bleiben, erfuhr das Handelsblatt. Für ihn wird die interne Altersgrenze für Vorstandsvorsitzende außer Kraft gesetzt, damit er an der Spitze des Konzerns bleiben kann. Diekmann soll vor allem bleiben, weil er noch viele offene Baustellen hat. Eine davon ist das US-Geschäft, speziell Pimco. Dort könnte mit dem neuen Chef Daniel Ivascyn demnächst ein frischer Wind wehen, der dann auch der Allianz-Aktie Auftrieb geben könnte.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Analysten sehen für die Aktie noch viel Potenzial. Der massive Kursrückgang vom Freitag sei übertrieben, schreibt Peter Eliot von der Berenberg Bank in seiner aktuellen Studie. Die Allianz-Aktie sei jetzt ein Schnäppchen und er empfiehlt die Aktie zum Kauf. Auch die DZ Bank sieht aktuell Einstiegskurse bei der Allianz.

Anders sieht das Hadley Cohen von der Deutschen Bank: „Die Marktstimmung in puncto Allianz ist derzeit klar negativ, so dass Anleger der Aktie nicht nachjagen sollten, auch wenn sie nun billiger sei.“ Er stuft die Aktie als neutral ein. Auch die Credit Suisse betonte, dass überraschende Wechsel Gross' signifikante Geldabflüsse auslösen dürfte.

Von

wep

Kommentare (1)

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Carl Icahn Jr.

29.09.2014, 12:38 Uhr

Verwunderlich an dem Kursrutsch vom Freitag war höchstens, dass die ganze Bewegung ablief ohne eine einzige Vola-Unterunterbrechung auszulösen.

Da möchte man(n) doch zu gerne wissen, wo Xetra in der Gattung die (geheimen) Statischen und Dynamischen Preisbänder (die 2 Kriterium für eine Xetra-Volatilitätsunterbrechung) hat, dass die Algos diese geschickt umgehen konnten ohne den Mist in die Vola zu schicken .....


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

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