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28.01.2005

15:30 Uhr

Nachgefragt: Alain Bourrier

"Die Märkte schwanken stark"

Alain Bourrier ist Manager eines Osteuropa-Fonds von Merrill Lynch. Im Interview erklärt er, was für einen weiteren Anstieg an den mittel - und osteuropäischen Aktienmärkten spricht und wo er das größte Risiko sieht.

Handelsblatt: Die Kurse an den mittel- und osteuropäischen Aktienmärkten sind 2004 deutlich gestiegen. Was spricht für einen weiteren Anstieg?

Alain Bourrier: Obwohl die Aktienmärkte in Mittelosteuropa 2004 stark zugelegt haben – wie zuvor schon im Jahr 2003 – sehen wir noch weiteres Anstiegspotenzial. Viele Aktien an den Märkten werden immer noch mit einem Abschlag gegenüber ihren westeuropäischen Pendants gehandelt. Und zwar ungeachtet ihrer besseren Wachstumsaussichten. Wir erwarten aber, dass sich diese Bewertungsdifferenz im Laufe der Zeit schließen wird.

Wo sehen Sie die größten Risiken? Was könnte einen weiteren Kursanstieg verhindern?

Die Annäherung an Westeuropa kommt nicht von heute auf morgen. In der Zwischenzeit gibt es Risiken, die Investoren nicht außer Acht lassen sollten. In Ungarn etwa ist die makroökonomische Situation nicht besonders gesund; das Land hat ein großes Leistungs- und Haushaltsdefizit. Auf Grund dieser Ungleichgewichte könnte der Kurs des ungarischen Forints unerwartet unter Druck geraten.

Welcher Markt hat das größte Wachstumspotenzial?

Die beste Performance erwarten wir auf nahe Sicht in der Türkei. Das Land weist ein höheres Wachstum als der Rest der Region auf. Und mit dem Beschluss zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union (EU) haben die politische und ökonomische Stabilität an Bedeutung gewonnen. Investoren sollten aber bedenken, dass türkische Aktien stark schwanken und es nur wenig Research gibt. Private Anleger sollten sich daher besser über Investmentfonds mit guter Erfahrung in dem Markt engagieren.

Hat der EU-Beitritt die Wahrnehmung der mittelosteuropäischen Länder in Investorenkreisen verändert?

Tschechien, Ungarn und Polen haben sich der EU bereits angeschlossen, doch die Märkte profitieren zugleich noch von Investoren, die in Emerging Markets investieren. Daraus folgt, so könnte jedenfalls argumentiert werden, dass diese Märkte kurzfristig darunter leiden könnten, wenn Anleger Gelder aus den Emerging Markets abziehen sollten. Etwa weil sie irgendwo anders bessere Anlagemöglichkeiten sehen.

Was sollte ein privater Anleger bedenken, wenn er sich an den mittel- und osteuropäischen Aktienmärkten engagieren will?

Wie bereits erwähnt, sollten Anleger bedenken, dass die Aktien an diesen Märkten stark schwanken. Der beste Weg, um das Risiko und die Volatilität zu diversifizieren, ist das Engagement über einen auf die Region spezialisierten Investmentfonds.

Die Fragen stellte Regine Palm.

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