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02.12.2015

13:06 Uhr

Neuemission

Autoentwickler geht an die Börse

Das Wiesbadener Unternehmen Edag geht heute an die Börse, die Aktien des hessischen Autoentwicklers steigen beim Debüt um zehn Prozent über dem Ausgabepreis. Kurios: Die Firma braucht gar kein Kapital.

Die hessische Firma entwickelt mit 7.600 Mitarbeitern ganze Fahrzeugmodelle für Auto- und LKW-Hersteller. dpa

Ein Konzeptfahrzeug der Firma Edag

Die hessische Firma entwickelt mit 7.600 Mitarbeitern ganze Fahrzeugmodelle für Auto- und LKW-Hersteller.

FrankfurtErfolgreiches Börsendebüt für den Autokonstruktur Edag : Die Aktien des Wiesbadener Unternehmens legten am Mittwoch an der Frankfurter Börse um mehr als zehn Prozent auf 21 Euro zu. Bereits der erste Kurs war mit 19,55 Euro über dem Ausgabepreis von 19 Euro festgestellt worden. "Edag ist jetzt optimal positioniert, um bei einer möglichen Konsolidierung des Marktes für Ingenieurdienstleistungen eine führende Rolle zu spielen", sagte Verwaltungsratschef Thomas Eichelmann. Für ihn war es eine Rückkehr an die Börse: Eichelmann war von 2007 bis 2009 Finanzvorstand der Deutschen Börse, heute leitet er die Investment-Holding des hessischen Unternehmers Lutz Helmig.

Der als Klinik-Gründer (Asklepios, Helios) bekannt gewordene Helmig nimmt mit dem Börsengang 191 Millionen Euro ein. Mit seiner privaten Beteiligungsgesellschaft kaufte er allerdings beim Börsengang gleichzeitig Edag-Aktien für 16,6 Millionen Euro zu. 36,75 Prozent an Edag sind damit im Streubesitz, Helmig hat aber signalisiert, seinen Anteil nach Ablauf der sechsmonatigen Haltefrist bis auf 50 Prozent abschmelzen zu lassen. Dann könnte die Aktie in den Kleinwerteindex der Börse einziehen: "Der SDax ist ein Ziel", sagte Eichelmann. "Ich halte das nicht für unmöglich." Dort ist bereits der schwäbische Rivale Bertrandt gelistet. Edag ist an der Börse 525 Millionen Euro wert, Bertrandt mehr als das Doppelte.

Die größten deutschen Börsengänge seit 2000

Platz 12

Schaeffler

Erstnotiz: 09.10.2015
Branche: Autozulieferer/Industrie
Erwarteter Bruttoerlös: 937,5 Millionen Euro (ursprünglich geplant: 2,5 bis 3 Milliarden Euro)

Platz 11

Scout24

Erstnotiz: 01.10.2015
Branche: Internetdienstleistungen
Erwarteter Bruttoerlös: etwa 1,2 Milliarden Euro (ursprünglich geplant 1,63 Milliarden Euro)

Platz 10

Rocket Internet

Erstnotiz: 01.10.2014
Branche: Firmenbeteiligungen/Start-up Inkubator
Bruttoerlös: 1,4 Milliarden Euro

Platz 9

Telefonica Deutschland

Erstnotiz: 29.10.2012
Branche: Mobilfunk
Bruttoerlös: 1,45 Milliarden Euro

Platz 8

Deutsche Postbank

Erstnotiz: 22.06.2004
Branche: Finanzdienstleistungen
Bruttoerlös: 1,5 Milliarden Euro

Platz 7

Covestro

Erstnotiz: 6. Oktober 2015 (ursprünglich geplant 2. Oktober)
Branche: Kunststoff/Chemie
Erwarteter Bruttoerlös: 1,5 Milliarden Euro (ursprünglich geplant 2,5 Milliarden Euro)

Platz 6

Tognum

Erstnotiz: 30.06.2007
Branche: Autozuliefer/Industrie
Bruttoerlös: 2,01 Milliarden Euro

Platz 5

T-Online

Erstnotiz: 17.04.2000
Branche: Internetdienstleister/Kommunikation
Bruttoerlös: 2,87 Milliarden Euro

Platz 4

Uniper

Erstnotiz: 12.09.2016
Branche: Energie
Bruttoerlös: 3,67 Milliarden Euro

Platz 3

Innogy

Erstnotiz: 7.10.2016
Branche: Energie
Bruttoerlös: 5 Milliarden Euro

Platz 2

Infineon

Erstnotiz: 13.3.2000
Branche: Halbleiter
Bruttoerlös: 6,07 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Post

Erstnotiz: 19.11.2000
Branche: Logistik
Bruttoerlös: 6,25 Milliarden Euro

Quelle

Quelle: Unternehmen, Reuters

Die Emission sei am unteren Ende der Preisspanne mehr als dreifach überzeichnet gewesen, sagten Banker. Mit rund 40 Prozent gingen überdurchschnittlich viele Papiere an deutsche Investoren. Allein elf Prozent des Emissionsvolumens nahmen Helmig und die Edag-Mitarbeiter ab. Vorstandschef Jörg Ohlsen sieht den Wert der Börsennotiz vor allem in einer verstärkten Aufmerksamkeit für Edag: "Wir suchen immer wieder Ingenieure, wir stellen jedes Jahr 1500 Leute ein."

Der Ingenieurdienstleister entwickelt mit 7600 Mitarbeitern im Auftrag von Auto- und Lkw-Herstellern sowie Zulieferern ganze Fahrzeugmodelle oder Komponenten und konzipiert zusätzlich den Produktionsablauf. Edag gehört zu den drei größten deutschen Outsourcing-Dienstleistern für die Autoentwicklung. Der Rivale Bertrandt ist bereits an der Börse notiert und wird dort mit gut 1,1 Milliarden Euro bewertet.

Edag hat das erste fahrbare Auto in Originalgröße produziert, das aus dem Drucker kommt und aus einer Mischung aus Kunststoff und Metall besteht. Bezogen ist das Ganze mit einer Stoffaußenhaut von Jack Wolfskin, angetrieben wird es von einem Elektromotor. Der Prototyp hat auf dem Genfer Automobilsalon für so viel Aufsehen gesorgt, dass selbst der Verwaltungsratsvorsitzende von Edag, Thomas Eichelmann, einen Termin braucht, um ihn anschauen zu können.

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Die Deutsche Börse überprüft diese Woche die Indexzusammensetzungen. Dabei werden Börsenneulinge wie Covestro und Scout24 eine entscheidende Rolle spielen. Für Elring-Klinger und Klöckner könnte es hingegen eng werden.

Edag ist die 16. und letzte Neuemission dieses Jahres an der Frankfurter Börse. Die Börsenneulinge sammelten insgesamt sieben Milliarden Euro ein. Damit war 2015 das beste Emissionsjahr seit der Finanzkrise. Am nächsten Montag bekommt die Frankfurter Börse aber weiteren Zuwachs: Der südafrikanische Möbelhersteller und -händler Steinhoff wechselt an diesem Tag von der Börse in Johannesburg an den Frankfurter Aktienmarkt, allerdings ohne frisches Kapital einzusammeln. Der Eigentümer der Möbel-Ketten "Poco" (Deutschland), "Kika", "Leiner" (Österreich) und "Conforama" (Frankreich) wird an der Börse mit umgerechnet 22 Milliarden Euro bewertet.

Von

rtr

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