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16.06.2011

13:53 Uhr

Neuemission

Samsonite scheitert an der Börse

Der Kofferhersteller Samsonite ging heute mit großen Erwartungen an die Börse. Das Debüt ist ein Flop, der Aktienkurs bricht ein. Das gleiche Schicksal könnte weiteren Debutanten drohen.

Samsonite-Chef Tim Parker: Der Börsengang kann die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen, die Aktie stürzt ab. Quelle: Reuters

Samsonite-Chef Tim Parker: Der Börsengang kann die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen, die Aktie stürzt ab.

HongkongDer Börsengang von Samsonite ist ein Debakel. Der Aktienkurs des weltgrößten Kofferherstellers rutschte am ersten Handelstag in Hongkong um bis zu elf Prozent ab.

Damit bekam das Unternehmen am Donnerstag die derzeit schlechte Investorenstimmung voll zu spüren. Sie hat längst auch den heiß begehrten Handelsplatz Hongkong erfasst. Das wirft zugleich dunkle Wolken auf den mit Spannung erwarteten Börsengang von Prada an selber Stelle kommende Woche. Das italienische Modehaus gibt sich mittlerweile vorsichtiger und engte die Spanne für seine Preisvorstellungen ein. Am Freitag will es entscheiden, wie viel die Anleger für die Prada-Aktie zahlen müssen.

Bei Samsonite war die Nachfrage bereits vor dem Start sehr mäßig. Die Titel wurden zu je 14,50 Hongkong-Dollar ausgegeben. Das war das untere Ende der Preisspanne, die das in Luxemburg ansässige Traditionsunternehmen bereits deutlich nach unten korrigiert hatte. Und zum Handelsbeginn warfen Investoren die Anteilsscheine gleich in rauen Mengen auf den Markt: Der Kurs brach ein auf bis zu 12,96 HK-Dollar. Später erholte er sich wieder auf 13,38 HK-Dollar.

Die Nachfrage von Kleinaktionären war nur 1,23 Mal so hoch wie das Angebot. Zum Vergleich: Beim bislang populärsten Börsengang in diesem Jahr, dem des Handtaschen-Händlers Milan Station Holdings, lag der Faktor bei 2000. Samsonite und seine Alteigner - darunter der Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Royal Bank of Scotland Group - verkauften Aktien im Wert von umgerechnet 882 Millionen Euro.

Trotz des enttäuschenden Empfangs an der Börse äußerte sich Samsonite-Chef Tim Parker zufrieden. Er sprach von einem relativ guten Start, berücksichtige man die derzeit starken Schwankungen an den Märkten. „Ich bin überhaupt nicht verstimmt“, sagte Parker, der einen scharlachroten Samsonite-Koffer hinter sich herzog. Das Emblem darauf zierten die Worte „Gott des Gepäcks“, in Englisch wie Kantonesisch. Der Name der 101 Jahre alten Marke leitet sich her vom biblischen Helden Samson, dessen Stärke sprichwörtlich ist.

Hongkong hatte sich zuletzt zu einem Mekka für Börsenkandidaten entwickelt. Die Unternehmen hofften auf großes Interesse zugkräftiger Investoren und auf mehr Aufmerksamkeit bei den asiatischen Verbrauchern. Vor allem in China hat sich im Zuge des Wirtschaftsbooms eine neue, kaufkräftige Mittelklasse herausgebildet, die nach Luxusschuhen, Handtaschen und Schmuck geradezu giert.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

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