Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2014

10:19 Uhr

Neuemissionen

Deutschland hinkt bei Börsengängen hinterher

Rund um den Globus gehen Unternehmen wieder verstärkt an die Börse, um sich frisches Geld zu besorgen. In Deutschland allerdings traut sich kaum ein Konzern auf das Parkett - mit gutem Grund.

SFS hat an der Kurstafel einen guten Start hingelgt. dpa

SFS hat an der Kurstafel einen guten Start hingelgt.

FrankfurtDeutschland hinkt bei Börsengängen anderen Finanzplätzen weiter spürbar hinterher. Während nach Finanz- und Eurokrise andernorts wieder kräftig Geld eingesammelt wird, bleibt die Quelle am deutschen Emissionsmarkt weiter trocken. Dabei dürfte das Geld eigentlich so locker sitzen wie selten zuvor: Weltweit sorgte die Liquiditätsschwemme der Notenbanken trotz verhaltenen Wirtschaftswachstums für steigende Aktienkurse.

Die Musik bei Erstemissionen - im Englischen IPO genannt für „Initial Public Offering“ - spielt aber vorwiegend außerhalb Deutschlands. In Asien und vor allem in China, in den USA, aber auch in Europa kann sich die Bilanz 2014 bislang sehen lassen. Nach Zahlen der Unternehmensberatung EY (ehemals Ernst & Young) legt das Geschäft mit dem Sprung aufs Parkett wieder deutlich zu. Weltweit stieg das Emissionsvolumen in den ersten drei Monaten im Vergleich mit dem Vorjahresszeitraum demnach um knapp drei Viertel auf 42,6 Milliarden US-Dollar.

„Der Risikoappetit zieht nach erfreulicher Entwicklung in allen Industriesektoren an“, sagt Martin Steinbach, bei EY zuständig für Börsengänge in der Region Europa, Naher Osten und Indien. Viele Hedgefonds wollten jetzt aus ihren Beteiligungen aussteigen und ihre Investments an der Börse mit Gewinn verkaufen. Das soll dem Markt auch im zweiten Quartal Schub geben.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

In Deutschland heißt es aber weiter Warten. Im letzten Jahresviertel 2013 wurden 30 Millionen Euro eingesammelt, in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres stand laut Wirtschaftsprüfer PwC sogar eine Null unterm Strich. Die Experten zählen in dieser Statistik nur solche Kapitalmaßnahmen, die auch echtes neues Geld in die Kassen der Unternehmen spülen. Vor einem Jahr waren das noch mehr als eine Milliarde Euro.

Vergleiche fallen im IPO-Markt zwar generell schwer. Die Zahlen schwanken stark, das eingesammelte Kapitalvolumen steht und fällt mit größeren Platzierungen. Die Tendenz ist für Deutschland aber dennoch ernüchternd

Dabei weiß auch unter deutschen Experten kaum einer so richtig, warum sich niemand an die Börse zu trauen scheint. „Es gab zwar in jüngster Zeit Börsengänge zum Beispiel über Abspaltungen wie bei Osram oder über Privatplatzierungen wie bei Evonik - aber das klassische öffentliche Angebot, das fehlt“, sagt Kay Baden, der für die Unternehmensberatung Kirchhoff Consult Börsengänge begleitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×