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21.06.2012

09:38 Uhr

Neuemissionen

Die miese Bilanz der deutschen Börsengänge

VonKerstin Leitel

Aktien sollen eine gute Investition sein, preisen Banken oft an. Doch in den vergangenen Jahren haben Anleger mit Börsengängen viel Geld verloren. Nach dem Start ging es meist abwärts - mit wenigen Ausnahmen.

Abwärts: Besonders schlecht schnitte Neuzugänge aus China ab. dapd

Abwärts: Besonders schlecht schnitte Neuzugänge aus China ab.

FrankfurtAls vor rund zwei Jahren die Aktie des chinesischen Sanitärprodukteherstellers Joyou in den Handel startete, war bei einigen Aktionären die Freude sicher groß: Über 13 Prozent Gewinn konnten diejenigen einstreichen, die die Aktie gezeichnet hatten, zugeteilt bekamen und zum ersten Kurs auch gleich wieder verkauften. Wer bis zum heutigen Tage dem Unternehmen die Treue hielt, dürfte das dagegen bereut haben. Die Aktie ist mittlerweile nur noch gut die Hälfte wert.

Das ist kein Einzelfall. Die Aktien vieler Unternehmen, die in den vergangenen Jahren an der Börse debütiert haben - im Jargon IPO genannt -, haben an Wert eingebüßt. "Viele Aktien von IPO-Kandidaten wurden zuletzt mit zu viel Euphorie an den Markt gebracht. Dann holte die Marktteilnehmer die Realität ein, und die Kurse fielen - wie wir es zuletzt auch bei Facebook gesehen haben", erklärt Finanzmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Die Zeiten, wo ein Börsengang ein Selbstläufer war, sind vorbei." Diese Einschätzung teilt Carsten Klude von M.M. Warburg. "Die Euphorie nach einem Börsengang verfliegt schnell, und dann muss ein Unternehmen zeigen, ob es die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann."

Offenbar schafften das viele Börsenneulinge nicht. Besonders an den Aktien chinesischer Neulinge konnten sich die Investoren die Finger verbrennen. Oft steckte das Misstrauen gegenüber chinesischen Firmen dahinter.

Denn in den vergangenen Jahren waren mehrere asiatische Börsenneulinge in Nordamerika in den Verdacht geraten, ihre Bücher zu schönen. Hierzulande sorgte kürzlich Zhong De - der erste China-Börsengang in Frankfurt - für eine böse Überraschung, weil das Unternehmen die Veröffentlichung seiner Bilanz von Ende April auf Mitte Juni verschob.

Zudem sind es derzeit schwierige Zeiten für Börsenneulinge. Schließlich geht es am gesamten Aktienmarkt seit Jahren sehr nervös zu, und dem können sich die Unternehmen, die an die Börse streben, nicht entziehen.

Mit Kabel Deutschland, dem Chemiezulieferer Brenntag und dem Immobilienkonzern GSW gab es jedoch einige Titel, die sich gegen den Abwärtssog stemmen konnten. Alle drei Titel haben mittlerweile den Sprung in den MDax geschafft und deutlich zugelegt. "Aktien von Unternehmen wie Brenntag oder Kabel Deutschland haben davon profitiert, dass Aktien solcher Unternehmen sich in diesen Zeiten besser halten als andere", erklärt Fachmann Halver. "Das sind Unternehmen mit Substanz."

Kommentare (2)

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Hermann.12

21.06.2012, 10:00 Uhr

Börsengänge sind ja nicht mehr dazu da, um Wachstum zu fianzieren, das sit mittlerweile eher selten. Meistens geht es um eine günstigere Kapitalbeschaffung. Was schlicht bedeutet, das Unternehmen macht den Gewinn und nicht der Anleger. Zu dem sind die Erwartungen schon alle eingepreist und zwar für den optimalen Fall.
das Ganze bei relativ hoher Nachfrage und der Flop ist wahrscheinlicher als ein langfristiger Gewinn.

H.

Account gelöscht!

21.06.2012, 10:24 Uhr

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