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12.04.2012

09:59 Uhr

Neuemissionen in Deutschland

Börsenkandidaten haben es eilig

VonRobert Landgraf

Unternehmen mussten ihre Börsenpläne wegen der Schuldenkrise verschieben. Jetzt drängen gleich mehrere an den Markt. In den kommenden Wochen stehen milliardenschwere Börsengänge an. Das könnte im Dax für Bewegung sorgen.

Das Logo von Evonik an der Zentrale in Essen. Der Chemiekonzern plant seinen Gang an die Börse. dpa

Das Logo von Evonik an der Zentrale in Essen. Der Chemiekonzern plant seinen Gang an die Börse.

FrankfurtBislang war es vor allem die Hoffnung auf Börsengänge, die Jahr für Jahr an den Märkten gehandelt wurde. Zu mehr reichte es nicht - auch 2011: Nach vielen Vorschusslorbeeren blieb es in zwölf Monaten bei vier Börsengängen aus dem ersten Halbjahr. Danach machte die Schuldenkrise Vorstandschefs wie Klaus Engel, der den Essener Spezialchemiekonzern Evonik führt, einen Strich durch die Rechnung. Nichts ging mehr im vergangenen Jahr. Engel will das aber schon bald nachholen.

Die endgültige Entscheidung soll am 23. Mai fallen, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens. Aber die Liste der Kandidaten ist viel länger, zahlreiche bekannte Namen sind darunter. Dazu gehören der Versicherungskonzern Talanx, der Autozulieferer Kolbenschmidt Pierburg, eine Tochter des Unternehmens Rheinmetall, aber auch die Lichttechnik-Tochter Osram des Technologiekonzerns Siemens. Mit dabei sind ebenfalls der Unterwäschehersteller Schiesser und das Spezialchemieunternehmen HC Starck.

Der Berater Ernst & Young rechnet mit bis zu zehn Börsengängen in Deutschland im Mai und Juni. Das Gesamtvolumen könnte nach Bankenschätzungen gut und gerne bei sieben bis acht Milliarden Euro liegen. Allein im Fall Evonik wird in Bankenkreisen mit bis zu fünf Milliarden Euro gerechnet.

Dann könnten die Essener Lufthansa aus dem Deutschen Aktienindex (Dax), dem wichtigsten Stimmungsbarometer an der Börse, verdrängen. Der Kranich kommt als kleinster Wert im Dax derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 4,6 Milliarden Euro. Alle sind sie bereits gut vorbereitet auf einen Börsengang und haben ihre Konsortialbanken, ihre Berater, bereits ausgewählt.

Die größten Börsengänge der Welt

General Motors

General Motors: 23,1 Mrd. Dollar (2010, USA)

Agricultural Bank of China

Agricultural Bank of China: 22,1 Mrd. Dollar (2010, China)

ICBC

ICBC: 21,97 Mrd. Dollar (2006, China)

Visa Inc

Visa Inc: 19,65 Mrd. Dollar (2008, USA)

NTT Mobile Communications

NTT Mobile Communications: 18,05 Mrd. Dollar (1998, Japan)

Enel SpA

Enel SpA: 16,59 Mrd. Dollar (1999, Italien)

Nippon Telegraph and Telephone

Nippon Telegraph and Telephone: 13,75 Mrd. Dollar (1986, Japan)

Deutsche Telekom

Deutsche Telekom: 12,49 Mrd. Dollar (1996, Deutschland)

Bank of China

Bank of China: 11,19 Mrd. Dollar (2006, China)

Dai-ichi Life Insurance

Dai-ichi Life Insurance: 11,16 Mrd. Dollar (2010, Japan)

„In vielen Fällen werden die Unterlagen auf Tagesbasis den aktuellen Entwicklungen angepasst. Es fehlen nur noch die Quartalszahlen. Dann kann es losgehen“, heißt es in Finanzkreisen. Die ersten Ankündigungen können Mitte bis Ende Mai kommen, wenn die Zahlen der Unternehmen für das erste Quartal öffentlich sind und sie schnell in den Börsenprospekt eingearbeitet werden. In der Rohfassung liegt er ohnehin bereits vor, um ihn der Mannschaft um Exekutivdirektor Karl-Burkhardt Caspari von der Finanzaufsicht vorzulegen, die ihn absegnen muss.

Kommentare (1)

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Istdochklar

15.04.2012, 17:27 Uhr

Na ja, ein Börsengang kann, wie man kürzlich in Amerika gesehen hat, zu einer umgehenden feindlichen Übernahme durch Leerverkäufe führen. Solange da in Europa keine Sicherheit gesetzlicher Art gegeben wird, bleibt es ein Vabanque-Spiel für die Unternehmen Gelder an der Börse zu lukrieren.

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