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10.01.2005

08:28 Uhr

Neuemissionen sind wieder erlaubt – Banker erwarten einen Boom bei Börsengängen

Chinas Unternehmen drängen an den Kapitalmarkt

VonMarkus Gärtner (Handelsblatt)

Börsengänge aus dem Reich der Mitte sind wieder begehrt bei den Anlegern. Niedrige Zinsen, die anhaltende China-Euphorie und eine Liquiditätsschwemme in Hongkong schaffen beste Voraussetzungen für Neuemissionen.

PEKING. Chen Tianqiao wäre auch ohne die gute Nachricht aus New York ein glücklicher Mann. Der schwerreiche Unternehmer und Gründer des zweitgrößten chinesischen Onlinespiele-Betreiber „The9“ freute sich dennoch, als er vor zwei Wochen hörte, dass die neuen Aktien seiner Firma am ersten Handelstag in New York um 23 Prozent gestiegen sind. Börsengänge aus dem Reich der Mitte sind wieder begehrt bei den Anlegern.

Die Neuemission von Chinas führender Fluggesellschaft Air China war allein bei Privatinvestoren 83 Mal überzeichnet. Sage und schreibe 928 Mal hätte Chinas führender Chip-Produzent SMIC vor wenigen Wochen seine neuen Aktien verkaufen können. Die massive Nachfrage machte die Börseneinführung mit einem Volumen von 1,8 Mrd. Dollar zum weltweit drittgrößten Börsengang in diesem Jahr.

„Im Moment gibt es gewaltige Nachfrage, und wichtiger noch: Gewaltige Liquidität“, sagt der Portfolio-Manager David Chapman von der Investmentfirma Towry Law. Kein Wunder: Niedrige Zinsen, die anhaltende China-Euphorie und eine Liquiditätsschwemme in Hongkong schaffen beste Voraussetzungen für Neuemissionen. „Neue Titel werden kommen, bis der Markt darin ertrinkt“, prophezeit Stephen Brown, Leiter des Research beim Brokerhaus Kim Eng Securities in Hongkong.

Gerade erst hat Chinas Börsenaufsicht das Ende des im August verhängten Neuemissionsstopps verkündet. Schon bald werden einige Publikumsgesellschaften an den Kapitalmarkt gehen, und eine neue Regel legt fest, dass institutionelle Anleger nun deutlich mehr Mitspracherechte beim Einführungspreis haben. Beobachter versprechen sich davon günstigere Emissionskurse. Über 40 Firmen haben bereits grünes Licht von den Behörden für einen Börsengang bekommen. „Die ersten Platzierungen werden im Januar kommen“, sagt Yuan Xuya, Analyst bei Minsheng Securities in Peking.

Besonders ungeduldig warten die Börsianer auf die Finanzwerte der China Construction Bank, der Bank of China und der Bank of Communications. Die China Construction Bank, der größte Kreditgeber in Chinas boomendem Baugewerbe sowie die größte Devisenbank Bank of China, sind zwei Flaggschiffe der Modernisierung des bislang schwachen chinesischen Finanzsektors. Dessen Reform wird seit Anfang 2004 von der Zentralregierung mit Kapitaleinschüssen und strengen Auflagen mächtig vorangetrieben. Als bester Wert für Anleger gilt dabei die Bank of Communications, die weniger faule Krediten in den Büchern hat als die Konkurrenz und die Management sowie Risikokontrolle effektiver gestärkt hat als die führenden staatlichen Geschäftsbanken.

Auch aus Chinas dynamischstem Sektor, der Immobilienwirtschaft, sollen 2005 mindestens zwei interessante Titel an den Markt kommen, die Beijing North Star und die Poly Real Estate Development. Beijing North Star baut unter anderem die meisten Hotels für die Athleten der Sommerspiele 2008 in Peking.

Neben den Banken und der Immobilienindustrie gilt der Energiesektor als eine der lebhaftesten Branchen. Petro-China und die Shenhua-Gruppe, Chinas führender Kohle-Produzent, sind hier die heißesten Kandidaten für einen Börsengang. Anhaltend hohe Rohölpreise haben der Kohle zu einem neuen Frühling verholfen, und in China, wo die Kraftwerke zu zwei Drittel auf Kohlebasis arbeiten, schürt das besondere Phantasie.

Petro-China – seit drei Jahren bereits in Hongkong und New York gelistet – will nun auch die China-Börsen anzapfen. Yuan Xuya hält viel von der Öl-Aktie: „Für die nächsten zehn Jahre wird Chinas Ölhunger die Preise auf hohem Niveau halten, das hilft Petro-China.“

Auch zwei weitere Kohle-Produzenten, die Datong Coal Mine und die Huolinhe Coal, planen Börsengänge. „Der Markt wird Werte wie diese umarmen“, prophezeit der Analyst Chen Yicong vom Brokerhaus Southwest Securities. Als Börsenkandidat wird auch die CNOOC Petroleum Fudao gehandelt, ein Düngemittelproduzent, der zu Chinas führendem Offshore-Ölkonzern CNOOC gehört. Fudao hat über seinen Mutterkonzern Zugang zu günstigen Rohstoffen und gilt als besonders effizient.

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