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31.01.2005

13:00 Uhr

Nur wenige Analysten sehen noch Potenzial

Aixtron gilt noch immer als spekulativ

VonChristian Schnell

Die Aktie des Aachener Anlagenbauers Aixtron gehört seit Jahresbeginn zu den großen Überraschungen. Um rund 30 Prozent konnte sie seit dem ersten Handelstag zulegen und auch am Freitag war sie bei den Tagesgewinnern im TecDax.

FRANKFURT/M. Dass deswegen aber nun nach jahrelangen Enttäuschungen die Wende zum Besseren eingeläutet ist, glauben die meisten Analysten nicht. Ein Analyst einer deutschen Großbank, der nicht genannt werden will, drückt es sogar besonders drastisch aus: „Es ist mir unerklärlich, warum die Aktie so performt. Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, bringt er es auf den Punkt.

Tatsächlich finden sich nur wenige Belege dafür, die den jüngste Kursanstieg rechtfertigen könnten. Zum einen hat sich Aixtron mit zwei widerspenstigen Aktionären geeinigt, die gegen die Beschaffung von Kapital zur Akquisition des US-Siliziumanlagen-Herstellers Genus eine Anfechtungsklage angestrengt hatten. Des weiteren wurde anschließend ein Großauftrag des US-Rüstungsunternehmens Northrop Grumman gemeldet, ohne jedoch Angaben zum Volumen zu machen. Und zu guter Letzt hat das Unternehmen in der vergangenen Woche einige Veränderungen im Vorstandsbereich angekündigt. Die wichtigste ist der Wechsel auf der Position des Finanzvorstands, wo ab April Wolfgang Breme, der bislang noch in Diensten von Technotrans steht, den Posten von Chris Dodson übernehmen wird.

Richtig überraschend kam keine dieser Meldungen. Deswegen sehen die meisten Analysten die Kursbewegungen der letzten Wochen ehe als technische Reaktion. „Die Aixtron-Aktie ist genau am 30. Dezember auf ihr Jahrestief gefallen“, sagt Michael Bahlmann vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Es sei deshalb völlig normal, dass bei Werten, die im Vorjahr schwer unter die Räder kamen, zu Jahresanfang neue Phantasie keimt. Diese These stützt auch Karsten Iltgen von der WestLB. „Der Markt springt zu Jahresbeginn gerne bei Unternehmen auf, die am Boden liegen, gleichzeitig aber Marktführer in ihrer Nische sind“, sagt er. Aixtron produziert vor allem für Unternehmen aus den Bereichen Laser, Leuchtdioden und Glasfasernetzwerke komplette Anlagen, mit denen Verbindungs-Halbleiter hergestellt werden können.

Mehr Phantasie gibt es nach Ansicht der Experten jedoch nicht in der Aktie. Von 24 Analysten, die im vergangenen Jahr die Aktie beobachteten, raten weiterhin 14 zum Verkauf. Dem stehen nur zwei Experten gegenüber, die zum Kauf raten. Antoine Badel von Credit Suisse First Boston (CSFB) traut der Aktien auch in Zukunft nur eine schlechtere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu und hält demnach an seinem Kursziel von 3,30 Euro fest. Am Freitag notierte ihr Kurs bei 3,80 Euro. Als Grund dafür nennt er den vom Unternehmen für das laufenden Jahr angepeilten Gewinn je Aktie, der im vergangenen Herbst bereits von 0,23 Euro je Aktie auf magere 0,12 Euro gesenkt wurde.

Umstritten ist unter Analysten auch, ob die Akquisition von Genus überhaupt einen Sinn hat. „Ich bin skeptisch, ob das der richtige Schritt ist“, sagt WestLB-Experte Iltgen. Grund dafür ist, dass Genus in den letzten Jahren regelmäßig Verluste schrieb und auch nach der Übernahme durch Aixtron vorerst einen negativen Ergebnisbeitrag liefern dürfte. Phantasie käme in der Aktien bestenfalls dann auf, wenn bei Genus überraschend schnell der Turn-Around gelingen sollte. Das halten Analysten jedoch für unwahrscheinlich. Schließlich rückt mit William Elder der bisherige Vorstandschef von Genus ins Board von Aixtron. Und Steve Perry, derzeit Vizepräsident dort, übernimmt die Leitung dort.

Zu den zwei Analysten, die gegenüber Aixtron positiv gestimmt sind, gehört Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Er hat die Aktie mit „outperform“ eingestuft und traut ihr somit eine um zehn Prozent bessere Entwicklung als dem TecDax zu. Ein Kursziel von 4,50 Euro hält er für möglich und begründet dies mit der fundamentalen Unterbewertung der Aktie. „Zwar trüben sich die Aussichten für die Halbleiterbranche in diesem Jahr etwas ein. Doch das dürfte jedoch bereits im aktuellen Kurs eingepreist sein“, sagt Hofmann. Bei einem Kurs von unter vier Euro würde er bedenkenlos zugreifen.

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