Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2010

11:43 Uhr

Obama-Pläne

Bankaktien schmieren ab

US-Präsident Barack Obama will die Finanzwelt neu ordnen. Bei den Banken kommen die Pläne gar nicht gut an. Ein Teil ihrer lukrativen Geschäftsfelder ist bedroht. An der Börse sacken die Bankaktien teilweise deutlich ab.

Obamas Regulierungspläne setzen Bankaktien unter Druck. Auch die des Marktführers. dpa

Obamas Regulierungspläne setzen Bankaktien unter Druck. Auch die des Marktführers.

HB FRANKFURT. Die Titel deutscher Bankenwerte sind am Freitag nach Plänen von US-Präsident Barack Obama mächtig unter Druck geraten. Gegen Mittag verloren Aktien der Deutschen Bank als Schlusslicht im Dax rund vier Prozent auf 44,97 Euro. Für Commerzbank-Titel ging es um 0,98 Prozent auf 6,067 Euro nach unten, auch die Postbank und die Aareal Bank gaben nach.

Da auch der Eigenhandel nach Obamas Vorstellungen eingeschränkt werden soll, waren Titel des Börsenbetreibers Deutsche Börse mit minus 2,24 Prozent auf 51,40 Euro ebenfalls unter den schwächsten Werten.

Die Pläne von Obama, den Banken stärker die Zügel anzulegen indem er sowohl die Größe der Banken als auch das Ausmaß risikoreicher Geschäfte begrenzen will, hatten bereits an der Wall Street für heftige Verluste in der Branche gesorgt: JPMorgan und Bank of America brachen um mehr als sechs Prozent ein.

"Zwar sah es bei Xetra-Schluss für die US-Banken schon ähnlich aus, dennoch sind die Pläne nicht gut für die Stimmung", sagte ein Händler. "Viele dachten, Obama rettet die Banken und alles ist wieder gut. Aber der Wille, den Banken richtig auf die Füße zu treten, ist da."

"Die Vorschläge sind zwar keine Bedrohung für die deutschen Banken, allerdings bereiten sie den Boden für eine härtere Regulierung auch in Europa", kommentierte LBBW-Analyst Alexander Groschke die US-Pläne. Daher sollte die Stimmung europaweit negativ bleiben. Equinet-Experte Philipp Häßler sieht durch die geplante Kürzung der Handelsaktivität von Hedge Fonds einen leicht negativen Einfluss für die Deutsche Bank, die Investmentbanking-Aktivitäten in den USA habe. Nun sei wichtig, welche Länder den Plänen der USA folgen. Aufgrund der fehlenden Details sei es aber noch zu früh um genaue Auswirkungen auf den Gewinn des deutschen Branchenprimus abzuschätzen.

JPMorgan sieht durch die Pläne Obamas insbesondere Investmentbanken unter Druck, die Unsicherheit in diesem Segment bleibe ein deutlicher Belastungsfaktor. Zudem steige das Risiko für die Eigenkapitalrendite und der negative Gewinneinfluss für 2011 wird von den Experten inklusive der vorgeschlagenen Regulierung des Derivategeschäfts auf durchschnittlich 21 Prozent geschätzt. Sie ziehen daher weiterhin die Geschäftsbanken den Investmentbanken vor.

"Auch wenn die europäischen Banken noch nicht direkt im Visier stehen und von den US-Plänen auch nicht direkt betroffen sind, wirkt sich die Entwicklung auf den hiesigen Sektor aus", hieß es von den UBS-Analysten. Einerseits seien durch die Pläne die Gewinne in den betroffenen Sparten gefährdet. Andererseits gebe es noch wenige Details und eine hohe Unsicherheit, wie weit die noch zu beschließenden Reformen dann tatsächlich gehen. Auch wenn der Bankensektor noch etwas unter Druck kommen dürfte, gebe es weiterhin Gründe, die Branche positiv zu bewerten. Die Bewertungen seien immer noch attraktiv und das aktuelle Kapitalmarktumfeld sei gut und dürfte sich auch weiterhin ähnlich entwickeln.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

schotterpaul

22.01.2010, 13:58 Uhr

Wenn es mit der Umsetzung dieses Vorhabens genauso gut klappt wie mit den anderen vollmundigen Vorhaben Obamas, dann können die banken ruhig schlafen.

Peter Scholz

22.01.2010, 16:40 Uhr

"Ein Teil ihrer lukrativen Geschäftsfelder ist bedroht"?
Den Kunden aufs Kreuz legen ist das lukrativste Geschäftsfeld überhaupt weil der irgendeine bank schon brauchen wird.

christoph rohde

22.01.2010, 16:59 Uhr

Es ist ein Fortschritt, wenn die Eigenkapitalanforderungen gestärkt werden. Auch die Größe der banken ist ein Thema - es gibt die Theorie optimaler betriebsgröße in der Realwirtschaft. in der Finanzwirtschaft ist je größer, desto willkürlicher. Gut, wenn Obama sich durchsetzt...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×