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20.01.2015

13:54 Uhr

Öl- und Gaskonzern Chevron

Der Profiteur der Ölpreiserholung

Quelle:Börse am Sonntag

Das Öl ist in der vergangenen Woche etwas teurer geworden – und hat den Aktien des Öl- und Gasförderers Chevron Auftrieb verliehen. Ob die Hoffnungen der Anleger berechtigt sind, wird aber erst die Bilanz zeigen.

Etwa 8000 Tankstellen betreibt Chevron in den USA. Das Geschäft des Energieriesen hängt unmittelbar vom Ölpreis ab. ap

Etwa 8000 Tankstellen betreibt Chevron in den USA. Das Geschäft des Energieriesen hängt unmittelbar vom Ölpreis ab.

Das englische Wort „chevron“ hat viele Bedeutungen. Es beschreibt in der Regel Dinge, die der Form nach einem „V“ ähneln, etwa die im First eines Hauses zusammenlaufenden Dachbalken. Entsprechend einleuchtend ist das rot-blaue Logo der amerikanischen Chevron Corporation, die zu den größten Energiekonzernen der Welt gehört. Das Unternehmen betätigt sich in mehreren Bereichen des Energiesektors, darunter Öl- und Gasförderung, Geothermie, Biokraftstoffe und Solarenergie.
Weltweit bekannt ist der US-Konzern jedoch durch das Geschäft mit den Kohlenwasserstoffen, hier Öl und Gas: Die Fördergebiete liegen nicht nur im Golf von Mexiko und Kalifornien, sondern zum Beispiel auch in Nigeria, Kasachstan, Indonesien und Brasilien. Außerdem betreibt der Chevron-Konzern in den USA über 8.000 Tankstellen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Das Geschäft von Chevron hängt dabei natürlich erheblich vom Ölpreis ab. In den vergangenen Monaten war der stark eingebrochen, was vielen Ölkonzernen große Probleme bereitete. Diesem negativen Einfluss hatten sich Exxon Mobil und Chevron im Oktober noch entzogen: Ihr drittes Quartal wurde durch ein gutes Raffineriegeschäft gerettet. Die beiden Energieriesen konnten sogar ihre Profite ausbauen. In den ersten drei Vierteln von 2014 erzielte Chevron einen Umsatz von rund 165 Milliarden US-Dollar, knapp sieben Milliarden weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Nummer zwei des US-amerikanischen Markts steigerte damals überraschend ihren Gewinn um fast 13 Prozent.

Die guten Ergebnisse verhalfen dem Konzern zwischenzeitlich auch wieder zu einem Schub an der Börse. Der sehr wechselhafte Kurs hatte erst im Juli ein neues Allzeithoch bei rund 134 US-Dollar markiert, bevor dann der Ölpreis abstürzte und die Aktie mit sich nahm. Seitdem versucht sich das Papier immer wieder zu erholen, doch die Aufwärtsphasen sind meist schnell vorbei.

Nachdem die Chevron-Aktie Mitte Dezember einen steilen Weg nach oben angetreten hatte, musste sich der Kurs vor knapp zwei Wochen schon wieder nach unten orientieren. Mittlerweile hat er sich gefangen und liegt bei 105,12 US-Dollar an der New York Stock Exchange.
Unterdessen ist Chevron gleich in mehrere juristische Streitigkeiten verwickelt: Wegen einer Verschmutzung des Amazonas-Gebietes hatten zum Beispiel Ecuadorianer gegen den amerikanischen Energieriesen geklagt – der Vorfall datiert noch aus den Neunzigern. Sollte eine der Klagen, die zum Beispiel auch aus Argentinien oder Kanada kommen, vor Gericht erfolgreich sein, könnte das Chevron einen schmerzhaften Geldbetrag kosten, schließlich belaufen sich die Forderungen meist auf mehrere Milliarden US-Dollar. Gerade deshalb versucht man bei Chevron, sich ein Image als treusorgender und auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit bedachter Ölkonzern aufzubauen. Der Slogan lautet daher: The Power of Human Energy.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.01.2015, 20:57 Uhr

Das Öl ist in der vergangenen Woche etwas teurer geworden – und hat den Aktien des Öl- und Gasförderers Chevron Auftrieb verliehen. Ob die Hoffnungen der Anleger berechtigt sind, wird aber erst die Bilanz zeigen.

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man muss mit ganz geschlossenen Augen durch die Welt gehen...

um nicht zu erkennen wie sich weltweit die Politische

neue Weltaufteilung voran geht !!!

Kriege bedeuten immer einen Anstieg vom Ölpreis !!!

Dazu verkauft der feind am feind dann keinen Öl oder Gas !!!

Und auf dem niedrigen Ölpreis baut die ganze EU seinen

von der EU erwartenden Aufschwung ???




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