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25.07.2016

08:29 Uhr

Pokémon Go

Nintendo dämpft Erwartungen – Aktie stürzt ab

Der Erfolg des Smartphone-Spiels Pokémon Go hatte den Aktienkurs von Nintendo, Erfinder der Monsterfiguren, beflügelt. Doch der erwartete Gewinn sei schon in der Prognose enthalten, so der Konzern. Die Aktie sackt ab.

Nintendo kann nur teilweise vom Erfolg des Spiels profitieren. Reuters

Pokémon-Spieler in Tokio

Nintendo kann nur teilweise vom Erfolg des Spiels profitieren.

TokioEnttäuschte Hoffnungen auf eine Gewinnschub durch das Handyspiel „Pokémon Go“ haben am Montag einen Ausverkauf bei Nintendo ausgelöst. Die Aktien des japanischen Videospiel-Anbieters fielen an der Tokioter Börse um knapp 18 Prozent und standen damit vor dem größten Tagesverlust seit fast 26 Jahren. Dabei wechselten bis kurz vor Handelsschluss fast fünf Mal so viele Nintendo-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Allerdings notierten die Papiere damit immer noch zwei Drittel über dem Wert vor Start des Spiels in der ersten Juli-Woche.

Grund für den Kursrutsch: Das Unternehmen hatte am Freitag nach Börsenschluss mitgeteilt, „Pokémon Go“ werde nur einen begrenzten Einfluss auf die Geschäftszahlen haben. Es gebe derzeit keine Pläne, die Geschäftsziele anzuheben.

Pokémon GO: Kleine Kampf-Monster erobern die Welt

Das Spiel

„Pokémon“, kurz für „Pocket Monster“, tragen seltsame Namen wie Pikachu, Traumato oder Magnetilo, kämpfen gern gegeneinander und haben eine gewaltige weltweite Fangemeinde.

1. Wieso scheint die ganze Welt auf einmal nach „Pokémon“ verrückt zu sein?

Es ist das erste Mal, dass man „Pokémon“ auf dem Smartphone spielen kann. Der japanische Spiele-Anbieter Nintendo brachte die beliebten Figuren bisher nur in Games für die hauseigenen Konsolen heraus. Inzwischen jedoch wechseln immer mehr Spieler auf Smartphones und Nintendo konnte diesen Trend nicht mehr ignorieren.

2. Was sind „Pokémon“ überhaupt und worum geht es bei dem Spiel?

„Pokémon“ ist eine Wortbildung aus „Pocket Monster“ - Taschenmonster. Zum ersten Mal tauchten sie 1996 in einem Spiel in Japan auf. Die „Pokémon“ sind darauf versessen, gegeneinander zu kämpfen. Der Spieler fängt sie als „Pokémon-Trainer“ mit Hilfe weiß-roter Bälle ein und bildet sie aus. Im „Pokémon“-Universum gibt es mehr als 700 Figuren. Die beliebteste dürfte „Pikachu“ sein - ein kleines gelbes Monster mit einem Schwanz in der Form eines Blitzes. Neben den Videospielen blüht ein gewaltiges Geschäft mit Sammelkarten und allen möglichen anderen Fanartikeln von Plüschfiguren bis Brotdosen.

3. Was ist das besondere an dem Smartphone-Game?

Im Grunde geht es auch hier darum, „Pokémon“ zu fangen und dann gegeneinander antreten zu lassen. Der Clou ist jedoch die Standort-Erkennung (GPS) auf dem Smartphone. Die „Pokémon“ verstecken sich an verschiedenen Orten – und ein Spieler sieht sie nur, wenn er in der Nähe ist. Dann werden die Figuren auf dem Display des Telefons in die echte Umgebung eingeblendet („Augmented Reality“). In den USA, Neuseeland und Australien sammelten sich schon große Menschenmengen an Orten mit populären „Pokémon“ an. Die kleinen Monster reagieren auf die virtuelle Umgebung: So tauchen Wasser-Pokémon besonders häufig in der Nähe von Flüssen oder Seen auf.

4. Wer steckt hinter dem Spiel?

Es wurde gemeinsam entwickelt von der Nintendo-Beteiligung Pokémon Company und der ehemaligen Google-Tochter Niantic Labs. Letztere hatte unter dem Dach des Internet-Konzerns das ebenfalls auf Ortungsdaten basierte Spiel „Ingress“ programmiert. In ihm kämpfen zwei Lager um virtuelle Portale, die an verschiedenen Orten platziert wurden.

„Pokémon Go“ wechselt zwischen der echten und der virtuellen Welt. Der Spieler muss dabei verschiedene Arten von Fantasiewesen einfangen, die bereits vor 20 Jahren mit einer Serie von Videospielen bekanntwurden. Dank des unerwartet großen, weltweiten Erfolgs von „Pokémon Go“ verdoppelte sich der Kurs der Nintendo-Aktien in den vergangenen zwei Wochen zeitweise. Der Konzern war dadurch zwischenzeitlich mehr Wert als der japanische Elektronikkonzern Sony.

Doch am geschäftlichen Erfolg des Spiels ist Nintendo nur teilweise beteiligt. Die Rechte an den Pokémon-Figuren („Pocket Monster“) hält Pokémon Co, an der Firma ist Nintendo mit 32 Prozent beteiligt. Die Rechte am Spiel hält Pokémon Co gemeinsam mit dem Entwickler Niantic, einem Spin-off der Google-Konzernholding Alphabet, und anderen Investoren. So könnte unter dem Strich nur ein Zehntel des erzielten Gewinns bei Nintendo landen. Wie viel Umsatz und Gewinn das Spiel macht, ist bislang nicht bekannt. Nintendo sieht in jedem Fall keine Notwendigkeit, den eigenen Geschäftsausblick seit dem Start positiver zu bewerten.

Am Mittwoch wird Nintendo über das Ergebnis des Geschäfts im ersten Quartal des Anfang April begonnenen Geschäftsjahrs berichten. Das Spiel kam jedoch erst im Juli auf dem Markt, also nach Schließen der Bücher für das Quartal.

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