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14.01.2010

09:13 Uhr

Polens Kapitalmarkt

Warschau lockt Anleger mit Mega-Emissionen

VonMathias Brüggmann

Der polnische Staat und private Unternehmen wollen Aktien im Wert von mindestens 7,5 Mrd. Euro auf den Markt bringen. Damit liegt die Börse in Warschau im Bereich Neuemissionen sogar vor der Londoner LSE und der Frankfurter Börse. Polens Finanzplatz wird zum wichtigen Barometer der europäischen Wirtschaftsentwicklung.

Polens Premierminister Donald Tusk freut sich über das polnische Wachstum. Reuters

Polens Premierminister Donald Tusk freut sich über das polnische Wachstum.

BERLIN. Anleger blicken wieder verstärkt nach Osten: Vor allem Polen, wo die Wirtschaft auch in der Krise weiter wächst, macht mit zahlreichen großen Aktien- und Anleihen-Emissionen auf sich aufmerksam. Für mindestens 7,5 Mrd. Euro wollen der polnische Staat und private Unternehmen Aktien auf den Markt bringen. 2009 wurden polnische Anteilsscheine für vier Mrd. Euro ausgegeben. Gestern hat das größte EU-Land Osteuropas mit 5,5 Mrd. Zloty (umgerechnet 1,3 Mrd. Euro) die größte Zloty-Anleihe aller Zeiten auf den Markt gebracht. Gezeichnet worden war der bis Januar 2012 laufende Zero-Bond im Umfang von 16,2 Mrd. Zloty. Tags zuvor bereits hatte Warschau die Emissionssumme seiner 15-jährigen Euro-Obligation wegen der gewaltigen Nachfrage kurzfristig von einer auf drei Mrd. Euro erhöht. Sie platzierte die Anleihe zu besseren Konditionen als Irland oder Griechenland ihre Euro-Bonds.

Der Polen-Boom kommt nicht unerwartet: So verzeichnete Warschaus Börse GPW mit 38 IPOs auf seinem Hauptmarkt und seinem Ableger New Connect für kleine und innovative Unternehmen die meisten Börsengänge in ganz Europa. Warschau lag damit laut der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers vor Londoner LSE und Frankfurter Börse. Mit der Erstemission von Anteilsscheinen an Polens Energieriesen PGE stand Warschau zudem auch für den größten einzelnen IPO des alten Kontinents.

„Polens Kapitalmarkt wird zum wichtigen Barometer und Instrument von Europas Wirtschaftsentwicklung“, ist GPW-Chef Ludwik Sobolewski überzeugt und hat Anlegern für 2010 viel anzubieten. „Polen wird dieses Jahr ein Rekordangebot liefern“, meint Tomasz Witczak von der Unicredit-Tochter CA IB Poland. Seine Schätzung von Aktienemissionen im Umfang von 30 Mrd. Zloty (7,5 Mrd. Euro) könnte sogar übertroffen werden, da Finanzminister Aleksander Grad gerade angekündigt hat, doppelt so viele PGE-Aktien verkaufen zu wollen wie bislang geplant. Mit diesen weiteren 20 Prozent am Stromriesen können Anleger allein Anteilsscheine für sechs Mrd. Zloty bekommen.

Mit dem Börsengang des größten Versicherers PZU, dem Verkauf von Anteilen am Energiekonzern Tauron, der Ölfirma Lotos und des Stromproduzenten Enea stehen weitere große Emissionen durch Privatisierungen auf dem Programm. Der Staat will spätestens im vierten Quartal auch die Aktien der Warschauer Börse GPW selbst aufs Parkett bringen und hat gerade mit dem Verkauf von weiteren zehn Prozent des zweitgrößten europäischen Kupferherstellers KGHM zwei Mrd. Zloty eingenommen.

Dazu kommen Angebote von Privaten: So will der Milliardär Jan Kulczyk noch im ersten Quartal Aktien seiner Kulczyk Oil Ventures an die Warschauer Börse bringen.

Und auf dem Anleihemarkt wird Polen ebenfalls weiter aktiv und könne wegen des Angebots in lokaler Währung und anhaltender Dollar-Aversion mit guter Nachfrage rechnen, sagt Greg Saichin von Pioneer Investment.

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