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25.01.2007

14:14 Uhr

RAG und Siemens VDO

Experten: Markt ist bereit für milliardenschwere Börsengänge

Die in diesem Jahr geplanten milliardenschweren Börsengänge von RAG und Siemens VDO werden Experten zufolge das Interesse der Investoren auf sich ziehen und könnten kleinere Emissionen in den Hintergrund drängen.

HB FRANKFURT. „Ich denke schon, dass der Markt genügend Liquidität hat, um zwei Börsengänge im Volumen von mehreren Milliarden Euro aufzunehmen“, sagte Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Allerdings merkte er an, die Anleger seien zuletzt sensibler geworden, was den Kaufpreis für die angebotenen Aktien wie auch die Qualität der Unternehmen betrifft.

Borghoff äußerte dennoch die Hoffnung, dass durch die Werbekampagnen der beiden traditionsreichen Industriekonzerne im Rahmen des Börsengangs (IPO) auch wieder verstärkt Privatanleger an den Aktienmarkt zurückholt werden könnten. Viele Kleinanleger hatten angesichts hoher Verluste nach dem Platzen der Internetblase Anfang des neuen Jahrtausends der Börse den Rücken gekehrt.

Investmentbanker sehen hingegen die Gefahr, dass sich die Anleger auf die beiden großen IPOs konzentrieren könnten und damit den kleinen Börsenkandidaten die Suche nach Investoren erschwerten. „Das Problem ist, dass so große Börsengänge sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Daher wird die Aufmerksamkeit vor allem der Privatanlegern an kleineren IPOs eingeschränkt sein“, sagte ein auf Aktienemissionen spezialisierter Banker. Er betonte jedoch ein, dass es diverse Fonds gibt, die sich auf mittelgroße und kleine Werte spezialisiert hätten. Viele Aktienexperten rechnen 2007 mit etwa 30 Börsengängen im gehobenen Börsensegment Prime Standard.

Während der Energie- und Industriekonzern RAG bereits seit längerem als Börsenkandidat für 2007 feststeht, hatte der Münchener Siemens-Konzern erst in der Nacht zum Donnerstag die Börsenpläne für seine Tochter VDO öffentlich gemacht. Nach dem Willen der Siemens-Manager soll mindestens ein Viertel der VDO-Anteile am Kapitalmarkt platzieren werden. Langfristig will der Technologiekonzern die Mehrheit an VDO halten, dessen Börsenwert Analysten auf rund fünf Milliarden Euro schätzen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr setzte der Autozulieferer mit 53 000 Mitarbeiter rund zehn Milliarden Euro um. VDO blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Bereits 1986 war die Firma VDO Adolf Schindling an der Börse gelistet, ehe der Düsseldorfer Mannesmann-Konzern 1991 zunächst die Mehrheit und 1994 auch die restlichen Anteile übernahm. 2001 wurde VDO dann an Siemens weitergereicht, der die Mannesmann-Tochter mit seiner Automotive-Sparte verschmolz.

Der von RAG-Chef Werner Müller für dieses Jahr angekündigte Börsengang der früheren Ruhrkohle AG noch längst nicht in trockenen Tüchern. Dieser hängt von der notwendigen Einigung über die Zukunft des Kohlebergbaus ab. Eine Entscheidung darüber wird in den anstehenden Kohlegesprächen zwischen der Politik, RAG und der Gewerkschaft IG BCE erwartet. Experten taxieren das gesamte Emissionsvolumen der RAG auf fünf bis sieben Milliarden Euro, wobei die Platzierung voraussichtlich in mehreren Schritten erfolgen wird.

2006 summierte sich das Emissionsvolumen der fünf größten Börsengänge in Deutschland auf rund 4,4 Milliarden Euro, wobei mit dem Aromenhersteller Symrise und Wacker Chemie zwei Unternehmen die Milliarden-Euro-Grenze knapp durchbrachen.

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