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21.08.2012

15:25 Uhr

Rally bei US-Aktien

Die mysteriöse Kursexplosion

Die US-Börsen haben in den zurückliegenden drei Monaten eine Rally hingelegt, die selbst Experten verblüfft hat. Deren Prognosen weichen stark ab – ein Zeichen, dass Aktien in diesem Jahr das Beste hinter sich haben.

Händler an der Wall Street: Überrascht von der Rally. Reuters

Händler an der Wall Street: Überrascht von der Rally.

New YorkNach einer Rally von 13 Prozent hat der Standard & Poor's 500 Index das höchste je verzeichnete Niveau in Relation zu den Prognosen der Strategen erreicht. Das könnte ein Zeichen sein, dass US-Aktien in diesem Jahr das Beste hinter sich haben.

Die Aktienkurse sind um 2,1 Prozent über die Durchschnittsprognose von 1.389 Punkten geklettert, die 13 Häuser von Morgan Stanley bis zu JPMorgan Chase & Co. abgegeben haben. Das ist der größte Aufschlag zu einem derartigen Zeitpunkt im Jahr, wie aus bis 1999 zurückreichenden Daten hervorgeht. Die August-Schätzungen der Strategen haben sich in den vergangenen drei Jahren erfüllt.

Angesichts schwächerer Gewinne bei Unternehmen von Advanced Micro Devices Inc. bis Wynn Resorts Ltd., der US- Präsidentschaftswahlen und der Euroraum-Schuldenkrise dürften die Aktien wohl kaum anziehen, erwartet Jonathan Golub, Chef-US- Marktstratege bei der UBS AG.

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„Bei dem mangelnden Gewinn- und Wirtschaftswachstum gibt es keinen Grund, weshalb die Aktienkurse steigen sollten”, sagt Golub. „Hinzu kommen die Wahlen und die Fragen zur Geldpolitik in den USA. Und dann sind da noch die Probleme in Europa, die noch nicht gelöst sind.” Golub sieht den S&P 500 am Jahresende bei 1375 Punkten, was drei Prozent unter dem Schlussstand vom 17. August liegen würde.

„Weitere Befürchtungen bezüglich der US- Gewinnentwicklung” werden die Kurse nach unten drücken, erwartet Adam Parker, US-Aktienstratege bei Morgan Stanley, der für 2011 die treffsicherste Prognose abgegeben hatte. „Der Markt ist bisher nicht pessimistisch bezüglich der Unternehmensgewinne. Die Marktteilnehmer glauben, dass die Gewinne nur moderat sinken werden.” Er rechnet beim S&P 500 mit einem Kursrutsch von 18 Prozent auf 1167 Punkte. Die anhaltende Krise im Euroraum und die Konjunkturabschwächung in den Schwellenländern dürften auf die Aktienkurse drücken, erläuterte er.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Analysten haben die Gewinnschätzungen seit Jahresbeginn nach unten korrigiert. Sie erwarten nun beim S&P 500 für 2012 einen Gewinn von durchschnittlich 103,18 Dollar je Aktie, verglichen mit 105,27 Dollar zu Jahresbeginn und 115,33 Dollar im nächsten Jahr. Sie sind immer noch optimistischer als Aktien- Strategen, deren Erwartungen für dieses Jahr um 1,7 Prozent niedriger sind und die Prognose für 2013 um 7,7 Prozent unterschreiten.

Kommentare (11)

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nobum

21.08.2012, 16:02 Uhr

Irgendwo muß das viele von Herrn Bernanke gedruckte Geld hin.

Mauserspeck

21.08.2012, 16:13 Uhr

Ich warte nur noch auf den Zeitpunkt, an dem Aktien
von gar nicht existierenden Unternehmen gehandelt werden.

ohne_Worte

21.08.2012, 16:36 Uhr

Das Schlimme ist, dass für manche Hohlkörper an der Börse selbst der Weltuntergang schon eingepreist ist ... es muß halt immer nur schön geredet werden.
Eigentlich dachte ich, dass man ein zweites 2000 nicht mehr erleben würde ... [...] ...+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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