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09.01.2006

09:31 Uhr

Rally in Moskau

Analysten erwarten in Russland neue Rekordstände

VonMatthias Brüggmann

Nach mehreren schweren Krisenjahren hat der russische Aktienmarkt 2005 die Anleger versöhnt. Ein Kursanstieg um rund 80 Prozent hat den Leitindex RTS in die weltweite Spitze gerückt.

MOSKAU. Vor allem Öl- und Gaswerte wie Lukoil und Gazprom hievten den Index nach oben. Dem Röhrenhersteller Seversky bescherte der Ausbau des Pipelinenetzes sogar einen Kurssprung um 600 Prozent. Doch inzwischen sind Interessenten am Russland-Boom nicht mehr nur auf Rohstoffaktien angewiesen. Im Gegenteil: Moskaus Kurszettel wird immer länger und auch an Westbörsen werden immer neue russische Unternehmen gelistet. Das Riesenreich erlebt einen Boom von Börsengängen. Die in Russland starke Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet, dass dieser auch 2006 ungebrochen anhält. Vor allem der Milliarden-IPO des Staatsölkonzerns Rosneft dürfte massiv auf Anlegerinteresse stoßen, erwarten Analysten. Daneben wagen sich auch Handelsketten, Stahlwerke, Kasinobetreiber, Bäckereien und Reifenhersteller aufs Parkett.

„Mit 400 Mrd. Dollar Börsenkapitalisierung steht Russland schon jetzt auf Platz sechs oder sieben in der Welt. Das ist eine phantastische Sache“, sagt Morgan Stanleys Russland-Chef Rair Simonyan: „In Russland nicht engagiert zu sein, ist ein zu großes Risiko. Das kommende Jahr wird wohl noch erfolgreicher als 2005.“ Das Moskauer Magazin „Ogonjok“ rechnet 2006 mit einem Kursanstieg an Russlands Börsen um weitere 60 Prozent. Vor allem die Aufhebung der Begrenzung von Auslandsinvestitionen in Aktien des weltgrößten Gaskonzerns Gazprom beflügelt die Phantasie der Aktienkäufer.

Zuversicht liefern auch die makroökonomischen Vorgaben. Russland schreibt immer neue Gold- und Währungsreserven-Rekorde, erzielt im sechsten Jahr in Folge einen Haushaltsüberschuss und weist ein Wirtschaftswachstum von immer noch um die sechs Prozent aus. Zudem schreiben die Unternehmen Gewinne wie noch nie.

Nicht nur die Öl- und Gaskonzerne profitieren dabei von der für Erzeuger hervorragenden Rohstoffkonjunktur. Auch Edelmetallproduzenten wie Norilsk Nickel, Russlands Stahlkonzerne, der Titan-Hersteller Vsmpo und die russischen Kohle- und Erzförderer jubilieren. Da sie verstärkt in die Modernisierung ihrer Anlagen und die Ausweitung ihrer Kapazitäten investieren, füllen sich inzwischen aber auch die Auftragsbücher der russischen Röhrenhersteller, Maschinenbauer und Turbinenproduzenten.

Darüber hinaus haben steigende Löhne zu einem anhaltenden Aufschwung der Lebensmittelverarbeiter, Autohersteller, Handelsketten und Immobilien-Entwickler geführt. Russlands Mobilfunker MTS und Vimpelcom sind ohnehin schon Spitze in Gesamt-Osteuropa. Nach den zahlreichen Börsengängen der letzten Zeit können Anleger inzwischen Aktien aus fast allen Branchen kaufen.

Nach Meinung des Fondsmanagers Florian Fenner von UFG Asset Management sollte sich schließlich ein weiterer Faktor positiv auswirken: „Russland hat im nächsten Jahr den Vorsitz in der G8-Staatengruppe. Da muss sich die Regierung gut benehmen und kann sich einen weiteren Fall wie Yukos nicht erlauben.“ Fenner setzt weiter auf Ölaktien, daneben auf Konsumtitel und verstärkt auch auf Aktien aus dem Bankensektor. Im nächsten Jahr werden mit den Börsengängen der staatlichen Vneshtorgbank (VTB) und der Rosbank zwei Großemissionen aus diesem Bereich erwartet.

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