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10.06.2014

19:17 Uhr

Rekord-Börsengang

Braas Monier soll am Parkett durchstarten

25 bis 50 Prozent Dividende verspricht der Bauzulieferer Braas Monier vor dem Börsengang in Deutschland für Zeichner der Mega-Neuemmission – wenn der Schuldenabbau läuft. Den hat der Konzern zuletzt gut bewerkstelligt.

Braas Monier fertig unter anderem Dachziegel. Mit dem Börsengang wird schon einmal Richtfest gefeiert und eine Dividendenperspektive oben aufgesetzt. dpa

Braas Monier fertig unter anderem Dachziegel. Mit dem Börsengang wird schon einmal Richtfest gefeiert und eine Dividendenperspektive oben aufgesetzt.

FrankfurtDer Börsengang des Dachpfannen- und Schornstein-Herstellers Braas Monier soll der bisher größte in Deutschland in diesem Jahr werden. Der Schritt an die Frankfurter Börse soll bis zu 621 Millionen Euro einbringen, 100 Millionen davon gehen an das Unternehmen selbst, wie Braas Monier am Dienstag im Börsenprospekt mitteilte. Insgesamt wäre das Unternehmen damit gut eine Milliarde Euro wert. Die Aktien können von Mittwoch an bis zum 24. Juni in einer Spanne von 23 bis 28 Euro gezeichnet werden. Am 25. Juni will das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg sein Debüt an der Börse feiern. Vor fünf Jahren war Braas Monier von seinen Gläubigern übernommen worden, als der Bauzulieferer unter seinen Schulden zusammenzubrechen drohte, die ihm der Finanzinvestor PAI Partners aufgeladen hatte.

Begleitet wird der Börsengang des 7400 Mitarbeiter starken Unternehmens, dessen Deutschland-Geschäft von Oberursel bei Frankfurt aus geleitet wird, von den Banken BNP Paribas, JP Morgan und UBS. Die derzeitigen Haupteigner, allen voran die Beteiligungs-Firmen Apollo, TowerBrook und York Capital, wollen ihren Anteil auf bis zu 42 Prozent reduzieren. Auch BNP Paribas gehört zu den Großaktionären von Braas Monier. Die Schulden sind inzwischen auf knapp 450 Millionen Euro geschrumpft. Mit dem Emissionserlös will Vorstandschef Pepyn Dinandt weitere Kredite tilgen. Er lockt die Anleger mit einer Dividende von 25 bis 50 Prozent des Nettogewinns, sobald die Verschuldungsquote einen bestimmten Wert unterschritten hat. Das sei 2015 erfüllbar.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Im vergangenen Jahr und im ersten Quartal 2014 standen aber noch rote Zahlen zu Buche, vor allem wegen eines noch laufenden Stellenabbaus. 2013 lag der Nettoverlust bei 69 Millionen Euro. Den operativen Gewinn (Ebitda) steigerte das Unternehmen um 28 Millionen auf 160 Millionen Euro. Dabei sank der Umsatz wegen der flauen Bau-Konjunktur und des schlechten Wetters auf 1,23 (2012: 1,32) Milliarden Euro.

Im ersten Quartal kletterten die Erlöse um 16 Prozent auf 250 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr sagt Braas Monier aber nur ein leichtes Wachstum voraus, das Ebitda soll deutlich stärker steigen. Die Restrukturierungskosten sollen in diesem Jahr weit weniger ins Gewicht fallen. Dinandt sagte, Braas Monier habe in der Krise seine Hausaufgaben gemacht. „Dadurch sind wir hervorragend aufgestellt, um von der erwarteten Markterholung in Europa und den attraktiven Wachstumschancen in Schwellenländern sowie in unserem Geschäft mit Dachkomponenten zu profitieren.“

Während in Deutschland Braas die bekannteste Marke ist, werden Dachpfannen und -ziegel in Skandinavien und Asien unter dem Namen Monier verkauft. Ein großer Konkurrent ist die österreichische Wienerberger, zu den deutschen Rivalen gehören die zur belgischen Etex-Gruppe („Eternit“) gehörende Creaton und Erlus.

Braas Monier ist das zweite deutsche Unternehmen, das von seinen ehemaligen Gläubigern in diesem Jahr an die Frankfurter Börse gebracht werden soll. Die Aktie des Gasdruckfedern-Spezialisten Stabilus legte in den vergangenen drei Wochen zwölf Prozent zu. Sein Börsengang hatte 260 Millionen Euro gebracht.

Von

rtr

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