Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2007

13:56 Uhr

Riesiger Börsengang

China Life legt Traumstart hin

Nachdem bereits die chinesischen Banken mit ihren Börsengängen für Furore gesorgt haben, eifern ihnen jetzt die Versicherer der Volksrepublik nach. Der erste ist Marktführer China Life, dessen Aktien am Dienstag zum ersten Mal in Shanghai gehandelt wurden. Binnen Minuten verdoppelte sich ihr Wert. Dabei gibt es erhebliche Risiken.

Chairman Yang Chao (l.) und President Wu Yan läuteten den Börsengang ihres Unternehmens auf traditionelle Art ein: mit einem Gongschlag. Foto: dpa

Chairman Yang Chao (l.) und President Wu Yan läuteten den Börsengang ihres Unternehmens auf traditionelle Art ein: mit einem Gongschlag. Foto: dpa

HB SCHANGHAI. Der erste am heimischen Aktienmarkt notierte Versicherer Chinas nahm bei dem IPO umgerechnet etwa 2,75 Mrd. Euro ein. Gemessen am Schlusskurs vom Dienstag beläuft sich die Marktkapitalisierung auf knapp 110 Mrd. Euro, da China Life nur etwa fünf Prozent seines Kapitals an die Börse gebracht hat. Damit wurde China Life schlagartig zur weltweiten Nummer drei der Branche: Nur die US-Größen American International Group und Berkshire Hathaway sind mit 142 und 126 Mrd. Euro noch wertvoller.

Als der Eröffnungskurs auf der elektronischen Kurstafel der Börse Schanghai erschien, ging ein Raunen durch die Menge der versammelten Fondsmanager, Firmen- und Börsenvertreter, die mit Champagner auf den IPO anstießen. „Ein Traum ist wahr geworden. Wir haben lange auf die Gelegenheit gewartet, heimzukehren und in unserem Mutterland an die Börse zu gehen“, sagte Firmenpräsident Wu Yan. Die Titel von China Life sind bereits seit längerem in Hongkong gelistet. Der Marktführer hält 44,1 Prozent am chinesischen Versicherungsmarkt und verfügt nach unbestätigten Berichten über 650 000 Vertreter.

Die Nachfrage bei dem zweitgrößten Börsengang aller Zeiten überstieg das Angebot um das 30fache. Die größte Platzierung war die der chinesischen Bank ICBC im Oktober. Die Titel legten damals ebenfalls ein fulminantes Börsendebüt hin. China öffnet seine Finanzbranche unter strikten Auflagen für ausländische Investoren und erzielt dabei Milliardeneinnahmen.

Die zu 18,88 Yuan ausgegebenen Papiere von China Life starteten mit 37 Yuan in den Handel, kletterten dann bis auf 40,20 Yuan und schlossen bei 38,93 Yuan – 106 Prozent über dem Ausgabepreis. Chinesische Investoren strichen fast den kompletten Gewinn ein, da ein striktes Quotensystem das Engagement von Ausländern begrenzte.

Kritische Stimmen

Die gute Stimmung war jedoch nicht ungetrübt. Einige Anleger hielten den Preis für übertrieben und warnten vor einem Rückschlag. Gemessen an traditionellen Bewertungsmaßstäben ist China Life vollkommen überteuert. Die Aktien in Schanghai kosteten zudem gut 50 Prozent mehr als in Hongkong; die Papiere sind zwar nicht direkt austauschbar, beeinflussen sich jedoch gegenseitig. Ein Kursverlust der Aktien von rund 5 Prozent in Hongkong signalisierte ebenfalls, dass viele Anleger dem Kurs in Schanghai nicht trauten.

Langfristig droht dem Versicherer Gefahr durch die Straffung der Geldpolitik in China, Währungsschwankungen nach einer Yuan-Freigabe oder eine Abkühlung des chinesischen Wirtschaftsbooms. Die Investoren in Schanghai verwiesen jedoch auf das riesige Wachstumspotenzial von China Life in einem Land mit 1,3 Mrd. Einwohner. Angesichts der Einschnitte ins Sozialsystem wollen davon immer mehr eine Lebensversicherung abschließen.

Chinas zweitgrößter Versicherer, Ping An Insurance, will China Life folgen und bereitet bereits seinen Börsengang vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×