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14.08.2015

11:28 Uhr

Rocket Internet

Aktien der Startup-Schmiede stürzen ab

VonNils Jacobsen
Quelle:Meedia.de

Nach kaum einem Jahr an der Börse verlieren die Aktionäre die Geduld mit Rocket-Internet. Gestern verlor die Aktie über fünf Prozent und rutschte auf ein Rekordtief. Probleme bereitet der Börsengang der Tochter Westwing.

Samwer-Brüder an der Börse

Das Modell „Rocket Internet“

Samwer-Brüder an der Börse: Das Modell „Rocket Internet“

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Ein neuer Exit ist nicht genug. In der vergangenen Woche noch machte die Meldung die Runde, dass die Rocket Internet-Tochter HelloFresh schon bald Börsenluft schnuppern könnte – vom Oktober war die Rede, die Blaupause aus dem Vorjahr mit den IPOs von Zalando und Rocket Internet selber drängte sich auf.

Doch ein Geldsegen ist dem Markt offenbar nicht genug: Aktionäre von Rocket Internet verlieren nach nicht mal einem Jahr an den Kapitalmärkten zunehmend die Geduld mit dem einst wertvollsten deutschen Internetkonzern, der den Spitzenplatz längst an die Beteiligung Zalando abgeben musste – tiefer und tiefer trudelt die vermeintliche Kursrakete.

Die Misserfolge der Samwers

Hintergrund

Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer zählen zu den erfolgreichsten Start-up-Gründern in Europa. Mit ihrem sogenannten Inkubator Rocket Internet und dem European Founders Fund investieren sie in junge Unternehmen und helfen ihnen mit ihrem Know-how, groß zu werden. Doch längst nicht alle Ideen der Raketenbrüder zünden.

BeautyDeal

2009 wollten die Samwers mit einem Onlineshop für Kosmetik durchstarten: BeautyDeal. Doch es war schwierig, die Branche ins Netz zu holen. BeautyDeal konnte nur einen einzigen Lieferanten akquirieren. Mit dem Geschäft war es demnach auch schnell wieder vorbei, als die großen Markenhersteller nicht länger mit diesem Lieferanten zusammenarbeiteten.

Dreambookers

Eine Reiseportal passte perfekt in das ursprünglich anvisierte Ziel der Samwers: Nicht selbst verkaufen, sondern über Provisionen Geld verdienen. Doch mit Dreambookers sollte das nicht funktionieren. Der Shoppingclub für Reisen, gegründet nach dem französischen Vorbild Voyage Privé, wurde wieder eingestellt.

Ecareer

Der Karrieredienst Ecareer war ein Schwesterprojekt der Flirtplattform Edarling. Die Samwers wollten daraus eine Jobbörse machen. Doch nachdem sich der Erfolg nicht einstellte, reagierten die Brüder und drehten dem Projekt das Geld ab.

Frazr

Schon früh erkannten die Samwers das Potential des Kurznachrichtendienstes Twitter. Wie so oft übernahmen sie das Geschäftsmodell und gründeten einfach ihre deutsche Version: Frazr. Doch das sollte gründlich schief gehen – denn der Microbloggingdienst startete selbst in Deutschland durch.

MyBrands

Lange kümmerten sich die Samwers nicht um den E-Commerce, weil sie der Meinung waren, dass er zu geringe Margen abwerfen würde. Zalando belehrte sie eines besseren. Das Online-Designer-Outlet MyBrands war ein Versuch, im E-Commerce Fuß zu fassen. Doch das Unterfangen scheiterte. Im April 2009 übernahm Zalando das Unternehmen und machte daraus einen Dienstleister, nachdem die Samwers der Gründung den Geldhahn abgedreht hatten.

Office Fab

Auch im Handel mit Büroartikeln wollten die Samwers mitmischen. In Südostasien gründeten sie deshalb das Unternehmen Office Fab und zeitgleich in Indien Office Yes. Während Office Yes sich noch passabel schlug, stellten die Samwers Office Fab wieder ein.

Pinspire

Das Vorbild für diese Samwer-Gründung: der digitale Notizblock Pinterest. Mit Pinspire, sowohl vom Namen als auch vom Konzept her ähnlich, wollten die drei Brüder 2011 ebenfalls durchstarten. Dabei übernahmen sie sogar die Geschäftsbedingungen fast eins zu eins. Aber es half nichts: Die Samwers gaben das Unterfangen schnell wieder auf, als der Erfolg ausblieb.

Nachdem in der vergangenen Woche noch eine leichte Gegenreaktion beim Kampf gegen die Allzeittiefs zu beobachten war, brachen in den letzten Tagen die Dämme. Um gleich fünf Prozent wurden Anteilsscheine von Rocket gestern in die Tiefe geschickt – und damit in bislang unbekannte Kursterritorien. Nicht mal mehr 30 Euro waren für die Aktien der Berliner Internet-Beteiligungsgesellschaft zeitweise bewilligt – bei 31,00 Euro stoppte der Kursticker im späten Handel am Frankfurter Börsenparkett.

Aktionäre, die im vergangenen Oktober noch Titel von Rocket zum Ausgabekurs von 42,50 Euro ins Depot gebucht bekommen hatten, haben damit nach jeder Lesart herbe Verluste erlitten: 31 Prozent wurden seit dem Börsengang an Wert vernichtet, seit dem Allzeithoch im Februar sind gar binnen eines halben Jahres gar 49 Prozent abhanden gekommen.

Rocket Internet: Warum die Rocket-Aktien nicht zünden

Rocket Internet

Warum die Rocket-Aktien nicht zünden

Der Start-up-Inkubator hat einen Millionenverlust bekanntgegeben. Auch für die Aktie läuft es nicht rund – obwohl Rocket Internet höher bewertet ist als einige Dax-Konzerne. Warum Anleger bislang kaum verdient haben.

Den Kursschub in neue Niederungen ausgelöst hat die Meldung der Nachrichtengentur Reuters, dass sich der noch für dieses Jahr erhoffte Börsengang der Möbel-Tochter Westwing wegen “anhaltend roter Zahlen auf unbestimmte Zeit verschiebt”.

Rocket Internet hält an Westwing, das als potenzieller Milliarden-Börsenkandidat gilt, eine Beteiligung in Höhe von 32 Prozent. Westwing arbeitet weiter defizitär – im ersten Quartal fiel ein operativer Verlust von knapp 19 Millionen Euro an.

Kommentare (3)

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Herr Roland Magiera

14.08.2015, 13:20 Uhr

Es wäre bestimmt ein großer Fortschritt für Rocket Internet, wenn sich deren Fernsehwerbung nicht mehr länger ausschließlich an Hirnprothesenträger richten würde, deren Prothese kaputt ist.

Das Prinzip ist mir schon klar, die potentiellen Kunden bewusst zu nerven, damit die Marke im Gedächtnis kleben bleibt, wie Hundekot am Schuh. Allerdings erzeugen die zumindest bei mir einen derartigen Hass, wenn ich wieder einmal zu langsam mit der Fernbedienung war, dass ich bei Rocket Internet und seinen diversen Ablegern selbst dann nichts kaufen würde, wenn die es 50% billiger als Amazon anbieten.

Abgesehen ist es hochgradig skandalös, dass der Staat reine Verkaufsplattformen mit Millionen an Steuergeldern fördert! Die Politiker wollen eben dass wir dort anstatt bei Amazon etc. kaufen, weil es für den Staat mehr Steuereinnahmen bedeutet, das ist alles was die Politiker an uns interessiert. Darum auch die massive staatliche Propaganda gegen Amazon. Aber auch dafür sind die Politiker wie üblich zu ungeschickt.

Herr Nehal Devanowitch

14.08.2015, 13:38 Uhr

Mir gehts do mit Seitenbacher, Seitenbacher Seitenbacher Seitenbacher Seitenbacher Seitenbacher Müsli

Eines hat diese Firma bei mir erreicht, niemand kauft mit meinem Geld ein Produkt von Seitenbacher.

Herr wulff baer

14.08.2015, 16:32 Uhr

Da haben Sie aber viel versäumt.
Das ist nämlich das beste Müsli, das ich je gegessen habe.

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