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15.02.2016

11:16 Uhr

Rocket Internet

Startup-Schmiede kauft Wandelanleihen zurück

Der Berliner Konzern nutzt die Erlöse aus dem Verkauf ausländischer Töchter zum Rückkauf eigener Anleihen. Der seit Jahresanfang Aktienkurs reagiert prompt - und schießt nach oben.

Die Aktie verlor seit Jahresanfang gut 30 Prozent an Wert. Reuters

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Die Aktie verlor seit Jahresanfang gut 30 Prozent an Wert.

FrankfurtRocket Internet hilft mit einem Anleihenrückkauf seiner schwer gebeutelten Aktie auf die Sprünge. Der Konzern nutzt das Geld aus dem Verkauf mehrerer Essenslieferdienste, um Wandelanleihen für bis zu 150 Millionen Euro zurückzukaufen, wie die Startup-Schmiede am Montag mitteilte. Dadurch könne Rocket Internet die Zinskosten reduzieren. Zudem verringere sich das Verwässerungsrisiko der Aktionäre.

An der Frankfurter Börse schoss die Rocket-Internet-Aktie am Montag um bis zu 13,7 Prozent auf 21,75 Euro in die Höhe. Im weiteren Verlauf des Vormittags gab der Kurs dann aber wieder auf 20,30 Euro nach. Die Aktie ist damit immer noch weit entfernt vom Ausgabepreis von 42,50 Euro beim Börsengang.

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Starkoch Jamie Oliver und Hello Fresh machen gemeinsame Sache. Künftig liegen den Kochboxen des Start-ups auch Rezepte des Goldjungen bei. Das Unternehmen aus der Rocket-Schmiede kann gute Nachrichten gebrauchen.

Anfang Februar hatte sich Rocket Internet angesichts des scharfen Wettbewerbs mit seinen Essenslieferdiensten aus mehreren Märkten zurückgezogen. Firmen in Spanien und Italien sowie die Foodpanda-Töchter in Brasilien und Mexiko wurden für 125 Millionen Euro an den britischen Mitbewerber Just Eat verkauft.

Das Geld nutzt die Startup-Schmiede nun, um einen Teil seiner Wandelanleihen zurückzukaufen. Im Sommer 2015 hatte der Konzern durch die Ausgabe der 2022 fälligen Bonds 550 Millionen Euro eingesammelt. Sie sind mit drei Prozent verzinst. Die Rocket-Internet-Aktie müsste auf rund 47 Euro steigen, damit der Tausch in Aktien für die Anleihegläubiger attraktiv wäre. Tauschen alle Zeichner der Anleihe, müsste Rocket Internet beim bislang ausstehenden Anleihevolumen sein Kapital um mehr als sechs Prozent aufstocken.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Von

rtr

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