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21.01.2010

17:04 Uhr

Rusal-Finanzchef im Interview

„Der Zeitpunkt für einen Börsengang ist ideal“

VonChristian Schnell

Der weltgrößte Aluminium-Hersteller Rusal strebt an die Börse. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Finanzvorstand Oleg Mukhamedshin, was für die Emission spricht und warum das Unternehmen in Hongkong an die Börse geht.

Oleg Mukhamedshin ist Finanzvorstand des weltgrößten Aluminium-Herstellers Rusal, der hauptsächlich in Sibirien produziert. Pressebild

Oleg Mukhamedshin ist Finanzvorstand des weltgrößten Aluminium-Herstellers Rusal, der hauptsächlich in Sibirien produziert.

Handelsblatt: Drei Wochen Roadshow gehen zu Ende. Wie ist das Interesse an der Rusal-Aktie?

Oleg Mukhamedshin: Das Interesse an der Rusal-Aktie ist groß. Wir hatten sehr interessante Gespräche mit Investoren dabei aus der ganzen Welt, aus den USA und Russland, Europa und mit sehr vielen aus Asien. Sie alle sind insbesondere an unserer langfristigen Wachstumsstory interessiert, auch die vielen Hedge-Fonds, die darunter sind.

Als Aluminium-Produzent sind sie sehr stark von der Weltkonjunktur abhängig. Allerdings scheint der Aufschwung vielerorts in der Branche noch nicht angekommen zu sein, wie die Zahlen ihres Wettbewerbers Alcoa in der vergangenen Woche belegen woran liegt das?

Kein anderes Metall dieser Welt ist so sehr mit dem globalen Wachstum verknüpft wie Aluminium. Wir sind aus zweierlei Gründen sehr zuversichtlich, dass unser Aufschwung weiter anhält. Zum einen liegt dies an der steigenden Verwendung von Aluminium in der Industrie. Noch vor zehn Jahren wurden in jedem Auto im Schnitt 20 Kilo Aluminium verbaut, heute sind es 130 Kilo. Autos, aber auch Züge werden durch Aluminium leichter und damit umweltfreundlicher. Des Weiteren nimmt die Industrialisierung in den aufstrebenden Ländern weiter zu. China ist unser wichtigster Markt und unsere Hauptkunden dort sind von unseren Werken in Sibirien nur 500 Kilometer entfernt.

Warum hat dann Alcoa zuletzt so enttäuscht?

Wir sind nicht mit Alcoa vergleichbar. Dort ist man vor allem im Downstream-Bereich der Aluminium-Industrie tätig, also dem in der Extrusion und der Herstellung von Folien, Verpackungen und anderen Aluminiumprodukten. Wir hingegen sind im Upstream-Bereich unterwegs, in dem Primäraluminium erzeugt wird. Dort werden höhere Margen erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2009 machte dieser Bereich rund 84 Prozent unseres Geschäftes aus.

Von Investorenseite wurde beim Stichwort Rusal stets die hohe Verschuldung kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

Wenn diese Position tatsächlich zu hoch gewesen wäre wie geschildert, dann hätten uns die Banken seinerzeit keine Kredite gegeben. Vor der Krise war ein solcher Verschuldungsgrad normal. Dass der Preis für eine Tonne Aluminium bis auf 1260 US-Dollar pro Tonne im März vergangenen Jahres fällt, konnte niemand vorhersehen. Erst da wurde die Verschuldung plötzlich ein Thema. Inzwischen ist der Preis wieder bei 2200 US-Dollar pro Tonne und Analysten sind mit Blick auf die weitere Preisentwicklung optimistisch. Unsere Nettoverschuldung haben wir von zuvor 17 Mrd. Dollar auf jetzt 14,7 Mrd. Dollar reduziert. Nach dem Börsengang, dessen Erlös komplett in die Tilgung fließen soll, dürften es noch rund 12 Mrd. US-Dollar sein.

Russische Unternehmen gingen bislang zu einem großen Teil in London an die Börse. Sie gehen als erstes russisches Unternehmen nach Hongkong. Warum?

Eine Notierung in London ist unzeitgemäß. Man muss sein Kapital da aufnehmen, wo die wesentlichen Produktionsaktivitäten liegen. Das ist bei uns zu 80 Prozent in Asien. Asien und namentlich China, ist ferner der größte Aluminiummarkt der Welt, so dass dort auch unsere Kunden und Absatzmärkte sind. Außerdem ist Hongkong seit kurzem der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt nach New York und hat damit London abgelöst.

Und warum ein Zweitlisting in Paris?

Es ist gut, dort für die europäischen Investoren ein Listing hier zu haben. In Paris sind zudem andere große Gesellschaften der Branche wie Arcelor-Mittal oder Norsk Hydro notiert.

So früh im Jahr mit dem Börsengang zu starten, ist ein Wagnis. War es das?

Ganz im Gegenteil. Alle Investoren kommen gutgelaunt aus den Ferien zurück, der Markt selbst ist noch nicht zu aufgeregt und Wettbewerb mit anderen Börsenkandidaten gibt es auch nicht. Also eigentlich ein idealer Zeitpunkt.

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