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27.01.2010

08:02 Uhr

Rusal-IPO

Großer Bahnhof für den Oligarchen

VonHolger Alich, Christian Schnell , Thomas Wiede

Oleg Deripaska, einst der reichste Russe, hat ein hartes Jahr hinter sich. Nachdem sein auf Pump zusammengekauftes Firmenimperium in der Krise mächtig ins Wanken gekommen war, hat er nun Rusal, sein größtes Unternehmen, an die Börse gebracht. Das Debüt des Alukonzerns in Hongkong und Paris war allerdings keinesfalls glanzvoll.

Rusal-Chef Oleg Deripaska an der Börse in Hongkong. Reuters

Rusal-Chef Oleg Deripaska an der Börse in Hongkong.

MOSKAU/PARIS/FRANKFURT. Der größte Aluproduzent der Welt geriet an seinem ersten Handelstag in den Abwärtssog der asiatischen Märkte: In Hongkong fiel die Aktie des russischen Unternehmens um mehr als zehn Prozent auf 9,65 Hongkong-Dollar. Nicht nur die allgemein schlechte Stimmung trübte das Resultat, auch der Schuldenberg und juristische Schwierigkeiten des Konzerns hemmten die Kauflust der Anleger.

Papiere der Konkurrenz legen zu

Deripaska, der größte Rusal-Aktionär, versuchte dennoch in Hongkong, Zuversicht zu verbreiten: Das Börsendebüt sei mit Blick auf den Abwärtstrend der Börsen in Fernost angemessen verlaufen, sagte er. „Man sieht ja, was an den Märkten in der ganzen Welt passiert.“

Christopher Weafer, Chefökonom der russischen Bank Uralsib, ist dennoch ein wenig „überrascht“, dass die Banken und Kernaktionäre von Rusal nicht stärker versucht hätten, den Kurs zu stützen. Damit sei aber in den nächsten Tagen zu rechnen – vorausgesetzt der Abwärtstrend in Asien komme zu einem Ende. „Am ersten Tag haben Investoren mit ihren Scheckbüchern gestimmt“, schreibt Weafer. Während Rusals Aktien fielen, konnten die Papiere eines großen Konkurrenten aus China, Chalco, um 0,5 Prozent zulegen.

Bergab ging es für Rusal auch in Paris: Hier verloren die Aktien 1,7 Prozent auf 17,63 Euro. Insgesamt nahm der Alcoa-Konkurrent bei seinem Börsengang 2,2 Mrd. Dollar ein, die er dringend braucht, um seine Gläubiger zu bedienen. Der Konzern steht mit mehr als 14 Mrd. Dollar in der Kreide.

Der von der Nyse übernommene Börsenbetreiber Euronext hatte Rusal für seine Erstnotiz dennoch einen großen Bahnhof bereitet. Schließlich ist der Aluminium-Riese der erste russische Konzern, der sich in Paris notieren lässt. Diesen Triumph gegenüber dem Rivalen in London wollten die Verantwortlichen daher auskosten. Den Börsengang begleitet haben Frankreichs Großbank BNP Paribas sowie die Credit Suisse.

Dennoch war der Pariser Börsenaufsicht AMF wie den Amtskollegen in Hongkong offenbar nicht ganz wohl. Mehrmals hatten die Aufseher ihre Genehmigung verschoben. Vergangene Woche erst hatte die AMF dann Rusal erlaubt, Aktienzertifikate in Paris handeln zu lassen, aber nur von institutionellen Anlegern. Rusal durfte ähnlich wie in Hongkong nicht bei Privatanlegern für den Börsengang werben.

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