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19.04.2011

15:23 Uhr

RWE und Eon verlieren

Skeptischer Kommentar drückt Versorgeraktien

VonReuters

Mit Aktien von Energieversorgern lässt sich seit der Atomkatastrophe von Fukushima an der Börse kein Geld mehr verdienen. Jetzt deutet eine Analysteneinschätzung von Goldman Sachs daraufhin, dass das so bleiben könnte.

Die großen Stromerzeuger könnten durch die Energiewende Einbußen bei den Einnahmen hinnehmen müssen. Das würden auch die Aktionäre zu spüren bekommen, fürchten Anleger. Quelle: dpa

Die großen Stromerzeuger könnten durch die Energiewende Einbußen bei den Einnahmen hinnehmen müssen. Das würden auch die Aktionäre zu spüren bekommen, fürchten Anleger.

FrankfurtEnergieaktien bleiben bei Anlegern unbeliebt. Heute löste ein skeptischen Kommentar von Goldman Sachs eine weitere Verkaufswelle bei Versorgertiteln aus. Bis zum Nachmittag verbilligten sich die Aktien von RWE um 1,1 auf 44,90 Euro, Eon gaben um 0,5 Prozent auf 21,64 Euro nach. Die Analysten glauben, dass die Energiekonzerne über die Strompreise vielleicht einen Teil ihrer Gewinneinbußen durch weniger Atomenergie wettmachen, aber eben nicht alle.

Die durch das Japan-Beben neu entfachte Atom-Diskussion hatte den Versorgertiteln zuletzt deutliche Einbußen beschert. Eon und RWE haben seit Mitte März jeweils mehr als fünf Prozent an Wert verloren. Die Goldman-Analysten bekräftigten für RWE ihr „Verkauf“-Rating und senkten das Kursziel um einen auf 38 Euro. Eon stuften sie weiter mit „Neutral“ ein und senkten das Kursziel um zwei auf 25 Euro.

Bereits im ersten Quartal drehten die Energieversorger an der Preisschraube. Nach Angaben des Verbraucherportals toptarif.de hätten 51 Versorger ihre Tarife erhöht, weitere 50 planten dies im April und Mai. Die Versorger, darunter der größte deutsche Energiekonzern Eon, begründen die Erhöhung mit den gestiegenen Kosten für die Ökostrom-Abgabe. Diese wird auf alle Verbraucher umgelegt.

Mit dem nach dem Atom-Moratorium gestiegenen Großhandelspreis für Strom dürften die jetzigen Erhöhungen kaum etwas zu tun haben. Die Versorger kaufen ihren Strom größtenteils lange Zeit im Voraus ein. In der Debatte um einen Atomausstieg warnen die AKW-Betreiber vor weiter steigenden Strompreisen. Mit Atomstrom werde es zwar nicht billiger, dieser habe aber eine preisdämpfende Wirkung, lautet ihre Argumentation.

Unterdessen kündigt EnBW als erster Energieversorger rückläufige Gewinne an, was die Stimmung an der Börse weiter beeinträchtigte. Durch den mindestens dreimonatigen Stillstand von zwei seiner vier Atomkraftwerksblöcke werde der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen 2011 bis zu einem Viertel geringer ausfallen als im vergangenen Jahr, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer am Dienstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe.

EnBW ist damit der erste der vier Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland, der seine Prognose für das laufende Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Japan und der Kehrtwende der schwarz-gelben Berliner Bundesregierung zusammenstreicht. Die größeren und weniger von der Atomkraft abhängigen Konkurrenten RWE und Eon sehen bisher keinen Anlass, ihre Gewinnaussichten im Zuge der möglichen Neuausrichtung der Atom-Politik zu korrigieren. Die Börse teilt diese Einschätzung nicht.

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