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21.04.2016

13:03 Uhr

Saudi-Arabiens Ölkonzern

So könnte Saudi Aramco die Börse erobern

Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman ist der starke Mann beim Umbau der saudischen Wirtschaft. Der 31-Jährige gibt Details bekannt, wie der Staatsschatz Nummer eins – der staatliche Ölkonzern – an die Börse kommen könnte.

Öltanker an einem Anlegeplatz. PR

Saudi Aramco

Öltanker an einem Anlegeplatz.

RiadDer saudische Ölkonzern Aramco ist einer der großen Unbekannten auf dem Weltölmarkt. Er liefert zwar täglich mehr als zehn Millionen Barrel Rohöl in alle Welt. Doch das Unternehmen ist extrem verschwiegen – bislang. Der in den vergangenen Jahren stetig gefallene Ölpreis zwingt Saudi-Arabien zum Umdenken. Die Wirtschaft des Landes soll sich öffnen, ausländische Geldgeber wollen angelockt und die Abhängigkeit vom Öl gesenkt werden.

Ein Baustein auf dem Weg dorthin ist ein Börsengang Aramcos, das auf einen Schlag zur wertvollsten Aktiengesellschaft der Welt avancieren dürfte. Die US-Bank JP Morgan und der frühere Starbanker der Citigroup, Michael Klein, sollen dabei helfen, den Konzern an die Börse zu bringen, wie Bloomberg am Dienstag berichtet hatte. Der saudische Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman hat zudem im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg Details zu den Plänen für den Börsengang verraten, der für das 2017 oder 2018 avisiert ist.

Das Land denkt über ein Listing der Aktie an zwei Börsen nach, um auch Investoren jenseits des weitgehend abgeschotteten einheimischen Aktienmarkts zu erreichen. „Wir denken über mehre Optionen nach“, sagte bin Salman, der dem obersten Aufsichtsgremium des Ölkonzerns vorsitzt. Das Gespräch hatte Bloomberg bereits vergangenen Woche geführt. „Entweder wird es ein doppeltes Listing geben oder wir legen einen Fonds im US-Markt auf, der nur in Saudi Aramco investieren kann.“ Solche Fonds gebe es bereits für den Handel mit Gold oder Öl, sagte bin Salman, ohne dies weiter auszuführen.

Prinz Mohammed ist für die Planung des Börsengangs verantwortlich, bei dem zunächst wohl weniger als fünf Prozent des Konzerns verkauft werden sollen. Doch schon dadurch seien wohl 106 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) zu erlösen, schätzt das Sovereign Wealth Fund Institute, das zu Staatsfonds in aller Welt forscht. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen in einen saudischen Staatsfonds fließen, um Investitionen zur Reduktion der Abhängigkeit vom Öl zu finanzieren.

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

„Statens pensjonsfond utland“ (Norwegen)

Der „Statens pensjonsfond utland“, wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch „Ölfonds“ genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank „Saudi Arabien Monetary Agency“ die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen – und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die „State Administration of Foreign Exchange“. Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von „nur“ 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte – das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.

Auf dieser Basis könnte der Firmenwert zwei Billionen Dollar betragen – und Aramco damit mehr als dreimal so viel wert sein wie die derzeit wertvollste Aktiengesellschaft der Welt, Apple, mit einem Börsenwert von 590 Milliarden Dollar.

Die Notwendigkeit, ausländische Aktionäre einzubinden, erschließt sich aus der geschätzten Größe des Börsengangs. Denn alle Firmen im saudischen Aktienindex Tadawul haben aktuell einen kumulierten Börsenwert von knapp 400 Milliarden Dollar. Selbst ein kleiner Aramco-Teil würde die gesamte Börse dominieren.

Der weltweit bislang größte Börsengang war der IPO des chinesischen Online-Händlers Alibaba, der 2014 insgesamt 25 Milliarden Dollar erlöst hatte. Unklar ist aber, inwieweit sich Saudi Aramco in die Bücher schauen lassen würde: Das könnte die Preisfindung für die Aktien deutlich erschweren. Bislang hat der Konzern nie Finanzdaten veröffentlicht. Die Aktien anderer börsennotierter staatlicher Ölkonzerne werden mit einem großen Abschlag gegenüber der privaten Konkurrenz gehandelt.

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