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13.04.2011

11:45 Uhr

Schiesser und Skrill

Nervöse Märkte bremsen Börsenkandidaten aus

Die Kauflust der Anleger hält sich in Grenzen. Das bekommen Firmen wie Schiesser zu spüren.

Wäscheverpackungen in einem Schiesser-Shop. Quelle: dpa

Wäscheverpackungen in einem Schiesser-Shop.

London/FrankfurtDer Wäschehersteller Schiesser zieht seine Pläne für einen Börsengang im zweiten Quartal zurück. Das Unternehmen wolle sich „etwas mehr Zeit geben und abwarten, inwieweit die Kapitalmärkte die aktuellen Neuemissionen aufnehmen“, teilte Schiesser in Radolfzell mit. Ursprünglich hatte der Hersteller von Wäsche und Bademoden den Schritt an die Börse im zweiten Quartal angestrebt.

„Durch die bedauerlichen Ereignisse in Japan, aber auch im Nahen Osten und Nordafrika erwarten wir in den nächsten Wochen eine weiterhin volatile Börse und damit nicht die Verhältnisse, die wir für eine erfolgreiche Börsenplatzierung schon im Interesse unserer Investoren wollen“, sagte Vorstandssprecher Rudolf Bündgen. Das Unternehmen stehe nicht unter unmittelbarem Druck, den Börsengang jetzt durchzuführen. Mit dem für den Sommer geplanten neuen Marktauftritt wolle Schiesser nun erst einmal sein Potenzial unter Beweis stellen, hieß es. Als neuer Termin ist Ende November oder Anfang Dezember geplant, hieß es auf Nachfrage.

Im aktuellen Börsenumfeld haben es vor allem kleine Börsengänge schwer. So sackten etwa die Aktien des chinesischen Luxusartikel-Herstellers Powerland bereits am ersten Handelstag an diesem Montag unter ihren Ausgabepreis, der hessische Fräsmaschinenbauer Datron notierte zum Handelsstart an diesem Mittwoch auf dem Niveau des Ausgabekurses.

Auch an der Londoner Börse geht dem Geschäft mit Neuemissionen die Luft aus - ausgerechnet kurz vor einem der größten und prestigeträchtigsten Börsengänge der vergangenen Jahre. Zuletzt entschloss sich der Anbieter von Online-Bezahlsystemen Skrill seine Börsenpläne auf Eis zu legen. Das Unternehmen wollte Aktien im Wert von 160 Millionen Pfund auf den Markt bringen. Als Grund nannte der Börsenkandidat die anhaltende Verunsicherung der Investoren. Tatsächlich haben die Erdbeben-Katastrophe in Japan und die Unruhen im Nahen Osten vielen Großanlegern die Kauflust verdorben.

Skrill ist nicht das einzige Opfer der neuen Unsicherheit an den Märkten. Zuvor hat bereits die Ölfirma Topaz Energy & Marine ihren mehr als 300 Millionen Pfund schweren Börsengang abgesagt. Auch Edwards & Co, ein Anbieter von Vakuum-Technologogie musste die Notbremse ziehen.

Die Flut von Absagen droht die Stimmung kurz vor dem Börsengang des Rohstoffriesen Glencore zu verderben. Der diskrete Schweizer Konzern spielt allerdings in einer völlig anderen Liga, als die in den vergangenen Tagen gescheiterten Börsenkandidaten. Glencore will in Hong-Kong und London 20 Prozent seiner Aktien platzieren und damit zehn bis zwölf Milliarden Dollar einnehmen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Schweizer von der schlechteren Stimmung nicht beeindrucken lassen und morgen endgültig grünes Licht für die Großemission geben werden.

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