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15.07.2015

18:54 Uhr

„Schneller als gedacht“

Hapag Lloyd steuert auf Börsengang zu

Hapag-Lloyd will wieder an die Börse – und das wohl „schneller als gedacht“. Ein Insider sieht die Mandatierung einer Investmentbank als sicheres Indiz für den Gang. An die Börse soll zunächst ein Minderheitsanteil.

Hapag Lloyd beauftragt laut Insider unter anderem eine Investmentbank mit der betreuung des geplanten Börsengangs. Ein Indiz das dieser deutlich schneller kommen könnte, als bisher vermutet. dapd

Börsengang von Hapag Lloyd

Hapag Lloyd beauftragt laut Insider unter anderem eine Investmentbank mit der betreuung des geplanten Börsengangs. Ein Indiz das dieser deutlich schneller kommen könnte, als bisher vermutet.

Frankfurt/HamburgDeutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd nimmt offenbar doch schon in diesem Jahr einen neuen Anlauf an die Börse. Das Unternehmen habe die Deutsche Bank, Goldman Sachs und die Hamburger Privatbank Berenberg beauftragt, den Börsengang vorzubereiten, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch. „Es deutet darauf hin, dass es schneller gehen könnte als gedacht“, sagte einer der Insider. Weder Hapag-Lloyd noch die Banken wollten sich dazu äußern.

Investmentbanken werden in der Regel etwa ein halbes Jahr vor einer geplanten Erstnotiz mandatiert, so dass Hapag-Lloyd den Sprung aufs Parkett im November oder Dezember wagen könnte. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur „Dow Jones“ will Hapag-Lloyd im Herbst zunächst einen Minderheitsanteil an die Frankfurter Börse bringen. Der Schifffahrtskonzern könnte dabei insgesamt mit mehr als fünf Milliarden Euro bewertet werden.

Zahlreiche deutsche Unternehmen ziehen derzeit ihre Börsenpläne vor, um den Rückenwind von den Märkten zu nutzen und den Appetit der Anleger zu befriedigen. So wird der Börsengang der Bayer -Kunststoffsparte Covestro ebenfalls noch in diesem Jahr erwartet statt 2016.

Hapag-Lloyd hat schon mehrfach einen Börsengang ins Auge gefasst, zuletzt im Frühjahr 2011. Damals hatten die Turbulenzen an den Börsen nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima die Pläne durchkreuzt. Danach war das Unternehmen von der weltweiten Schifffahrtskrise erfasst worden.

Ende 2014 hatte Hapag-Lloyd mit der Containersparte des börsennotierten chilenischen Rivalen CSAV fusioniert, der seither mit einem guten Drittel an Hapag-Lloyd beteiligt ist. Der Fahrplan sah einen Börsengang binnen eines Jahres vor, Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen hatte ihn zuletzt aber eher für das kommende Jahr in Aussicht gestellt.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Zur Voraussetzung machte er dabei drei bis fünf gute Quartale vom Zusammenschlusses mit CSAV an gerechnet. Offenbar hat das gute Auftaktquartal das Management nun dazu ermutigt, den Schritt bereits im Herbst zu gehen.

Zweitgrößter Eigner der Hamburger Großreederei mit etwa 200 Schiffen und einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro ist die Stadt Hamburg mit gut 23 Prozent, gefolgt von dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne mit knapp 21 Prozent. Der Reisekonzern TUI hält knapp 14 Prozent und will sich im Zuge eines Börsengangs davon trennen. Weitere kleinere Pakete liegen bei Hamburger Banken und Versicherungen.

Von

rtr

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