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31.05.2012

16:45 Uhr

Schuldenabbau

Telefonica will o2 an die Börse bringen

Die spanische Telefonica belastet ein hoher Schuldenberg. Der geplante Börsengang der Deutschland-Tochter o2 soll nun frische Milliarden in die Kasse spülen. Das befeuert auch einmal mehr Übernahmegerüchte um E-Plus.

Die Telefonica will mit einem Börsengang ihrer Tochter o2 Schulden abbauen. dpa

Die Telefonica will mit einem Börsengang ihrer Tochter o2 Schulden abbauen.

DüsseldorfDer Sparzwang bei der spanischen Telefonica könnte dem deutschen Börsenparkett schon bald einen milliardenschweren Neuzugang bringen. Der Konkurrent der Deutschen Telekom bereitet eine Notierung seines Deutschlandgeschäfts mit der Mobilfunkmarke o2 vor, um seinen Schuldenberg zu verringern. Da das Börsenumfeld vor allem wegen der Euro-Schuldenkrise aktuell schlecht ist, rechnen Experten allerdings eher zum Jahresende hin mit einem solchen Schritt. Sie gehen zudem davon aus, dass Telefonica einen Großteil des Geschäfts, das sie mit acht bis zehn Milliarden Euro bewerten, behalten möchte.

Telefonica hatte am Mittwoch mitgeteilt, die Vorbereitungen für einen IPO des Deutschlands-Geschäfts hätten begonnen. Zudem werde eine Börsennotierung des Lateinamerika-Geschäfts erwogen. Beides solle dazu beitragen, die Verschuldung im laufenden Jahr zu senken. Dies könne in der aktuellen Situation nur positiv bewertet werden, sagte Nuno Matias, Analyst bei Espirito Santo am Donnerstag. Vorrangiges Ziel von Telefonica sei es, sein Investmentgrade-Rating zu behalten.

Die Börsenpläne stehen aber offenbar noch ganz am Anfang. Gespräche zur Mandatierung von Banken, die den Börsengang organisieren sollen, würden erst in den kommenden Tagen geführt, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen Reuters. Telefonica plane, nur einen Teil des Geschäfts zu listen, hieß es in Finanzkreisen. Wahrscheinlich sei ein Börsengang in der zweiten Jahreshälfte.

„Falls Telefonica einen Teil des Deutschland-Geschäfts an die Börse bringt, können sie einen Mehrheitsanteil behalten und gleichzeitig viel Geld erlösen, um die Verschuldung zu verringern“, sagte Analyst Carlos Winzer von der Ratingagentur Moody's. Experten erwarten, dass Telefonica 30 bis 40 Prozent an die Börse bringt. Der Konzern muss bis 2015 jährlich sieben bis acht Milliarden Euro an Schulden refinanzieren. Zudem setzt den Spaniern die Euro-Schuldenkrise erheblich zu, die die Preise am Heimatmarkt drückt und auch die Beteiligung am italienischen Konkurrenten Telecom Italia belastet. In den ersten drei Monaten 2012 halbierte sich der Überschuss im Konzern auf 748 Millionen Euro.

Nun versucht Telefonica, noch stärker von seinen Ertragsperlen zu profitieren. Anders als etwa die Deutsche Telekom hatten die Spanier früh auf wachstumsstarke Märkte in Lateinamerika gesetzt. Heute ist dieses Geschäft der wichtigste Gewinnbringer im Konzern. Der ehemalige Staatsmonopolist erzielt bereits zwei Drittel des Umsatzes und operativen Gewinns außerhalb seines Heimatmarktes. In Europa sticht das Deutschland-Geschäft, nach Spanien für Telefonica der zweitgrößte Markt, mit der Mobilfunkmarke o2 positiv heraus. Im ersten Quartal konnte Telefonica hier den operativen Gewinn um 13 Prozent auf 295 Millionen Euro steigern. Mit 18,6 Millionen Kunden rangiert o2 aber auf dem letzten Platz unter den Mobilfunknetzbetreibern, hinter der KPN-Tochter E-Plus und den beiden Platzhirschen Deutsche Telekom und Vodafone.

In der Branche wird immer wieder auf ein Zusammengehen von o2 und E-Plus spekuliert. Experten zufolge könnten die Unternehmen gemeinsam leichter zu den Marktführern aufschließen und anstehende Investitionen in den Netzausbau besser stemmen. Chancen haben die Konkurrenten auch schon ausgelotet, zu konkreten Vorhaben kam es aber bislang nicht. Telefonicas Entscheidung, o2 an die Börse zu bringen, zeige, dass die Gruppe nicht für E-Plus bieten wolle, sagte Moody's-Analyst Winzer. In dieses Horn bläst auch Espirito-Santo-Analyst Matias. Rating-Agenturen würden eine derartige Offerte wegen des geplanten Schuldenabbaus nicht gerne sehen. „Dieser Schritt zieht einen Strich unter die Spekulation, dass Telefonica kurzfristig irgendetwas mit KPN in Deutschland vorhaben könnte“, sagte Matias mit Blick auf die Börsenpläne. „Aber sie haben die Tür nicht gänzlich zugeschlagen.“

Andere Experten sehen in dem geplanten IPO von o2 jedoch eine Chance für KPN, seine deutsche Tochter an Telefonica zu verkaufen. KPN wehrt sich derzeit gegen den Versuch des mexikanischen Mobilfunkkonzerns America Movil, seine Anteile auf knapp 28 Prozent aufzustocken. Spekuliert wird, dass ein Verkauf des Deutschland- und Belgien-Geschäfts Teil der Verteidigungsstrategie von KPN ist.

Von

rtr

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