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28.07.2015

16:16 Uhr

Scout24, Lieferheld und Hapag-Lloyd

Goldman Sachs erwartet noch bis zu zehn Börsengänge

Im ersten Halbjahr haben acht Börsenneulinge 3,1 Milliarden Euro eingesammelt. Geht es nach Goldman Sachs, wird das Emissionsvolumen im Herbst noch einmal getoppt. Vielversprechende Kandidaten gibt es zu zuhauf.

Zu den wichtigsten Börsenkandidaten für die beiden „Fenster“ im September/Oktober und November/Dezember zählen auch junge Internet-Firmen wie der Lieferdienst Delivery Hero („Lieferheld“). dpa

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Zu den wichtigsten Börsenkandidaten für die beiden „Fenster“ im September/Oktober und November/Dezember zählen auch junge Internet-Firmen wie der Lieferdienst Delivery Hero („Lieferheld“).

FrankfurtBis zu zehn größere Unternehmen könnten noch im Herbst nach Einschätzung von Goldman Sachs an die Frankfurter Börse drängen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es fünf bis zehn Börsengänge gibt im zweiten Halbjahr, sagte Christoph Stanger, der das Europa-Geschäft der US-Investmentbank mit Neuemissionen und Kapitalerhöhungen leitet, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Die Pipeline ist qualitativ hochwertig.“

Stanger erwartet größere Emissionen als im ersten Halbjahr, in dem acht Börsenneulinge 3,1 Milliarden Euro eingesammelt hatten. Das Emissionsvolumen werde nach dem Sommer voraussichtlich deutlich höher ausfallen als in der ersten Jahreshälfte. „Da hatten wir noch ein recht dünnes Geschäft in Deutschland“, räumte der Österreicher ein.

Zu den wichtigsten Börsenkandidaten für die beiden „Fenster“ im September/Oktober und November/Dezember, in denen sich Börsengänge platzieren lassen, zählen die Bayer -Kunststoffsparte Covestro, die Zugsparte der kanadischen Bombardier und die Reederei Hapag-Lloyd. Aber auch junge Internet-Firmen wie der Lieferdienst Delivery Hero („Lieferheld“) und der Möbelhändler Westwing aus dem Imperium von Rocket Internet sowie der Rubrikanzeigen-Dienst Scout24 gelten als aussichtsreiche Anwärter.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Die Kandidaten seien zumeist gut vorbereitet, sagte Stanger, ohne Namen zu nennen. Sie suchten schon vor dem offiziellen Startschuss für den Börsengang den Kontakt zu Investoren. "Das ist mittlerweile die Regel, nicht die Ausnahme."

Das größte Risiko für Aktienemissionen seien die möglichen Folgen des Crashs am chinesischen Aktienmarkt. Investoren von dort spielten zwar bei deutschen Börsengängen keine Rolle. Aber wenn der Abwärtstrend an den Märkten sich auf die Konjunktur in China auswirke, "das wäre global markrelevant", sagte Stanger. "Das ist ein Risikokomplex, den man nicht unterschätzen darf." Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass der Index der Börse in Shanghai immer noch über dem Stand zu Jahresbeginn liege.

Von

rtr

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