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23.03.2016

15:42 Uhr

Senvion

Windanlagenbauer gerät nach Börsengang unter Druck

Im zweiten Anlauf hat es Senvion doch noch auf das Parkett geschafft. Doch der Börsengang des Windanlagenbauers fiel eher glanzlos aus. Die Aktien des Hamburger Unternehmen fielen unter den Ausgabepreis.

Mit weltweit 3900 Mitarbeitern macht Senvion vor allem in Europa, aber auch in den USA, Australien und Kanada Geschäfte. dpa

Senvion

Mit weltweit 3900 Mitarbeitern macht Senvion vor allem in Europa, aber auch in den USA, Australien und Kanada Geschäfte.

MünchenDer Windanlagenbauer Senvion ist am ersten Handelstag unter Druck geraten. Die Aktien des Hamburger Unternehmen fielen am Mittwoch bis auf 15,36 Euro und damit unter den Ausgabepreis von 15,75 Euro, obwohl dieser schon am unteren Ende der gesenkten Preisspanne gelegen hatte. Die Eigentümer, die Finanzinvestoren Centerbridge und Arpwood, nahmen mit dem Börsengang knapp 300 Millionen Euro ein - weniger als halb so viel wie ursprünglich erhofft.

Senvion war nach der hessischen Biotech-Firma Brain erst der zweite Börsengang in Frankfurt in diesem Jahr. Der Kursrutsch an den Märkten im Januar und Februar, der Absturz des Ölpreises und Konjunktursorgen hatten in den vergangenen Wochen die Stimmung getrübt. Nach einer Studie von EY (Ernst & Young) sank die Zahl der Börsengänge im ersten Quartal weltweit um 39 Prozent auf 167, das Emissionsvolumen brach sogar um 70 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar ein. So gering war es zuletzt im Frühjahr 2009, kurz nach der Finanzkrise.

Um es auf das Parkett zu schaffen, benötigte Senvion zwei Anläufe. Beim ersten Versuch waren zu wenige Investoren bereit, die Aktien der ehemaligen REpower zu kaufen. Daraufhin senkte Senvion die Preisspanne auf 15,50 bis 17,00 Euro und dampfte das Volumen auf 18,7 Millionen von bis zu 29,9 Millionen Aktien ein. Am Nachmittag notierte die Senvion-Aktie bei 15,85 Euro.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Senvion wird nun mit einer Milliarde Euro bewertet - so viel hatten die beiden Finanzinvestoren im vergangenen Jahr für die Übernahme des Windanlagenbauers vom indischen Suzlon -Konzern gezahlt. Mit weltweit 3900 Mitarbeitern macht Senvion vor allem in Europa, aber auch in den USA, Australien und Kanada Geschäfte.

Auch das Biotech-Unternehmen Brain hatte den Sprung auf das Frankfurter Parkett nur mit Mühe geschafft, der Kurs musste nach dem Börsengang massiv gestützt werden. Inzwischen notiert die Brain-Aktie bei zehn Euro. Platziert worden war sie im Februar für neun Euro am unteren Ende der Preisspanne.

Von

rtr

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