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02.04.2012

15:46 Uhr

Solarkonzern

Q-Cells meldet Insolvenz an - Aktie stürzt ab

Q-Cells will am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen. Das gab das Unternehmen am Nachmittag bekannt. An der Börse war damit gerechnet worden - die Aktie notiert tief im Minus.

Ein Schild an einem Zaun zum Gelände des Solarkonzerns Q-Cells. dpa

Ein Schild an einem Zaun zum Gelände des Solarkonzerns Q-Cells.

Der hochverschuldete Solarzellenhersteller Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen will am Dienstag Antrag auf Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Dessau stellen. Das kündigte das Unternehmen am Montagnachmittag an.

"Nach intensiver Prüfung von alternativen Konzepten zur Umsetzung der Finanzrestrukturierung ist das Management zu der Einschätzung gelangt, dass die Fortführungsprognose für das Unternehmen nicht mit hinreichender rechtlicher Sicherheit wiederhergestellt werden kann." Daher sei die Stellung eines Insolvenzantrags rechtlich geboten.

An der Börse war bereits mit der Pleite gerechnet worden. Die Aktie war am Vormittag um 35 Prozent abgerutscht. Kurz vor der Nachricht wurden die Papiere um 14.20 Uhr für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels lag der Kurs erneut 35 Prozent im Minus bei 14 Cent.

Den ursprünglichen Plan zur Sanierung, bei dem Anleihegläubiger eine Zahlungsaufschub hätten gewähren sollen, musste das Unternehmen am Freitag aufgeben. Gegen den Plan hatte ein Gläubiger beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt geklagt. Das Gericht hat in diesem Fall noch nicht entschieden, wohl aber in einem sehr ähnlichen: Das OLG hatte am Dienstag die Sanierungspläne des Holzverarbeiters Pfleiderer gekippt, die ähnlich wie bei Q-Cells zur Rettung unter anderem den Verzicht der Anleihegläubiger auf ihre Ansprüche vorsahen. Nach dem abschlägigen Gerichtsurteil meldete Pfleiderer Insolvenz an.

Q-Cells Chronologie

1999

Die Q-Cells AG wird von drei Ingenieuren gegründet.

2000

In Thalheim bei Bitterfeld wird mit dem Bau der ersten Produktionslinie begonnen.

2001

Das sogenannte Start-up-Unternehmen beschäftigt 19 Mitarbeiter, die ersten Solarzellen laufen vom Band.

2002

Die Zahl der Beschäftigten steigt auf 82, das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen.

2004

484 Frauen und Männer arbeiten bei Q-Cells, das sich an der australischen Solarfirma CSG Solar beteiligt.

2005

Im Herbst geht das Unternehmen an die Börse, im selben Jahr wird das Joint Venture EverQ gegründet, das heute als Sovello GmbH firmiert und als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert - 2007 wächst das Unternehmen weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2007

Das Unternehmen wächst weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2008

Die Gesamtkapazität erreicht 574 Megawattpeak, Q-Cells gilt als der weltweit größte Hersteller von Solarzellen.

2009

Q-Cells verlagert Teile der Produktion nach Malaysia und nimmt dort die Produktion von kristallinen Solarzellen auf.

2010

Das Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell und wandelt sich vom bisherigen Hersteller von Solarzellen zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen.

2011

Q-Cells rutscht in tiefrote Zahlen. Das überschuldete Unternehmen macht einen Verlust von 846 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,02 Milliarden Euro.

Das Produktionsvolumen beträgt indes 783 Megawattpeak, davon entfallen 717 Megawattpeak auf die Produktion von Solarzellen, von denen rund 60 Prozent im malaysischen Werk produziert wurden.

2012

2012 stand Q-Cells vor einem Schulden- und Kapitalschnitt. Nach Konzernplänen sollten die Gläubiger keine Rückzahlung bei Fälligkeit der Anleihen erhalten, sondern diese im Rahmen des Schulden- und Kapitalschnitt einbringen. Sie hätten damit auf ihre Ansprüche in Höhe von zusammen mehr als 550 Millionen Euro gegenüber Q-Cells verzichtet. Im Gegenzug sollten sie Aktien erhalten. Doch der Plan scheiterte.

Q-Cells will am 3. April einen Insolvenzantrag stellen. Q-Cells beschäftigt derzeit 2.300 Menschen, davon 500 in Malaysia.

Angesichts des Urteils sei dem Restrukturierungskonzept die Basis entzogen worden, erklärte Q-Cells. "Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand davon aus, dass die Fortführungsprognose zurzeit nicht gegeben ist", hieß es in einer Pflichtmitteilung. Q-Cells sei zwar überzeugt, dass die Entscheidung des OLG falsch ist. Zu erwartende Klagen gegen das Restrukturierungskonzept von Q-Cells wären jedoch von demselben Gericht zu entscheiden. Es sei nicht anzunehmen, dass es seine Ansicht ändere.

Die Mitarbeiter bei Q-Cells fürchten nun um ihre Jobs. „Wir haben noch keine Informationen, wie es weitergeht“, sagte Sylke Teichfuß, Vize-Bezirksleiterin der Gewerkschaft IG BCE. Jedoch gebe es Hoffnung: „Ich denke, dass Q-Cells Zukunft hat“, sagte Teichfuß.

Der Solarkonzern aus Bitterfeld-Wolfen kämpft seit Jahren ums Überleben. Inzwischen ist das Eigenkapital aufgezehrt, mehrere Anleihen drohen zu platzen. Nach einem Verhandlungsmarathon gewährten die Gläubiger einer Ende Februar fälligen Anleihe über 200 Millionen Euro im letzten Moment einen Zahlungsaufschub bis Ende April. Bis dahin wollte sich Vorstandschef Nedim Cen mit den Zeichnern zweier weiterer Wandelanleihen verständigen, die bis 2014 und 2015 laufen. Anschließend sollte die 2012er-Anleihe nochmals bis Ende des Jahres verlängert werden. Bis dahin sollte das Sanierungskonzept stehen. Im Zuge dessen sollen die Zeichner der Bonds größtenteils auf die Rückzahlung verzichten und dafür Aktien erhalten. Cen hatte immer wieder erklärt, eine Einigung mit den Anleihegläubigern sei zwingend für eine Sanierung des Konzerns.

Von

rtr

Kommentare (6)

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RWi

02.04.2012, 12:43 Uhr

Nicht die Kürzungen an sich waren tödlich für die Unternehmen der PV-Branche, auch nicht die sicher vorhandenen Managementfehler, vielmehr hat die Konzeptionslosigkeit und der blinde Aktionismus der Bundesregierung (wie auch beim Hals-Über-Kopf-Atomausstieg) dazu geführt, daß - egal für welche Art und Größe und Nutzung von PV-Anlagen - keinerlei Planungssicherheit mehr vorhanden war und Investitionsberechnungen nur noch eine Halbwertzeit von wenigen Tagen hatten.

zarakthuul

02.04.2012, 14:44 Uhr

Seit Jahren hat sich das Geschäftsmodell nicht gerechnet. Nicht die notwendigen Kürzungen der Einspeisevergütung ist schuld an der Misere, sondern die Unfähigkeit der Unternehmen im Wettbewerb. Auch in Zeiten mit besserer Planungssicherheit wurden schon rote Zahlen geschrieben.

Soviel auch zum "Grünen Jobwunder"!

ForumUniversale

02.04.2012, 14:59 Uhr

Wo sind denn jetzt diejenigen (SPD, Grüne) die großmäulig die Schlecker-Frauen retten wollten? Eine Solarfirma geht pleite, wo sind denn jetzt die grünen Politiker? Ach so, stimmt die FDP ist wieder schuld an der Pleite...

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