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30.04.2014

17:03 Uhr

Sorgen um Nutzerwachstum

Twitter-Aktie bricht ein

Vor einem halben Jahr war Twitter der Börsenstar. Doch die Aktie fällt schon seit einiger Zeit. Anleger sind beunruhigt, weil der Kurznachrichtendienst kaum neue Nutzer anzieht. Zudem schreibt Twitter horrende Verluste.

Der Aktienkurs von Twitter ist kräftig nach unten gerauscht. ap

Der Aktienkurs von Twitter ist kräftig nach unten gerauscht.

San FranciscoDas Online-Netzwerk Twitter wächst nicht so schnell wie erwartet und bekommt den Druck der Anleger zu spüren. Nach einem enttäuschenden Nutzerwachstum fiel die Twitter-Aktie auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang vor einem halben Jahr. Der Kurs brach am Mittwochmorgen in New York um fast 12 Prozent ein. Das Papier kostete zeitweise keine 38 Dollar mehr. Insgesamt ist das Unternehmen noch rund 21 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro) schwer.

Twitter kam zuletzt auf 255 Millionen Nutzer im Monat. „Es gibt nur wenige Unternehmen, die diese Reichweite haben“, sagte Firmenchef Dick Costolo am Dienstag nach der Vorlage der Geschäftszahlen in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Das Internetunternehmen war im November erfolgreich an die Börse gegangen. Der damalige Ausgabekurs lag bei 26 Dollar und kletterte sofort nach dem Handelsstart. Die Aktie hatte am zweiten Weihnachtstag mit gut 73 Dollar ihren Höchststand erreicht. Seitdem ging es wieder abwärts wegen Sorgen um die Nutzerentwicklung.

Twitter konnte von Januar bis März 14 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Verglichen mit Rivalen wie Facebook ist es wenig. Facebook hatte im gleichen Zeitraum rund 50 Millionen Leute neu angelockt und kam zuletzt auf 1,28 Milliarden Nutzer im Monat. Die Nachrichten-App WhatsApp übersprang jüngst die Schwelle von einer halben Milliarde Nutzer. Facebook ist gerade dabei, WhatsApp zu kaufen.

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