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22.03.2006

07:00 Uhr

Spanien

Übernahmegerüchte treiben die Bankinter-Aktie

VonStefanie Müller

Großaktionäre und internationale Großbanken zeigen Interesse an Spaniens Nummer sechs Bankinter. Analysten halten die Titel aber für zu teuer.

MADRID. Die Aktie des sechstgrößten spanischen Geldinstituts Bankinter hat ein hervorragendes Jahr hinter sich. Nach Auffassung von Analysten ist das Potenzial aber schon weitgehend ausgeschöpft. Allein in den vergangenen drei Monaten stieg die Aktie von 45 auf fast 57 Euro. Grund für die starke Aufwärtsbewegung sind die zahlreichen Spekulationen um eine Übernahme, aber auch der Wettkampf zwischen den beiden größten Einzelaktionären, Ram Bhavnani und dem ehemaligen Präsidenten der Bank, Jaime Botín. Beide stockten im vergangenen Jahr ihre Anteile gewaltig auf. Zusammen halten sie inzwischen 28 Prozent des Kapitals. Kein Käufer kommt an ihnen vorbei.

Vor wenigen Tagen kam das Gerücht auf, dass der auf den Kanarischen Inseln residierende Inder Bhavnani seinen zwölfprozentigen Anteil an Bankinter für 65 Euro pro Aktie an die britische Barclays Bank verkaufen könnte. Das reichte, um den Kurs noch einmal um knapp fünf Prozent anzuheizen. Er selber dementierte die Gerüchte. In den vergangenen Tagen blieb die Aktie dennoch neben den Energiewerten einer der Hauptstimulationen für die Madrider Börse. Der Referenzindex Ibex-35 steht auch dank Bankinter kurz davor, die 12 000-Punkte-Marke zu durchbrechen.

Die auf den Mittelstand und das Online-Banking ausgerichtete Bank ist zwar äußerst solide. In den vergangenen vier Jahren konnte sie unter der Führung von Juan Arena ihren Gewinn um 90 Prozent auf 188 Mill. Euro und ihr Kreditvolumen auf 29 Mrd. Euro verdoppeln. Aber vergleicht man das Geschäft im vergangenen Jahr mit dem Vorjahr 2004 wuchs der Gewinn nur um 15 Mill. Euro. Der Madrider Broker Ibersecurities rät deswegen vom Kauf ab, die Bankinter-Aktie sei nur etwas für Spekulanten. „Die Fundamentaldaten entsprechen nicht diesem starken Kursanstieg“, glaubt Analyst Mario Lodos.

Ihm gefallen langfristig eher heimische Branchenwerte wie die Banesto, eine Tochter der größten spanischen Bank SCH, oder die drittgrößte, sehr rentable Banco Popular, die noch vergleichsweise billig seien, aber langfristig wesentlich bessere Wachstumschancen hätten.

Ähnlich sieht es der Madrider Broker Ahorro Corporación, der seine Empfehlung für die Bankinter-Aktie vor wenigen Tagen von „halten“ auf „verkaufen“ zurückgestuft hat. Die Analysten halten den Wert inzwischen für so teuer, dass ihrer Meinung nach auch eine Übernahme durch einen anderen Wettbewerber nicht mehr sehr wahrscheinlich scheint. Derzeit ist Bankinter an der Börse 4,4 Mrd. Euro wert, 21 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. „Die Aktie, die vor einem Jahr nur rund 40 Euro wert war, hat ihre besten Zeiten schon hinter sich“, heißt es.

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