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08.07.2015

14:11 Uhr

Startup-Finanzierer geht an die Börse

Ein Hauch von Silicon Valley in Frankfurt

VonPeter Köhler

Mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel präsentierte die German Startups Group in der „Alten Textilfabrik“ ihren Börsengang. Erinnerungen an den „Neuen Markt“ werden wach, aber dieses Mal soll alles anders werden.

Der Essenslieferant ist eine Beteiligung der German Startups Group. dpa

Delivery Hero

Der Essenslieferant ist eine Beteiligung der German Startups Group.

FrankfurtEs dürfte einer der letzten Börsengänge vor der Sommerpause werden. Trotz Griechenland-Krise und den Verwerfungen an den asiatischen Börsen hält das Management der German Startups Group Berlin (GSG) an seinen IPO-Plänen fest. Insgesamt gut 22 Millionen Aktien werden vom 8. Juli bis 16. Juli in einer Preisspanne von 2,70 bis 3,60 Euro angeboten. Der erwartete Netto-Emissionserlös inklusive der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) beträgt voraussichtlich 64 Millionen Euro.

Laut Vorstandschef Christoph Gerlinger partizipieren die Aktionäre mit den GSG-Aktien indirekt am Erfolg von insgesamt 43 Beteiligungen. Der Wert des Portfolios betrage 18,4 Millionen Euro, die erzielte Bruttorendite auf das bisher eingesetzte Eigenkapital bezifferte er auf 30,5 Prozent. Nach dem Bilanzierungsstandard IFRS wurde 2014 ein Gewinn von 1,4 Millionen Euro erwirtschaftet.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Die Aktionäre erhielten über die GSG einen Zugang zur Asset-Klasse „Deutsche Startups“, den ansonsten nur institutionelle Investoren, vermögende Business Angels oder Family Offices haben. Zu den bekanntesten Namen im Beteiligungsbesitz zählen Delivery Hero, eine Online-Plattform für Essenslieferdienste, sowie Mister Spex, ein Online-Shop für Brillen und Kontaktlinsen. Die Engagements sind aber mit 0,06 Prozent beziehungsweise 0,66 Prozent sehr gering.

Analogien zum „Neuen Markt“, in dem sich um die Jahrtausendwende zahlreiche Internet-Geschäftsmodelle als Flop herausgestellt hatten, sieht Gerlinger nicht. „Viele kamen damals zu früh an die Börse“, sagt Gerlinger, der bis 2002 im Vorstand des Computerspieleherstellers CDV saß und den Absturz des Nasdaq und des Neuen Marktes aus nächster Nähe erlebt hat. Damals habe es 100 Millionen Internet-Anschlüsse gegeben, überwiegend in den Büros, heute gebe es weltweit drei Milliarden, meistens mobil in der Westentasche, skizzierte er die Unterschiede im Umfeld für Technologieunternehmen heute und vor 15 Jahren.

Rund 70 bis 80 Prozent des Erlöses aus dem IPO sollen in neue Beteiligungen gesteckt werden, die bisherigen Mittel seien weitgehend aufgebraucht. Wer die Titel zeichnet, muss auf einen Wertzuwachs der Anteile in den Portfoliounternehmen hoffen, eine Dividende ist kurzfristig nicht zu erwarten. Man sei aber an mehreren Unternehmen beteiligt, „die wir für börsenreif halten“, so Gerlinger.

Eine „Peer Group“ mit börsennotierten Unternehmen im deutschsprachigen Raum gibt es nicht. Am ehesten kommt noch die Holdinggesellschaft Rocket Internet der Samwer-Brüder als Vergleich in Frage. Die Commerzbank führt das Emissionskonsortium an, Kaufangebote können aber auch direkt über ein Zeichnungs-Tool auf der Website des Unternehmens (www.german-startups.com) abgegeben werden.

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