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07.12.2015

10:42 Uhr

Steinhoff International

Börsengang ohne Chef

VonAndreas Dörnfelder, Peter Köhler

Drei Tage nach Bekanntwerden einer Razzia in der Europa-Zentrale ist der Möbelgigant Steinhoff in Frankfurt an die Börse gegangen. Doch einer fehlte: Vorstandschef Markus Jooste.

Bruno Steinhoff, Gründer des gleichnamigen Möbelkonzerns, eröffnet am Montag den Handel an der Frankfurter Börse. PR

Börsengang nach Razzia

Bruno Steinhoff, Gründer des gleichnamigen Möbelkonzerns, eröffnet am Montag den Handel an der Frankfurter Börse.

FrankfurtDer Börsengang war perfekt inszeniert. In edlen schwarzen Containern präsentierte der weltweit zweitgrößte Möbelhändler seine aktuelle Kollektion vor dem Haupteingang zum Handelssaal. Im Halbrund angeordnet waren eine Küche, ein Wohn-, ein Schlaf- und ein Kinderzimmer zu bewundern.

In der gleichzeitig ausgesandten Pressemitteilung jubelte Vorstandschef Markus Jooste: „Heute ist ein sehr wichtiger Tag in der Geschichte von Steinhoff. Die Notierungsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse zusammen mit einer Zweitnotierung an der Börse in Johannesburg wird das internationale Profil der Gruppe stärken.“

Nur: Wie groß ist der Jubel wirklich? Jooste war an diesem historischen Tag gar nicht anwesend. Seine Vertreter entschuldigten ihn mit Nackenschmerzen, die eine Reise von der Zentrale in Kapstadt unmöglich gemacht hätten. Dabei wäre Jooste gerade in diesen Tagen ein gefragter Gast gewesen. Denn der vergangene Freitag war ein weniger rühmlicher Tag für Steinhoff.

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Razzia im Möbelhaus: Der weltweit zweitgrößte Möbelhändler nach Ikea, die Firma Steinhoff, hat ein Problem in Niedersachsen. Manager sollen Bilanzen gefälscht haben. Es geht um mehrere hundert Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg meldete eine Razzia in der Europa-Zentrale des Möbelgiganten. Im Fokus der Fahnder stehen vier Manager. Sie sollen jahrelang überhöhte Umsätze gebucht haben. Und zwar so massiv, dass sie den Wert des gesamten Konzerns schönten. Der Konzern erklärte bisher nur, man werde die Behörden in vollem Umfang unterstützen und habe bereits Maßnahmen zur weiteren Aufklärung eingeleitet.

Der Start auf dem Börsenparkett verlief angesichts dieser Umstände sachlich und ohne große Euphorie. Um 9.05 Uhr läutete der sichtlich angespannte Konzerngründer Bruno Steinhoff symbolisch die goldene Glocke. Erst packte er mit beiden Händen zu, dann schwang er die Glocke auf Wunsch der Fotografen noch einmal einhändig. Der erste Kurs notierte auf 5 Euro.

Das Unternehmen wird an der Börse mit umgerechnet gut 20 Milliarden Euro bewertet und ist damit der weltweit zweitgrößter Möbelkonzern hinter Ikea. Steinhoff hat mehr als 90.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt knapp zehn Milliarden Euro Umsatz. In Deutschland ist der Konzern mit der Möbelkette Poco bekannt.

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