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05.02.2014

14:54 Uhr

Strategische Umorientierung

Gazprom nimmt Europa ins Visier

Quelle:Börse am Sonntag

Für den russischen Großkonzern Gazprom laufen die Geschäfte in Europa wie geschmiert. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion allerdings ist viel Sand im Getriebe. Eine strategische Umorientierung bahnt sich an.

Von einem positiven Image ist der russische Energieriese Gazprom in etwa so weit weg wie Russlands Präsident Wladimir Putin davon, ein guter Demokrat zu sein. Dennoch läuft das Geschäft in Europa bestens. AFP

Von einem positiven Image ist der russische Energieriese Gazprom in etwa so weit weg wie Russlands Präsident Wladimir Putin davon, ein guter Demokrat zu sein. Dennoch läuft das Geschäft in Europa bestens.

DüsseldorfEinen besonders glücklichen Eindruck hinterließ Sergey Vakulenko, Chef für Strategie und Planung bei Gazprom, vor wenigen Tagen spätnachts in einer Davoser Bar nun wahrlich nicht. Dabei sollte ihm stellvertretend für sein Unternehmen ein Preis verliehen werden. Doch anstatt ihn mit stolzgeschwellter Brust und einem freudestrahlenden Lächeln entgegenzunehmen, verließ Vakulenko ohne Pokal kurzerhand das Lokal.

Ihm war wohl bewusst, dass diese Auszeichnung kein Ruhmesblatt für den weltgrößten Erdgasförderer ist. Und tatsächlich handelt es sich bei dem Public Eye Award um einen Negativpreis, der jedes Jahr am Rande des Weltwirtschaftsforums an das Unternehmen verliehen wird, welches sich gegenüber Mensch und Umwelt besonders verantwortungslos gezeigt hat.

Gazprom bohre in der Barentssee in der Arktis nach Erdöl und riskiere dabei Umweltschäden, hieß es in der offiziellen Erklärung der Preisverleiher. Seit 2000 wird dieses Projekt von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt durchgeführt und lässt erahnen, wie schlimm es um den Ruf des russischen Gasriesen bestellt ist.

Neben den erheblichen Imageproblemen hat Gazprom-Chef Alexei Borissowitsch Miller derzeit besonders mit Gewinnrückgängen zu kämpfen. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen des dritten Quartals 2013 dokumentieren einen Einbruch um zehn Prozent auf 276,1 Milliarden Rubel, etwa 5,98 Milliarden Euro. Grund sind unter anderem immense Betriebskosten und geringe Einnahmen aus Finanzgeschäften. Außerdem machen hohe Produktionskosten, die hohe Steuerlast und schwache Rohstoffpreise dem Energiegiganten zu schaffen.

Im russischen Heimatmarkt und in den benachbarten Staaten der ehemaligen Sowjetunion gibt es erhebliche Probleme. Im Inland, wo Gazprom die Hälfte seines geförderten Gases absetzt, muss es der Energieriese günstig auf dem preislich regulierten Markt anbieten.

Doch auch wenn es um Exporte geht, setzt die russische Regierung den Weltkonzern immer häufiger als seinen verlängerten Arm ein. So musste das 1992 gegründete Unternehmen erst kürzlich den Preis, den die Ukraine zu zahlen hat, schlagartig nach unten korrigieren, um das Land politisch an den Kreml zu binden. Zusätzliche Bauchschmerzen dürften Miller einige aufstrebende private Produzenten sowie der staatliche Öl-Gigant Rosneft sorgen, die kontinuierlich an Marktanteilen gewinnen. Aktuellen Prognosen der Investmentbanken Sberbank CIB und Uralsib Capital zufolge werden Gazproms innerrussischer Marktanteile von derzeit 73 Prozent bis zum Jahr 2020 auf maximal 57 Prozent schrumpfen.

Kommentare (1)

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PeterKock

05.02.2014, 16:07 Uhr

Wir , Deutschland , haben ja eine Pipeline gebaut für über 7 Milliarden Euro zusätzlich "Ruhegeld" für umliegende Staaten. Als die dann fertig war hat Gazprom die Preise angezogen und kürzlich noch damit gedroht das Gas zu sperren. Gazpromgerd wird das bestätigen. Aus kaufmännischer Sicht war das alles falsch. Fragt sich nur wer davon profitierte ????

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