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18.01.2010

08:34 Uhr

Swiss Life

Übernahme durch Allianz unwahrscheinlich

VonChristoph Sandt

Übernahmegerüchte hören Aktienhändler immer gern. Dann bewegen sich die Kurse ruckartig, und es lässt sich trefflich spekulieren. So geschehen beim Gerücht, die Allianz habe Interesse am Schweizer Konkurrenten Swiss Life. Doch Analysten halten den Deal für unwahrscheinlich.

Logo des Lebensversicherers am Sitz in Zürich: Nach der Übernahme von AWD hat sich Swiss Life inzwischen wieder stabilisiert. Quelle: ap

Logo des Lebensversicherers am Sitz in Zürich: Nach der Übernahme von AWD hat sich Swiss Life inzwischen wieder stabilisiert.

FRANKFURT. Die Swiss-Life-Aktie stieg nach Bekanntwerden der Gerüchte auf ein neues Jahreshoch, und die Allianz-Aktie gab leicht nach. Doch bei Lichte betrachtet halten die Analysten einen solchen Deal für wenig wahrscheinlich. Viele stuften die Swiss-Life-Aktie herab. Der größte Schweizer Lebensversicherer verlor bis Freitag im Vergleich zum Jahreshoch von 159,30 Franken am Wochenanfang denn auch wieder über zehn Prozent an Börsenwert.

Erholung nach dem Horrorjahr 2008

Die Swiss Life verdient ihr Geld mit Lebensversicherungen und ist in der Schweiz, Deutschland und Frankreich aktiv. 2008 geriet zum Horrorjahr für die Schweizer. Die Finanzkrise schlug massiv auf die Kapitalanlagen durch und die Milliardenübernahme des Finanzdienstleisters AWD aus Hannover erwies sich als schwer verdaulich. Das Unternehmen verbuchte einen Vorsteuerverlust von 1,2 Mrd. Franken. Der Aktienkurs stürzte von rund 280 auf fast 40 Franken ab.

Mittlerweile hat sich Swiss Life wieder stabilisiert, bringt AWD auf Kurs und drückt die Kosten. Außerdem will das Unternehmen mit neuartigen Produkten punkten, die den Kunden höhere Renditen versprechen, wenn die Märkte gut laufen. Diese Policen werfen für den Anbieter höhere Profite ab. Die Analysten erwarten wieder deutlich steigende Gewinne. So hat sich der Aktienkurs vom Tiefpunkt vor knapp einem Jahr bis zum Jahreshoch vor einer Woche vervierfacht.

Insofern wäre nun nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt, das Unternehmen zu kaufen. Den Spekulationen zufolge wurde der Preis auf rund 5,5 Mrd. Franken (3,7 Mrd. Euro) veranschlagt. Analysten halten eine solche Transaktion für unwahrscheinlich. Mit dieser Einschätzung stuften etwa die Deutsche-Bank-Analysten die Swiss-Life-Aktie von „kaufen“ auf „halten“ zurück. Die JP-Morgan-Experten gingen mit der gleichen Begründung sogar auf „untergewichten“. Eine Übernahme würde den Spielraum des Münchener Versicherungsriesen für wirklich lukrative Deals zu stark einschränken, argumentieren sie. Zudem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn höher als die Konkurrenz bewertet.

So urteilt Commerzbank-Analyst-Roland Pfänder: „Die Allianz ist auf den Märkten von Swiss Life schon ausreichend stark vertreten und hätte eine solche Übernahme nicht nötig.“ Zukäufe in wachstumsstarken Schwellenländern seien attraktiver. Allerdings hätten auch die Konkurrenten diese Märkte im Blick. Insofern wäre eine Swiss-Life-Übernahme nur als zweitbeste Lösung denkbar.

Großaktionär Talanx als Hindernis

Und eine Übernahme der Swiss Life birgt einige Fußangeln. Da wäre zum Beispiel die Stimmrechtsbegrenzung auf zehn Prozent. Die könnte nur die Hauptversammlung mit Zwei-Drittel-Mehrheit kippen. Einer feindlichen Übernahme wäre somit ein Riegel vorgeschoben. Und schließlich gibt es da noch einen Großaktionär, der gegen Avancen aus München etwas hätte. Der Talanx-Konzern aus Hannover ist mit über neun Prozent an den Schweizern beteiligt – diese beiden Akteure würden schon besser zueinander passen. „Für Talanx hätte das den Charme, in der Lebensversicherung stark zu wachsen, um das Portfolio für den späteren Börsengang abzurunden“, spekuliert Commerzbank-Analyst Pfänder. Talanx als drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe ist vor allem im Schaden- und Unfallgeschäft stark.

Insgesamt erwarten die Fachleute kaum größere Zusammenschlüsse in der europäischen Versicherungswirtschaft. Was heißt das nun für die Swiss-Life-Aktie? WestLB-Analyst Thomas Noack empfiehlt, Gewinne mitzunehmen. Schließlich sind ja auch die aktuellen Geschäftsaussichten für die Lebensversicherer eher mau.

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