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19.03.2006

16:49 Uhr

Technikausrüster

Smartrac sagt Börsengang überraschend ab

Der niederländische Technikausrüster Smartrac hat überraschend seinen für Donnerstag geplanten Börsengang in Frankfurt abgesagt. Als Grund führte Smartrac am Sonntag nicht näher erläuterte Anschuldigungen von nicht genannten Personen gegen die Firma an.

HB FREANKFURT. Seit Beginn der Werbetour bei Investoren am Dienstag seien von bestimmten Personen „gezielt über Medien und in Schreiben negative Behauptungen gegen das Unternehmen und den Vorstandsvorsitzenden erhoben worden“, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Dabei seien auch Zahlungsforderungen gegen die Gesellschaft angedroht worden.

Inhalt und Urheber der Anschuldigungen blieben zunächst unklar. Smartrac teilte lediglich mit, diese Anschuldigungen für ungerechtfertigt zu halten und rechtliche Schritte zu prüfen. Im Interesse eines geordneten Börsengangs habe man sich aber entschieden, die Erstnotierung bis zur Klärung der Anschuldigungen zu verschieben. Einen neuen Termin nannte die Gesellschaft nicht.

Bereits im Emissionsprospekt hatte Smartrac auf Risiken im Zusammenhang mit Patentstreitigkeiten hingewiesen. Der Börsenkandidat hatte 2002 aus der Insolvenzmasse der einst am Neuen Markt gelisteten Amatech 128 Patente erworben. Smartrac-Chef Manfred Rietzler hatte eine Geschäftsführerposition innerhalb der Amatech-Gruppe innegehabt.

Dem Prospekt zufolge wirft ein früherer Aufsichtsrat und Aktionär von AmaTech Rietzler vor, unerlaubterweise Technologie und geistiges Eigentum von Amatech auf Smartrac übertragen zu haben. Obwohl Smartrac diese Anschuldigung für unbegründet halte, sei es möglich, „dass ähnliche Ansprüche von anderen Amatech-AG-Aktionären und/oder Gläubigern gegen Herrn Rietzler oder Smartrac erhoben werden und dass diese in Klageverfahren oder Vergleichsvereinbarungen münden“, heißt es in dem Dokument.

Der Hersteller von Einbauteilen für Kreditkarten und Pässe, die der kontaktlosen Übertragung von Daten dienen, wollte ursprünglich am Wochenende die Preisspanne festlegen. In Finanzkreisen war eine Spanne von 20 bis 24 Euro erwartet worden, was bei bis zu rund fünf Millionen angebotenen Aktien einen Emissionserlös von bis zu rund 120 Millionen Euro bedeutet hätte. Die Zeichnungsfrist sollte von Montag bis Mittwoch laufen, die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse war einen Tag später vorgesehen. Smartrac wäre damit nach Primion der zweite Neuling im am stärksten regulierten deutschen Börsensegment in diesem Jahr gewesen. Den Smartrac-Börsengang begleiten die Deutsche Bank und UBS.

Mit dem Geld aus einer Kapitalerhöhung um bis zu drei Millionen Aktien wollte Smartrac-Chef Rietzler neue Produktionsstätten bauen und sich somit auf die wachsende Verbreitung von Kreditkarten ohne Magnetstreifen und von elektronischen Reisepässen einstellen. Die rund 1100 Mitarbeiter zählende Firma mit Sitz in Amsterdam setzte 2005 rund 25 (Vorjahr: 14,7) Millionen Euro um.

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