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01.04.2016

16:09 Uhr

Tesla-Aktie

Die Hoffnung macht den Kurs

VonJulia Rotenberger

Mit Model 3 will Tesla das Elektroauto massentauglich machen. Die Anleger wollen dem Erfolgsversprechen nur zu gerne glauben. Doch kann die Aktie die Erwartungen erfüllen?

Tesla Model 3

Tesla-Hype: riskante Wette auf die Zukunft?

Tesla Model 3: Tesla-Hype: riskante Wette auf die Zukunft?

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Schon der Name des neuen Tesla-Autos suggeriert: Es soll ein Klassiker werden. Keine umständlichen Buchstaben- oder Zahlenkombinationen. Einfach Model 3. Damit will der Chef des kalifornischen Elektroauto-Bauers, Elon Musk, das schaffen, was Volkswagen einst mit dem Käfer und Ford mit Model T gelungen ist: eine Revolution des Autofahrens.

Ähnlich wie die beiden Konzerne damals holt Musk ein Luxusgut aus dem Nischen- in den Massenmarkt. Rund 35.000 Dollar soll Model 3 kosten, gerade einmal so viel wie ein VW-Passat. Die beiden vorherigen Modelle, Tesla S und Tesla X, haben mit rund 70.000 Dollar fast das Doppelte gekostet und waren damit für viele unerschwinglich.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Während der Präsentation von Model 3 umgarnten die Fans Musk wie einen Rockstar. Rund 115.000 Kunden sollen das Model 3 schon jetzt vorbestellt haben und das, obwohl die Produktion erst 2017 anlaufen soll. Seine Produktion will Tesla verzehnfachen: Liefen im vergangenen Jahr noch 50.000 Autos über das Band, sollen es schon im Jahr 2020 500.000 jährlich werden. Der Aktienkurs stieg zum Handelsbeginn um mehr als 5 Prozent auf 242 Dollar.

Auch Branchenanalysten setzen ihre Hoffnungen auf das Produkt: Leute, die Schlange stehen, um ein Auto vorzubestellen, das erst in mehr als einem Jahr zu haben ist, seien ein Novum für die Branche, sagt zum Beispiel Analystin Jessica Caldwell von Edmunds.com. Die Analysten von Credit Suisse erwarten eine „überdurchschnittliche Kursentwicklung” der Tesla-Aktie.

Doch was bedeutet das für die Anleger? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte Musks Vorpreschen auf den Massenmarkt ihre Fantasie weiter beflügeln. Die Anleger haben dem Automobilbauer aus dem Silicon Valley schon immer viel zugetraut: Als Tesla 2010 an die Börse ging, lag der Ausgabepreis der Aktie bei gerade einmal 17 Dollar.

Zum Vergleich: Einen Tag vor der Präsentation von Model am 31. März kostete ein Tesla-Papier rund 230 Dollar – der Kurs hat sich also mehr als versiebenfacht. Und das, obwohl Tesla wiederholt rote Zahlen schreibt. Wegen hoher Investitionen schrieb der Autobauer im vierten Quartal 2015 einen Verlust von 320 Millionen Dollar. Immerhin steigerte Tesla auch seinen Umsatz um 27 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar.

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