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21.04.2015

10:18 Uhr

Teuerste Bank-Aktie der Welt

Investoren zahlen für saubere Bücher drauf

Nach den Skandalen vergangener Jahre wollen Investoren solides Wachstum und tadellose Bilanzen im Bankensektor sehen. Eine indische Bank bietet genau das. Doch nicht jeder darf ihre Aktien kaufen.

Von Indiens wachsender Wirtschaft profitiert auch der Bankensektor. Die Aktien der Geldhäuser sind auch bei internationalen Investoren heiß begehrt. dpa

Indien

Von Indiens wachsender Wirtschaft profitiert auch der Bankensektor. Die Aktien der Geldhäuser sind auch bei internationalen Investoren heiß begehrt.

MumbaiWer in den Bankensektor investieren möchte, muss vorsichtig sein. Schließlich hielten die internationalen Großbanken für ihre Anleger in den vergangenen Jahren so manchen Skandal bereit. Die Sehnsucht nach sauberen Büchern ist groß. So groß, dass internationale Investoren offenbar bereit sind, zweistellige Aufschläge auf Bank-Aktien zu zahlen, die ihnen das versprechen.

Der Hoffnungsträger: HDFC Bank. Die Aktien des indischen Geldinstituts werden derzeit so teuer gehandelt wie keine andere der größten Banken in der Welt. Um sie zu bekommen, sind internationale Investoren sogar bereit, einen Rekord- Aufschlag von rund 21 Prozent für die Papiere zu zahlen - verglichen mit dem lokalen Kurs.

Indien in Zahlen

Bruttoinlandsprodukt

1,877 Milliarden US-Dollar: Indien gehört neben Russland und China zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2013/2014 laut Auswärtigem Amt bei 1.229 US-Dollar.

Wirtschaftswachstum

6,8 Prozent im Jahr 2014: Die Wirtschaft ist weitgehend liberalisiert und das Wachstum seit Jahren auf recht hohem Niveau. Der Export stieg im Jahr 2012 um 20 Prozent.

Handelsvolumen mit Deutschland

16.1 Milliarden Euro: Die Bundesrepublik ist der wichtigste Handelspartner Indiens innerhalb der EU. Der deutsche Handelsüberschuss lag 2012/13 bei 3,4 Milliarden Euro. Der Warenwert der Exporte nach Deutschland lag bei gut 9 Milliarden.

Kredite

1 Milliarde Euro Kredit kamen im Jahr 2013 allein aus Deutschland. Vorgesehen sind sie für Investitionen in erneuerbare Energien und andere nachhaltige Projekte der Energieeffizienz.

Migration

3.000 zu 45.000: Laut Auswärtigem Amt sind ca. 3.000 Deutsche in Indien ansässig, arbeiten in der Wirtschaft, im Bildungswesen, in Kultur und Missionen. Deutlich mehr Inder zieht es nach Deutschland; rund 45.000 leben in der BRD.

Einwohner

1,2 Milliarden: Die Gesellschaft höchst gegensätzlich: fortschrittsorientiert und traditionell, arm und reich.

Armut

820 Millionen in Armut: Davon gelten laut Weltbank fast 35 Prozent als absolut arm. Armuts- und Wirtschaftswachstum scheinen in Indien Hand in Hand zu gehen. In keinem anderen Land leben mehr Menschen in absoluter Armut, es sind mehr als in ganz Afrika. Sozialprogramme der Regierung greifen nur bedingt.

Landesfläche

3.287.000 Quadratkilometer: Das entspricht gut neunmal der Fläche Deutschlands.

Grund für den Kauf-Hype ist die immense Geschwindigkeit, mit der die Bank wächst. Seit 1998 hat die HDFC ein jährliches Gewinnwachstum von mindestens 20 Prozent in jedem einzelnen Jahr berichtet. Auf ein solches Ergebnis kommt keine andere der 200 größten Banken der Welt. Analysten glauben, dass das Unternehmen dieses Tempo mindestens bis März 2017 beibehalten wird. Die Bank dürfte nicht zuletzt auch von den Bemühungen von Regierungschef Narendra Modi profitieren, Asiens drittgrößte Volkswirtschaft zu beleben.

Doch hier die Krux: Nicht jeder darf die begehrten Aktien kaufen. Ausländische Investoren können die Aktien der Bank nicht auf dem freien Markt erwerben, weil Indien eine Besitz-Obergrenze 49 Prozent vorschreibt und diese bei den HDFC-Papieren bereits ausgeschöpft wurde. Deshalb müssen ausländische Anlieger auf Indiens Auslands-Segment ausweichen, auf dem sie nach dem Limit noch aktiv sein können. In diesem Segment wurde die Aktie Anfang April mit einem Aufschlag von rund 21 Prozent gehandelt.

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„Aktien, die ein überzeugendes Wachstums-Profil und eine gute Unternehmenspolitik haben, werden mit einem Aufschlag gehandelt. Und HDFC Bank gehört in diese Kategorie”, erklärt Jonathan Schiessl, Chef für Aktien bei Ashburton Investments. Sein Unternehmen habe sich bereits Aktien an Housing Development Finance, Indiens größter Hypotheken- Bank und Mutter von HDFC, gesichert.

Auch Analyst Jignesh Shial von IDBI glaubt an das Potenzial der indischen Bank: „Ausländer wollen das Allerbeste. Und sie lassen sich von Bewertungen nicht beirren, wenn das Buch attraktiv ist”, sagt er. „Ein jährliches Gewinnwachstum von 30 bis 35 Prozent in den nächsten drei Jahren ist möglich. Falls die Gewinne im diesem Tempo steigen, gibt es Raum für einen Anstieg der Bewertungen.”

Doch HDFC hat nicht nur Fans. Skeptiker sagen, die Papiere seien inzwischen zu teuer geworden. Supreeth Shankarghal, Director beim Hedgefonds QF Assets, mahnt zur Vorsicht. Er glaubt, dass sich die Kursentwicklung wahrscheinlich abflachen wird, nachdem sich die Bewertungen erhöht haben. Die Bank ist mehr als viermal so teuer wie der Bloomberg World Banks Index - nahezu die größte Differenz seit Beginn der Berechnungen.

„Man sollte keine HDFC-Aktien kaufen, wenn man nicht für lange Zeit an Bord bleiben wird”, sagt der Hedgefonds-Manager.

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