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20.01.2010

09:13 Uhr

Top oder Flop

Analysten uneins über Thyssen-Aktie

VonChristian Schnell

Das Papier von Thyssen-Krupp spaltet die Analystenriege. Einerseits gibt die Deutsche Bank eine Kaufempfehlung. Sal. Oppenheim dagegen sieht den Wert eher skeptisch. Wer auf Grund dieser Einschätzungen handeln will, sollte sich erst über die Weltkonjunktur im Klaren sein.

Beim Papier des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp haben Analysten keine einhellige Meinung. dpa

Beim Papier des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp haben Analysten keine einhellige Meinung.

FRANKFURT. Zwei Faktoren beeinflussten gestern die Aktie von Thyssen-Krupp derart intensiv, dass die nicht wusste, in welche Richtung sie sich letztlich bewegen sollte und am Ende leicht im Minus landete. Zum einen hatte Bastian Synagowitz, Analyst bei der Deutschen Bank, die Aktie ebenso wie die des Konkurrenten Salzgitter zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 25 auf 35 Euro nach oben gesetzt. Das wäre gegenüber dem aktuellen Niveau immerhin ein Plus von mehr als 30 Prozent. Davon konnte die Aktie aber nur kurz profitieren. Denn zum anderen belastete die Nachricht von explodierenden Kosten für einen neuen Hüttenkomplex in Brasilien.

Nun sind beide für die Kursentwicklung gegenläufigen Faktoren nicht ganz neu. Samt dem Kommentar von Synagowitz haben sich in diesem Jahr bereits 17-mal Analysten zu Thyssen geäußert - 13-mal rieten sie zum Kauf. Deswegen kam die Meldung von der Höherstufung einerseits nicht überraschend, andererseits hat die Meinung der Deutschen Bank zu einem Dax-Wert ein besonders hohes Gewicht. Zumal dann, wenn eine erwartete kräftige Erholung der europäischen Stahlproduktion als Begründung dient.

Auch die neuerlichen Probleme beim Stahlhüttenbau in Brasilien sind bei Thyssen-Krupp mittlerweile ein Dauerthema. Früheren Planungen zufolge sollte die Produktion dort schon im vergangenen Jahr anlaufen. Die neuerlichen Mehrkosten, die sich jetzt auf über eine Milliarde Euro belaufen sollen, werten Börsianer als Enttäuschung.

Der "Brasilianische Schmerz" tut besonders weh

Mit dem Titel "Brasilianischer Schmerz" haben Peter Metzger und Ulrich Scholz, beides Analysten beim Bankhaus Sal. Oppenheim, ihr gestriges Statement überschrieben. Beide gehören zu den wenigen pessimistischen Experten gegenüber Thyssen. "Die überschießenden Kosten machen es zunehmend unwahrscheinlich, dass Thyssen-Krupp seine Kapitalkosten bei diesem Projekt verdienen kann", schreiben sie. Zudem sei die Bewertung gerade im Vergleich zu Salzgitter exzessiv hoch.

Wie weit die Meinungen auseinander gehen, verdeutlicht eine Studie von Jeffrey Largey von JP Morgan, der vergangene Woche von einer attraktiven Bewertung im Vergleich zu Konkurrenten sprach. Wer aus den konträren Aussagen seine Schlüsse ziehen will, sollte sich zuerst eine Meinung zur Weltkonjunktur bilden. Glaubt man, dass es mit ihr weiter bergauf geht, dann hat ein zyklischer Wert wie Thyssen gute Chancen. Wenn nicht, dürfte das schwer werden.

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