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17.08.2011

12:27 Uhr

Transaktionssteuer

Merkel und Sarkozy schicken Börsen-Aktie auf Talfahrt

Im Kampf gegen die Euro-Krise feiert eine alte Idee Wiederauferstehung. Frankreich und Deutschland planen eine Finanztransaktionssteuer – für die Deutsche Börse eine Hiobsbotschaft. Die Aktie rauscht in die Tiefe.

Die heftigen Schwankungen an der Börse halten an. Heute erwischt es vor allem die Aktie der Deutschen Börse selbst. Quelle: dpa

Die heftigen Schwankungen an der Börse halten an. Heute erwischt es vor allem die Aktie der Deutschen Börse selbst.

DüsseldorfDie Gedankenspiele zur Einführung einer europäischen Steuer auf Finanztransaktionen haben die Aktie der Deutschen Börse am Mittwoch schwer belastet. Im Frankfurter Handel gaben die Papiere um mehr als sieben Prozent nach und rutschten zeitweise unter 40 Euro. Am Vorabend war in New York bereits der Aktienkurs des Fusionspartners Nyse Euronext um 8,4 Prozent eingebrochen.

Auf ihrem Treffen zur Euro-Krise hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy darauf verständigt, die Einführung einer Transaktionsgeschäfte auf Finanzgeschäfte in der Euro-Zone voranzutreiben. Die Finanzminister beider Länder sollten noch im September einen Vorschlag zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer machen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Treffen. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

An der Börse traf die Nachricht die Aktien von Banken, vor allem aber die der Börsenbetreiber. Ihnen drohen im Fall einer Besteuerung von Finanz-Transaktionen deutlich rückläufige Umsätze. Analyst Arnaud Giblat von der UBS wertet den deutsch-französischen Vorschlag als Bedrohung für die Börsenbetreiber. In Schweden habe eine solche Steuer in den 1990-er Jahren zu einem Rückgang des Handelsvolumens um 85 Prozent
geführt, schreibt er in einer aktuellen Studie.

Andere Börsianer zeigten sich gelassener. Eine Steuer auf Finanztransaktionen sei in den vergangenen Jahren schon mehrfach diskutiert, allerdings nie realisiert worden. Als Haupthindernis für eine Einführung gilt die ablehnende Haltung der britischen Regierung zu einer derartigen Abgabe. Eine einseitige Einführung in der Euro-Zone würde die regionalen Börsenbetreiber gegenüber der Londoner Börse entscheidend benachteiligen.

„Wir bezweifeln, dass eine Finanztransaktionssteuer in der Eurozone eingeführt wird“, schrieben die Analysten von Silvia Quandt Research. „Sie würde die örtliche
Finanzindustrie schädigen ohne irgendetwas Gutes zu bewirken.“

Die Deutsche Börse untermauerte am Vormittag ihre früher geäußerte Ablehnung einer Finanztraktionssteuer. Man könne grundsätzlich "die politische Motivation nachvollziehen, die Finanzbranche an den Kosten der Krise zu beteiligen". Allerdings sei eine Finanztransaktionssteuer nicht geeignet, die Sicherheit und Integrität der Finanzmärkt zu steigen, hieß es in einer offiziellen Reaktion des Konzerns. "Eine solche Steuer schafft Anreize, noch stärker als bisher in die Nischen auszuweichen, die von dieser Steuer nicht erfasst sind." Sie wäre insofern "ein Geschenk an die unregulierten Finanzplätze und Finanzprodukte dieser Welt".

Die Deutsche Börse erzielt Schätzungen zufolge rund 80 Prozent ihrer Handelserlöse an europäischen Märkten, beim Fusionspartner Nyse Euronext stammt etwa ein Drittel der Erlöse aus Europa.

Eine Transaktionssteuer würde vor allem den Hochfrequenz-Handel beeinträchtigen, schrieb DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr in einem Kommentar. Dabei kaufen und verkaufen Computerprogramme auf Basis komplizierter Formeln Wertpapiere innerhalb eines Wimpernschlags. Pro Sekunde kommen leicht mehrere Tausend Orders zusammen, daher spielen die Kosten pro Wertpapier-Transaktion eine wichtige Rolle. „Mehr als 40 Prozent der Umsätze im Xetra-Orderbuch geht auf das Konto des Hochfrequenz-Handels“, führte Dürr weiter aus. Da Xetra aber nur 13 Prozent der Umsätze der Deutschen Börse ausmache, wären die Belastungen voraussichtlich gering.

Kommentare (14)

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17.08.2011, 10:15 Uhr

wenn man tgl. einen 4-stelligen euro-betrag im schnitt verdient, würden mich auch (theoretische) peanuts-fat-cents nicht jucken.

Pendler

17.08.2011, 10:15 Uhr

Kommt die Transaktionssteuer, wird das Geld einfach ins EU-Ausland transferiert. Was ist heute einfacher, als sich von Märkten abzuwenden, wo man nicht willkommen ist.

Die ausländischen Märkte warten schon darauf.

Account gelöscht!

17.08.2011, 10:35 Uhr

Steuern, Steuern, Steuern und noch mehr Bürokratie.

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