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14.11.2014

10:02 Uhr

Twitter ändert seine Strategie

Neue Funktionen befeuern Twitter-Aktie

Twitter hinkt den Erwartungen der Investoren hinterher. Jetzt sollen neue Funktionen vor allem neue Nutzer anziehen. An der Börse wird die Strategie gefeiert. Die Twitter-Aktie notiert ordentlich im Plus.

Twitter will mit erweiterten Funktionen neue Kunden gewinnen. Die Gunst der Aktionäre hat der Nachrichtendienst damit bereits gewonnen. dpa

Twitter will mit erweiterten Funktionen neue Kunden gewinnen. Die Gunst der Aktionäre hat der Nachrichtendienst damit bereits gewonnen.

San Francisco/ChicagoDie Ratingagentur Standard & Poor's hat eine Milliarden-Anleihe von Twitter auf Ramsch-Niveau bewertet. Die Kreditwächter gaben den Verbindlichkeiten des Kurznachrichtendienstes am Donnerstag die Bonitätsnote „BB-“. Damit liegt die Kreditwürdigkeit im sogenannten Ramsch-Bereich, mit dem Ratingunternehmen spekulative Anlagen kennzeichnen. Die Bewertung der Anleihe beeindruckte auch die Börsianer: Die Twitter-Aktie fiel am Donnerstag um fast sechs Prozent. Der Ausblick für das Rating ist allerdings stabil, so dass zunächst keine Abstufungen drohen.

S&P-Analyst Andy Liu warnte, Twitter investiere „sehr aggressiv“ in Wachstum. Bis das Unternehmen seinen Schuldendienst mit Erträgen aus dem operativen Geschäft stemmen könne, dürfte es jedoch noch bis 2016 dauern. Twitter hatte im September seine erste Anleihe aufgelegt und damit 1,8 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt. Die Nachfrage nach den festverzinslichen Papieren war hoch. Die Aktien von Twitter verloren seit Jahresbeginn fast 40 Prozent an Wert.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Twitter hatte zuletzt mit einem weiteren hohen Quartalsverlust und mäßigem Wachstum der Nutzerzahlen enttäuscht. Am Mittwoch versprach das Management diverse Neuerungen, um den Dienst zu verbessern, Neueinsteigern den Zugang zu erleichtern und damit das Wachstumstempo anzukurbeln. Die Aktie war daraufhin zunächst um acht Prozent hochgesprungen.

S&P errechnet Kreditratings bei Anleihen ab einer Milliarde Dollar. Die Bonitätsnote „BB-“ ist nicht ungewöhnlich oder dramatisch: S&P hatte sie etwa 2011 auch dem Online-Videodienst Netflix gegeben, der sich seitdem stark entwickelt hat. Zugleich schränkt eine solche Bewertung Geschäfte mit Schuldpapieren eines Unternehmens stark ein: Viele große Player auf dem Markt dürfen grundsätzlich nicht in Anleihen mit Ramsch-Rating investieren.

S&P betonte zugleich, dass die Ratingagentur mit einem schnellen Wachstum von Twitter rechne und verwies auf die Finanzreserven von 3,6 Milliarden Dollar.

Von

dpa

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