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21.03.2011

15:04 Uhr

Umschuldungspläne

Pfleiderer-Anleger nutzen Kurserholung zum Ausstieg

Wegen hoher Kursverluste musste der Holzverarbeiter Pfleiderer seinen Platz im SDax räumen. Und am Tag eins nach dem Abstieg geht es weiter abwärts. Die leichte Erholung der vergangenen Woche nutzen Anleger zum Ausstieg.

Zentrale des Holzverarbeiters Pfleiderer in Neumarkt: Das Unternehmen steht vor einer Umschuldung. Quelle: dpa

Zentrale des Holzverarbeiters Pfleiderer in Neumarkt: Das Unternehmen steht vor einer Umschuldung.

DüsseldorfDie Insolvenz ist abgewendet – doch das Vertrauen der Anleger währte nur kurz. Nach einem massiven Kurssprung am vergangenen Freitag, ging es für die Aktie des Holzverarbeiters Pfleiderer zu Wochenbeginn wieder deutlich abwärts. Während die Masse der deutschen Aktien am Montag kräftig zulegte, verloren Pfleiderer-Papiere mehr als sechs Prozent auf 1,83 Euro.

In der vergangenen Woche hatte die Pfleiderer-Aktie, die nach jahrelangen Kursverlusten heute ihren Platz im SDax räumen musste, noch gegen den Trend deutlich zugelegt. Unter dem Strich stand ein Plus von mehr als 22 Prozent, allein am Freitag stieg der Kurs um gut elf Prozent.

Auslöser für den Kurssprung war die Nachricht, dass sich der finanziell angeschlagene Konzern mit seinen Gläubigern auf ein Restrukturierungs- und Finanzkonzept geeinigt hat. Damit ist eine Insolvenz erst mal vom Tisch. Banken und Hedge-Fonds wollen dem Unternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz rund 40 Prozent seiner vorrangigen Verbindlichkeiten von rund 800 Millionen Euro erlassen. Zudem erhält Pfleiderer weitere Kredite von 100 Millionen Euro.

Aus dem Schneider ist Pfleiderer damit aber noch lange nicht, das Unternehmen erhält nur einen Aufschub. Am 7. April muss sich Vorstandschef Hans Overdiek auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gegenüber den Aktionären verantworten. Dass es turbulent zugehen wird, ist gewiss. Denn Pfleiderer hat durch eine riskante Expansion und hohe Verluste fast sein gesamtes Eigenkapital verbraucht. Allein 2010 soll ein Verlust von 300 Millionen Euro aufgelaufen sein – bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Für die Altaktionäre, die seit 2007 mehr als 90 Prozent Kursverlust hinnehmen mussten, sind weitere Schmerzen wohl unausweichlich. Mittels einer Kapitalerhöhung soll der Konzern nach seiner Entschuldung wieder auf die Beine gestellt werden. Der Wert der Altaktien droht damit weiter zu verwässern. Dafür halten Hedge-Fonds Einzug: Die Investoren Strategic Value Partners (SVP), TPG Credit und Centerbridge haben bereits Interesse bekundet, sich an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Die Mitarbeiter von Pfleiderer fürchten nun eine Zerschlagung.

Der Ausgang des Krimis in der Oberpfalz ist vollkommen offen. Für Anleger scheint die Lage dagegen klar: Wer keinen Hang zu Zocken hat, sollte die Papiere dringend meiden. Das sehen auch Analysten so: Am Montag untermauerten die Analysten von Independent Research und DZ Bank ihre Verkaufsempfehlungen für Pfleiderer-Aktien.

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