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02.07.2013

16:45 Uhr

Ungeduldige Anleger

Commerzbank-Aktie im Abwärtsstrudel

VonKatharina Schneider

Die Aktien des Finanzinstituts haben ein neues Rekordtief erreicht. Weder der Schrumpfkurs noch die Kapitalerhöhung scheinen die Anleger von der Qualität der Papiere zu überzeugen.

Das Vertrauen der Anleger in die Bankpapiere schwindet. Reuters

Das Vertrauen der Anleger in die Bankpapiere schwindet.

DüsseldorfDie Aktie der Commerzbank kennt aktuell nur eine Richtung: abwärts. Am Dienstag büßten die Papiere erneut mehr als vier Prozent ein. Im Tagesverlauf erzielten sie mit 6,14 Euro sogar einen neuen Negativrekord – so billig waren die Commerzbank-Aktien noch nie. Grund für den Abstieg sind offenbar die Zweifel an der Zukunft der Bank.

Noch Ende Juni hatte die Commerzbank ihr Kapital um 2,5 Milliarden aufgestockt. Damit hat sie auch ihr Eigenkapital gestärkt, doch die Aktionäre scheint das nicht zu beeindrucken Auch der Schrumpfkurs bringt nicht den gewünschten Optimismus und stößt bei den Analysten auf unterschiedliche Meinungen. Die Ankündigung, rund 5.200 Stellen zu streichen, wertete Dirk Becker, Analyst bei Kepler als Zeichen von Schwäche. Seine Empfehlung: verkaufen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.


Philipp Häßler von der Investmentbank Equinet fand dagegen zuletzt positive Worte. Dass die Bank neben ihren Schiffskrediten auch versuche, ein Portfolio mit Immobilienkrediten in Großbritannien zu verkaufen, sei beachtenswert. Bei einem vernünftigen Preis dürfte dies die Bilanzsituation der Bank deutlich entspannen. Insgesamt sei der jüngste Kursrückgang der Aktie nicht gerechtfertigt, so Häßler und riet zum Kauf der Papiere.

Sorgen bereiten den Anlegern auch Gerüchte um einen möglichen Ausschluss der Commerzbank aus dem Dax, denn im September steht die nächste Indexüberprüfung an. Ungewiss ist auch die Zukunft des Vorstandschefs Martin Blessing. Vor der Bundestagswahl im September wird aber keine Entscheidung erwartet.

Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um knapp 40 Prozent gesunken, in den vergangenen fünf Jahren sank der Kurs um mehr als 90 Prozent.

Mit Material von dpa.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

02.07.2013, 17:00 Uhr

Solange Herr Blessing im Vorstand der COBA ist, wird sich am Kurs der Aktie nicht ändern. Herr Blessing ist groß im Ankündigen von Veränderungen aber was hat er denn für den Kurs der Aktie in seiner Amtszeit getan? Laßt endlich jemanden ans Ruder der nicht nur einen erfolgreichen Vater hatte, sondern jemanden, der selbst für Erfolg steht. Mit ihm wird es nicht besser.

Insider

02.07.2013, 17:16 Uhr

Was den für eine Qualität? Es handelt sich um ein Pleiteladen. Anmerkung an Herrn Philipp Häßler: Der Versuch allein genügt bei weitem nicht. Erst ein erzielter Verkauf wäre, falls überhaupt, erwähnenswert.

Account gelöscht!

02.07.2013, 17:19 Uhr

Also ich finde diese Aktie gut. Man muss nicht auf die DAX-Werte gehen, um den Kurs zu sehen. Entweder ist sie (eher selten) unter Tops oder Flops.

Mir bereitet aber weniger der Aktienkurs Sorgen. Die Commerzbank koennte "abgewickelt" werden, wenn sich kein Kaeufer findet. Mit der neuen Philosophie - nicht ganz Richtig - mit der neuen anstehenden Gesetzgebung ueber Bankenrettung, haette ich da ein sehr schlechtes Gefuehl, meine Ersparnisse dort zu lassen. Zinsen gibt es ja ohnehin kaum. Diese neue Politik widerspricht klar dem Versprechen von Frau Merkel, dass alle Einlagen sicher sind.

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