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21.11.2013

11:46 Uhr

US-Geldpolitik

Dreck kann zu Gold werden

Seit Jahren hält die lockere Geldpolitik der US-Notenbank nun schon an – sie bringt nicht nur Entlastung für die Märkte, sie bringt auch die bekannten Triebkräfte durcheinander. „Bernakecare“ treibt wundersame Blüten.

Schon seit einiger Zeit wird Analysten angesichts der Marktentwicklungen schwindelig – die US-Geldpolitik ist einer der Gründe, warum alte Mechanismen teils nicht mehr greifen. dpa

Schon seit einiger Zeit wird Analysten angesichts der Marktentwicklungen schwindelig – die US-Geldpolitik ist einer der Gründe, warum alte Mechanismen teils nicht mehr greifen.

„Es ist wie bei der Reise nach Jerusalem”, sagt Giannone, der mit seinem Team Aktien für das Portfolio von T3 Trading Group LLC in New York auswählt. „Man will nur sicherstellen, dass man sich am Ende hinsetzen kann.”

Im nächsten Monat jährt es sich bereits zum fünften Mal, dass die Federal Reserve die Leitzinsen auf ein Niveau nahe Null gesenkt hat. Das ist der längste Zeitraum ohne Erhöhungen in der Geschichte. Zusammen mit mehr als 3 Billionen Dollar an Anleihekäufen haben wir „Bernankecare”, sagt Joshua Brown, Chief Executive Officer von Ritholtz Wealth Management in New York.

Dieses Phänomen hat dazu geführt, dass sich einige Bereiche des Marktes seltsam verhalten. Die Kurse von Unternehmen mit schwachen Bilanzen steigen doppelt so stark wie diejenigen von deutlich stärkeren. Kreditnehmer, deren Bonität mit „Ramsch” eingeschätzt wird, erhalten mittlerweile Darlehen zu Zinsen, die niedriger sind als die von Investment-Grade-Schuldnern vor der Kreditkrise. Und Börsenneulinge verdoppeln ihren Kurs am ersten Handelstag.

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Auch wenn sie noch in der Minderheit sind, warnen einige Investoren bereits davor, dass die Kurse so stark geklettert sind, dass das bittere Ende bereits absehbar sei. Im Interview mit Bloomberg Television erklärte Laurence Fink, der Konzernchef von BlackRock Inc., vor einiger Zeit, er fürchte eine Blasenbildung. Er forderte die Fed auf, aus ihrem Bondkauf- Programm auszusteigen. „Irgendwann werden wir den Preis dafür zahlen müssen”, sagt Michael Shaoul, Vorstandschef von Marketfield Asset Management LLC in New York. Er warnt unter anderem vor „höherer Inflation, steigenden Zinsen und deutlich schwierigeren Geschäftsbedingungen”. Aber damit habe es noch eine Weile Zeit. „Ich wäre sehr erstaunt, wenn dieser Bullenmarkt weniger als 18 Monate anhalten würde – vielleicht hält er sogar 36.”

Der Standard & Poor's 500 Index ist in diesem Jahr um 26 Prozent hochgeschnellt und steuert auf sein stärkstes Jahresplus in einem Jahrzehnt zu. Am Aktienmarkt steigt fast alles, und das bereitet Jamie Potkul, Chief Investment Officer des Bread & Butter Fund, Sorgen. Etwa 450 der S&P-500-Mitglieder haben in diesem Jahr Gewinne verzeichnet, womit die breiteste Rally seit mindestens zwei Jahrzehnten läuft. Damit bleiben Investoren weniger Kaufgelegenheiten als während der Technologieblase des Jahres 2000, sagt Potkul.

Gleichzeitig sind die Bewertungen ausgerechnet bei solchen Unternehmen am höchsten, die Schwierigkeiten haben, beständige Gewinne einzufahren. Amazon.com Inc. wird etwa zum 1300-fachen des berichteten Gewinns gehandelt. Netflix Inc. wird mit dem 197-fachen des Gewinns bewertet und bei Consol Energy Inc. beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 104.

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