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28.12.2012

12:15 Uhr

US-Gerichtsverfahren

Klage abgewiesen - Porsche-Aktie rast davon

Die Entscheidung klang sperrig: Aus formalen Gründen können Hedgefonds vor einem New Yorker Gericht keinen Schadenersatz gegen Porsche geltend machen. Für die Anleger ist die Meldung aber Musik in den Ohren.

Ein Porsche-Rennwagen bei einer Trainingsfahrt. dapd

Ein Porsche-Rennwagen bei einer Trainingsfahrt.

FrankfurtDie Aktie der Porsche Automobil Holding SE ist auf den höchsten Wert seit beinahe zwei Jahren gestiegen. Zuvor hatte ein US-Berufungsgericht entschieden, dass New York nicht der richtige Ort für Hedgefonds sei, um den deutschen Autobauer bezüglich seiner Strategie bei der geplanten Übernahme der Volkswagen AG zu verklagen, und die Klage abgewiesen.

Es gebe eine „unzureichende Verbindung“ zwischen New York und den Vorkommnissen in dem Fall, da lediglich E-Mails und Telefongespräche vor Ort stattgefunden hätten, wie das Berufungsgericht am späten Donnerstag entschied. Die Porsche- Aktie gewann daraufhin in Frankfurt bis zu 7,4 Prozent auf 62,37 Euro, der höchste Wert sei 19. Januar 2011.

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Porsche hatte sich im November an das Berufungsgericht gewandt, nachdem ein anderes Gericht den Antrag auf Abweisung der Klage von 26 Hedgefonds aus dem Jahr 2011 abgewiesen hatte. Unter den Klägern befindet sich auch Greenlight Capital Inc., der Fonds von David Einhorn.

Die Hedgefonds hatten darauf gewettet, dass der Kurs von Volkswagen fallen würde. Sie warfen Porsche vor, Investoren in die Irre geführt zu haben, da der Sportwagenhersteller einen Großteil des Jahres 2008 betont hatte, nicht die Übernahme von VW anzustreben. Stattdessen seien jedoch manipulative Transaktionen durchgeführt und die Aktienpositionen verborgen worden.

Wegweiser durchs Klagedickicht bei Porsche/VW

Landgericht Braunschweig

Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, sollten 2013 verhandelt werden.

Eine Klage verwies das Landgericht im Juni 2013 an das Kartellgericht in Hannover, da die Kläger argumentiert hatten, Porsche habe mit einer Bank ein Kartell gebildet, um den Markt für die VW-Stammaktien zu kontrollieren.

Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

USA

Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wurde darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hatte die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt – im März 2013 zogen einige Kläger die Berufung zurück. Auch vor einem New Yorker Gericht standen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, in zweiter Instanz wurde die Klage allerdings abgewiesen.

Stuttgart 1

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten. Härter wurde Anfang Juni 2013 zu einer Strafe in Höhe von 630.000 Euro verurteilt, kündigte aber Revision an.

Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.

Stuttgart 2

Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.

Die Kläger forderten mehr als 1 Mrd. Dollar Schadensersatz. Gegen Porsche laufen in dem Fall auch Klagen in Europa.

„Wir stellen fest, dass diese Verbindungen keine wichtige Verknüpfung mit New York herstellen, nachdem die zugrundeliegenden Transaktionen ansonsten ausschließlich in einem anderen Rechtsraum stattgefunden haben“, heißt es in der Begründung des Berufungsgerichts.

„Dies ist ein wichtiger Sieg für Porsche. Das Berufungsgericht hat eindeutig entschieden, dass der Fall nicht vor ein Gericht des Staates New York gehört“, sagte Robert Giuffra, ein Anwalt für Porsche bei der Kanzlei Sullivan & Cromwell LLP, in einer Stellungnahme. James B. Heaton, ein Anwalt der Kläger, wollte zu der Entscheidung nicht Stellung beziehen.

Um 10.50 Uhr war die Aktie 6,3 Prozent im Plus, womit der Sportwagenhersteller auf eine Marktkapitalisierung von 18,9 Mrd. Euro kommt. Das Handelsvolumen betrug zu diesem Zeitpunkt 183 Prozent des Tagesdurchschnitts der vergangenen drei Monate.

Die Übernahmeschlacht von VW und Porsche

September 2005

Porsche kündigt an, beim weitaus größeren VW-Konzern einsteigen zu wollen. Zunächst ist von rund 20 Prozent der Aktien die Rede, im Laufe des Jahres 2006 wird der Anteil aufgestockt. Porsche will Zugriff auf die Kasse von VW und die Entwicklungsleistungen bekommen.

August 2006

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht sich dafür aus, das VW-Gesetz zu kippen. Dieses räumt Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile besitzt, eine Sperrminorität ein. Bei den VW-Beschäftigten, die Porsches Einstieg zunächst begrüßt hatten, stößt Wiedeking auf Ablehnung.

April 2007

Porsche überspringt bei VW die Hürde von 30 Prozent und legt ein Pflichtangebot vor, das auf wenig Resonanz stößt.

März 2008

Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht, den VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufzustocken und damit Europas größten Autobauer zu einer Tochter von Porsche zu machen. Die Absicht zur Beherrschung dementiert Porsche.

Mai 2008

Nach jahrelangem Streit mit der EU bringt die Bundesregierung ein neues VW-Gesetz auf den Weg, das Einwände der EU ausräumen soll. Niedersachsen erhält jedoch weiter ein Vetorecht, zudem kann die Arbeitnehmerseite Entscheidungen über Werksstandorte blockieren. Der Streit dauert an.

Oktober 2008

Der Paukenschlag: Porsche teilt mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der VW-Anteile gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wird für 2009 angekündigt. Die VW-Aktie schießt auf mehr 1000 Euro hoch: Hedge-Fonds, die beim Handel mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssen die Papiere nun um jeden Preis zurückkaufen und setzen dabei mehrere Milliarden Euro in den Sand.

Januar 2009

Mit 50,76 Prozent der Anteile hat Porsche die Mehrheit an VW. Den Kauf dieser Anteile hat die Stuttgarter 23 Milliarden Euro gekostet.

April 2009

Wegen seiner Schuldenlast muss Porsche um die VW-Übernahme bangen. Für die Nettoschulden von fast zehn Milliarden Euro werden hohe Zinsen fällig, die Autokrise sorgt für Druck.

Mai 2009

Die Porsche-Eigentümerfamilien Piech und Porsche sind zerstritten, Porsche-Chef Wiedeking sucht mit dem Emirat Katar einen Verbündeten, der später tatsächlich Stammaktien übernimmt und frisches Geld zuschießt.

Juni 2009

Porsche scheitert mit einem Antrag bei der Staatsbank KfW auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro.

Juli 2009

Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum 23. Juli setzt der Aufsichtsrat von Porsche Firmenboss Wiedeking und Finanzchef Holger Härter vor die Tür. Die Porsche Holding soll mit einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro am Leben erhalten werden, VW schießt mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts frisches Geld zu. Ein Fusionsfahrplan wird ausgearbeitet: Bis Ende 2011 wollen beide Konzerne per Aktientausch mit einander verschmelzen.

September 2009

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Finanzchef Härter ins Visier: Sie sollen den Börsenhandel mit gezielten Falschinformationen manipuliert haben. Die Ermittlungen sind Anlass für zahlreiche Investoren in Deutschland und den USA, milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche anzustrengen.

Dezember 2009

VW erhöht das Kapital für die Übernahme von gut der Hälfte der Porsche AG. Die Vorzugsaktionäre laufen Sturm, können sich aber nicht durchsetzen. Porsche verliert damit die alleinige Kontrolle über das lukrative Fahrzeuggeschäft.

November 2010

Porsche beschließt die bereits 2009 anvisierte Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, um die Schulden zu reduzieren und damit eine Voraussetzung für Fusion mit VW zu schaffen, bei der mit einer Steuerlast von gut einer Milliarde Euro gerechnet wird.

September 2011

VW begräbt die Fusionspläne, da den Wolfsburgern das finanzielle Risiko der vielen Schadenersatzklagen gegen die Porsche Holding zu hoch erscheint. Als Plan B verfolgen die Unternehmen nun die bereits 2009 verabredete Alternative, dass Porsche sich in eine Holding ohne operatives Geschäft umwandelt und die Fahrzeug-Entwicklung und Produktion ganz in die Hände von VW legt. Erstmals wäre diese Transaktion, die die Holding ebenfalls entschulden würde, ab Ende 2012 möglich. Allerdings drohen bis Mitte 2014 Steuerzahlungen.

November 2011

VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch lotet Alternativen für einen Schulterschluss mit Porsche aus und sucht nach Möglichkeiten, die Steuerlast zu drücken.

Februar 2012

Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsrat Piëch hat einem Urteil des OLG Stuttgart zufolge bei den umstrittenen VW-Optionsgeschäften von Porsche gegen seine "Kardinalpflichten" als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten.

März 2012

VW-Finanzvorstand Pötsch dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Integration mit Porsche. Die Experten steckten noch mitten in der Prüfung, wie sich ein Zusammenschluss schnell und günstig realisieren lasse. Garantiert steuerfrei wäre die Übernahme erst ab August 2014.

Juni 2012

VW und Porsche entdecken ein Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen, durch das sie Porsche übernehmen können, ohne Steuern in Milliardenhöhe zu zahlen. Nun soll das Zusammengehen so schnell wie möglich realisiert werden. Porsche erringt vor Gericht einen Etappensieg gegen zwei auf millionenschweren Schadenersatz klagende Anteilseigner. Der Richter konstatiert "hohe Hürden" für den Vorwurf, Porsche habe die Anleger über die Absicht zur Beherrschung von VW im Jahr 2008 getäuscht.

Juli 2012

VW und Porsche kündigen überraschend an, schon zum 1. August zusammenzugehen. Die Porsche Holding bekommt rund 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie, damit geht der fast Fiskus leer aus.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.12.2012, 14:22 Uhr

Greife nie in ein fallendes Messer! Genau das haben die Amis aber gemacht mit dem shorten der VW-Aktie. Sie haben übersehen, daß der Markt immer enger werden MUSSTE, da der free float rapide abnahm. Wer einen solchen Poker spielt, muß eben auch die Folgen tragen, wenn es schief läuft.
Eigentlich muß man sagen, geschieht ihnen gerade recht.
Und wie es jetzt aussieht, stehen sie wieder auf dem falschen Fuß, da sie auf Prozessgewinn gesetzt haben und Porsche geshortet haben.
Das ganze ist ein Lehrstück über die Tücken und Gesetze der Börse. Das ist nie und nimmer justiziabel, da hilft nur, sich an den eigenen Ohren zu nehmen.

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