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16.01.2007

16:55 Uhr

US-Titel werden attraktiver

Europas Aktien verlieren Vorsprung

VonUlf Sommer

Wer die Wahl zwischen amerikanischen und europäischen Aktien hat, bekommt seit Jahr und Tag den gleichen Rat: "US-Aktien zu teuer. Auf Europa setzen." Damit ist es vorbei. Europäische Titel bleiben zwar attraktiv, amerikanische sind es inzwischen aber auch. Das zeigt die Bewertung der Aktien an der Börse.

DÜSSELDORF. Der Dow-Jones-Index klettert von einem Allzeithoch zum nächsten, und gerade jetzt soll die Wall Street interessant werden? Was paradox klingt und als ein typisches "Zu-spät-Kommen" erscheinen mag, erklärt sich mit harten Zahlen. In den vergangenen drei Jahren stiegen die Kurse im maßgeblichen amerikanischen Börsenindex S&P 500 um 25 Prozent. Gleichzeitig legten die Firmengewinne um fast 60 Prozent zu. Dieser Effekt macht die Konzerne und damit die einzelnen Anteilsscheine an der Börse billiger - abzulesen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es reduziert sich kontinuierlich (siehe Chart). Aktuell bewerten Investoren die 500 größten amerikanischen Konzerne durchschnittlich mit dem 15fachen des erwarteten Jahresgewinns. Das ist nach einer langen Phase der Überbewertung etwas weniger als im Mittel der vergangenen Jahrzehnte.

"Die Bewertung ist historisch betrachtet nicht hoch", sagt Aktienstratege Niall Mac-Leod von der Citigroup. Die Großbank sieht den S&P 500 Ende des Jahres bei 1 500 Punkten. Das wäre gegenüber dem aktuellen Niveau ein Plus von fünf Prozent. Damit würde die Bewertung noch ein wenig sinken, denn die Firmengewinne wachsen nach der Prognose von Investmentstrategen 2007 um neun Prozent. Geht das Szenario auf, wären US-Aktien also erst recht attraktiv. Citigroup-Experte Tobias Levkovich bezeichnet die Prognose seiner Bank zudem als ein "konservatives Szenario".

Ähnlich sind die Voraussetzungen in Europa. Unterschied ist nur, dass Aktien in der Alten Welt schon seit Jahren deutlich preiswerter als im langjährigen Mittel sind. Für die Werte im europäischen Stoxx 50 zahlen Anleger nur den zwölffachen Jahresgewinn. Auf dem Höhepunkt des Booms im Jahr 2000 war es glatt doppelt so viel. Auffällig ist auch hier, dass die Bewertungen in den vergangenen drei Jahren sanken, obwohl die Aktienkurse um 50 Prozent kletterten. Grund ist auch hier, dass die Unternehmensgewinne stärker zulegten.

"Jeder Rückschlag ist eine Kaufgelegenheit, weil die Bewertungen attraktiv sind", sagen die Experten von Goldman Sachs. Auch Morgan Stanley erwartet, dass sich die Hausse fortsetzt. Neben der niedrigen Bewertung sprächen die steigende Zahl an Fusionen und Übernahmen und die wachsenden Unternehmensgewinne für europäische Aktien. "Angesichts der niedrigen Zinsen und damit schlechter Anlagealternativen müssten Aktien eigentlich höher bewertet sein", meint M.M.-Warburg-Spezialist Carsten Klude.

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