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29.04.2013

23:32 Uhr

Verkauf von RTL-Aktien

Bertelsmann nimmt 1,4 Milliarden Euro ein

Nicht glanzvoll, aber solide: Der Preis der RTL-Group-Aktie, der sich nach der Angebotsphase ergeben hat, liegt am unteren Ende der Spanne, die Bertelsmann erhofft hatte.

Bertelsmann aus Gütersloh kann sich über einen Milliardenerlös freuen. dapd

Bertelsmann aus Gütersloh kann sich über einen Milliardenerlös freuen.

GüterslohDer Medienkonzern Bertelsmann verkauft für rund 1,4 Milliarden Euro Aktien der RTL Group. Der Verkaufspreis sei am Montag auf 55,50 Euro je Aktie festgelegt worden, teilte der Konzern am Abend mit. Er liegt damit am unteren Ende der Preisspanne von 54 bis 62 Euro, die Bertelsmann Mitte April genannt hatte. Bislang hielt der Konzern mehr als 92 Prozent der Aktien. Jetzt wird ein Paket von 25,5 Millionen Aktien verkauft, das sind gut 17 Prozent. Bertelsmann bleibt mit 75,1 Prozent weiterhin Mehrheitsaktionär.

An diesem Dienstag wird die Aktie erstmals im regulierten Handel der Frankfurter Börse notiert sein. Bisher wurde sie dort nur im freien Handel, sowie an den Börsen in Luxemburg und Brüssel gehandelt. Die RTL Group ist der größte Werbefernsehsender Europas. Mit dem Erlös will Bertelsmann Zukunftsprojekte finanzieren. Nach der Platzierung von etwa 24 Prozent der Anteile gilt die RTL Group bei Experten als MDax-Kandidat.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, erklärte: „Die Erlöse aus dem Aktienverkauf werden wir zur Finanzierung unserer Wachstumsstrategie mit den vier Stoßrichtungen Stärkung des Kerngeschäfts, digitale Transformation, Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie regionales Wachstum verwenden.“

Aus Bankenkreisen hieß es, die Aktie sei gut überzeichnet gewesen. Es sei der zweitgrößte Börsengang in Deutschland seit 2007 gewesen. Seit der Ankündigung des Börsengangs Ende Januar hatte die Aktie kräftig an Wert verloren. Der Kurswert sank von fast 76 Euro auf jetzt rund 56,50 Euro.

Im Februar hatte die RTL Group bereits eine Dividende von insgesamt 1,6 Milliarden Euro an Bertelsmann ausgeschüttet. Das war mehr als doppelt soviel, wie im Jahr davor. Zugleich hatte Bertelsmann für die Zukunft die Dividende auf 50 bis 75 Prozent des Nettogewinns begrenzt.

Die größten Medienkonzerne der Welt (nach Umsatz 2012)

Comcast/NBC, LLC

48,7 Milliarden Euro

Google

39,1 Milliarden Euro

Walt Disney

32,9 Milliarden Euro

News Corp.

26,2 Milliarden Euro

Time Warner

22,4 Milliarden Euro

Viacom/CBS Corp.

22,4 Milliarden Euro

Sony Entertainment

16,8 Milliarden Euro

Bertelsmann

16,1 Milliarden Euro

Vivendi

13,3 Milliarden Euro

Dish Network Corp.

11,1 Milliarden Euro

Rang 11 bis 20

Cox Enterprises 10,6 Milliarden Euro

Thomson Reuters 10 Milliarden Euro

Rogers Comm. 9,7 Milliarden Euro

Liberty Media Corp. 9,4 Milliarden Euro

Reed Elsevier 7,5 Milliarden Euro

Pearson 7,5 Milliarden Euro

Lagardère Media 7,4 Milliarden Euro

Nippon Hoso Kyokai 6,4 Milliarden Euro

ARD 6,3 Milliarden Euro

Bloomberg 6,2 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen

Die RTL Group leistete 2012 den größten Beitrag zum Bertelsmann -Konzernergebnis, vor allem RTL Deutschland: 35 Prozent des Umsatzes und die Hälfte des Ergebnisses der RTL Group stammten aus dem Deutschlandgeschäft.

Zu der RTL Gruppe mit Hauptsitz in Luxemburg gehören 53 Fernseh- und 28 Radiostationen in neun Ländern Europas sowie seit dem 5. November auch in Indien. In Deutschland zählen dazu RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv.

Von

dpa

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