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10.02.2014

15:31 Uhr

Verkaufspläne

L'Oréal -Aktie reagiert auf möglichen Ausstieg

Der Deal ist noch lang nicht sicher, doch die Aktien von L'Oréal und Nestlé reagieren nach den ersten Meldungen über eine mögliche Trennung Nestlés vom Kosmetikriesen. Beobachter sehen die Transaktion kritisch.

Kurzfristig profitieren die Kurse von L'Oréal nach der Meldung, Nestlé könne seine Anteile an dem Konzern veräußern. Ob die Schweizer den Deal eingehen, hängt aber wohl noch von den Konditionen ab– Analysten sind generell skeptisch. Reuters

Kurzfristig profitieren die Kurse von L'Oréal nach der Meldung, Nestlé könne seine Anteile an dem Konzern veräußern. Ob die Schweizer den Deal eingehen, hängt aber wohl noch von den Konditionen ab– Analysten sind generell skeptisch.

Mit einem Anstieg von bis zu 5,2 Prozent hat die Aktie von L'Oréal auf Berichte über Pläne von Nestlé reagiert, seinen rund 32 Milliarden Dollar schweren Anteil an dem französischen Kosmetikunternehmen zu senken. Laut informierten Kreisen prüft der Schweizer Nahrungsmittelkonzern derzeit entsprechende Pläne. Die Aktien von Nestlé kletterten um bis zu 1,9 Prozent.

Den Angaben zufolge steht das Thema auf der Tagesordnung ganz oben und beide Unternehmen haben bereits Banken konsultiert. Sollte es zu einer Verringerung des Anteils von 29 Prozent kommen, werde das aber vor allem Zeit brauchen. Grund dafür seien die Größe der Beteiligung und die komplexen Verbindungen zwischen den Unternehmen und der hinter L'Oréal stehenden Familie Bettencourt. Alle Beteiligten müssten sich auf einen zeitlichen Rahmen einigen. Die Vorbereitungen hätten im Vorfeld der im April auslaufenden Haltefrist für Nestlé an Fahrt aufgenommen, so die informierten Personen. Sprecher beider Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

Der Schweizer Konzern hat verschiedene Möglichkeiten. In Frage kommt den Angaben nach ein Verkauf an L'Oréal, die Familie Bettencourt oder über die Börse wie auch eine Kombination aus den drei Optionen. L'Oréal könnte die Aktien erwerben und dann vom Markt nehmen, was für die Aktionäre den Charme hätte, dass der Wert ihrer Anteile steigen würde. Im Prinzip könnte Nestlé die Aktien bereits jetzt verkaufen, müsste sie aber zunächst der Familie Bettencourt anbieten, bevor das Vorkaufsrecht am 29. April ausläuft.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

Die Eidgenossen wollten sich aus L'Oréal zurückziehen, da der Anteil an dem Kosmetikkonzern nicht zu der langfristigen Strategie einer Konzentration auf Nahrung und Gesundheit passe, sagte eine der Personen. Sollte keine Einigung erfolgen oder der Verkaufspreis nicht angemessen sein, könnte Nestlé aber auch an der Beteiligung festhalten. Eine Entscheidung über den Verkaufsbeginn sei noch nicht erfolgt, so eine der Personen. Derzeit wird L'Oréal mit 78 Milliarden Euro bewertet.

Analyst Pierre Tegner von Natixis Securities riet vom Kauf der Aktien durch L'Oréal selbst allein schon wegen der Möglichkeit eines Anteilsverkaufs durch Nestlé ab. „Ich bin mir nicht sicher, ob L'Oréal 20 Milliarden Euro für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben will”, sagte Tegner, der den Wert als „Neutral” einstuft.

Auch über den Verkauf herrscht Unsicherheit. Analyst Jean Philippe Bertschy von Vontobel AG hatte am 8. Februar angemerkt, er gehe davon aus, dass Nestlé seinen Anteil behalten werde. Der Verkauf wäre kurzfristig gedacht und untypisch für Nestlé. Sollten sich die Schweizer jedoch zu einer Verringerung entschließen, könnten die Erlöse für eine Übernahme verwendet werden. Ein Ziel könnte Ferrero sein. Der Kauf des rund 22,5 Milliarden Franken teuren Süßwarenherstellers würde Nestlé zur weltgrößten Firma im Süßwarenbereich machen, hatten Analysten der UBS AG im November geschrieben.

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