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09.05.2012

17:38 Uhr

Vermisster Superjet

Italienischer Konzern an der Börse unter Druck

Nach Berichten über den möglichen Absturz eines russischen Superjets verkaufen die Anleger die Aktien des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica, der indirekt am Hersteller Sukhoi beteiligt ist.

Firmenzentrale: Der Rüstungskonzern Finmeccanica residiert in Rom. Reuters

Firmenzentrale: Der Rüstungskonzern Finmeccanica residiert in Rom.

Die traurigen Nachrichten über den vermeintlichen Absturz des russischen Großflugzeuges Superjet 100 findet bereits Widerhall an den Börsen. In Mailand verloren die Aktien des italienischen Rüstungsunternehmens Finmeccanica fast sechs Prozent auf 2,78 Euro. Alenia Aeronautica, eine Tochter des Unternehmens, war an der Entwicklung des Jets mit dem Flugzeughersteller Boeing beteiligt und ist mit 25 Prozent am Superjet-Hersteller Sukhoi Civil Aircraft beteiligt.

Die Aktie von Finmeccanica entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Zockerpapier. Im Jahre 2007 lag der Kurs noch bei mehr als 20 Euro, dann ging es kontinuierlich runter. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der Verlust 65 Prozent. Allein im vergangenen Monat verlor die Aktie 13 Prozent.

Die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr waren wenig erbaulich. Der Nettoverlust für 2011 betrug nach einem „außergewöhnlich schwierigen Jahr“ 2,3 Milliarden Euro. Auch der Umsatz ging um sieben Prozent auf 17,3 Milliarden Euro zurück. Im Vorjahr konnte das Unternehmen, bei dem der italienische Staat Mehrheitseigner ist, noch einen Gewinn von 557 Millionen Euro ausweisen. Im ersten Quartal sank der Kerngewinn um 20 Prozent auf 173 Millionen Euro.

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Finmeccanica leidet unter Kürzungen im italienischen Verteidigungshaushalts, Schwierigkeiten in seiner Transport- und Luftsparte und einem Korruptionsskandal. Firmenchef Giuseppe Orsi erklärte, Strategie und Ausrichtung des Unternehmens seien einer „umfassenden, aber nötigen Überprüfung“ unterzogen worden. 2012 wolle der Konzern „einen neuen Kurs“ einschlagen.

Die Anleger überzeugte dies aber offenbar nicht. Die Analystenurteile der vergangenen Monate liegen zwischen Verkaufen und Halten. Die HSBC hat Finmeccanica nach Zahlen zum letzten Schlussquartal im April noch von „Underweight“ auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel von 3,10 auf 4,50 Euro angehoben.

Die Resultate seien zwar schwach, der Unternehmensausblick sei aber überraschend gut gewesen, schrieb Analyst Harry Nourse in seiner Studie. Nach den hohen Rückstellungen im Schlussquartal dürfte das Jahr 2011 den Tiefpunkt bei den bereinigten Gewinnen und dem Cashflow markieren.

Allerdings bleibe der fundamentale Ausblick für den Rüstungskonzern trüb, wenngleich mögliche Enttäuschungen kurzfristig mittlerweile unwahrscheinlicher seien. Zum Kurstreiber könnten Fortschritte bei den Beteiligungsverkäufen werden. Welche Auswirkungen der mögliche Verlust des Jets haben könnte, dazu gibt es bislang keine Beurteilungen.

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